Sockelfigur am "gußeisernen Paradepferd der Weltgeschichte": Christa Reinigs autobiographischer Roman Die himmlische und die irdische Geometrie als "Weibsgeschichte" aus der Zeit des kalten Krieges

by Ricarda Schmidt
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Title:
Sockelfigur am "gußeisernen Paradepferd der Weltgeschichte": Christa Reinigs autobiographischer Roman Die himmlische und die irdische Geometrie als "Weibsgeschichte" aus der Zeit des kalten Krieges
Author:
Ricarda Schmidt
Year: 
1999
Publication: 
The German Quarterly
Volume: 
72
Issue: 
4
Start Page: 
362
End Page: 
376
Publisher: 
Language: 
English
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Abstract:

RICARDASCHMIDT

University of Manchester

Sockelfigur am"gußeisernen Paradepferd der Weltgeschichte": Christa Reinigs autobiographischer Roman Die himmlische und die irdische Geometrie als "Weibsgeschichte" aus der Zeit des kalten Krieges

Unter dem esoterisch anmutenden Ti- tel Die himmlische und die irdische Geo- metrie veröffentlichte die Lynkerin Christa Reinig 1975 ihren ersten Roman. Dahinter verbirgt sich Reinigs Bestandsaufnahme ihres Lebens im Alter von 47 Jahren. Die 1926 geborene, Reinig hat die Weimarer Republik, die Nazi-Zeit und den Krieg, die sowjetisch besetzte Zone und die DDR in Ost-Berlin erlebt, bevor sie 1964 dieverlei- hung des Bremer Literaturpreises als Ge- legenheit nutzte, sich in den Westen abzu- setzen. Doch ihr autobiographischer Ro- man verweigert eine Repräsentation des individuellen Lebens nach dem Muster hi- storischer Chronologie oder eine Engfüh- rung politischer und privater Schlüsse- lereignisse. Nach der Schilderung von zwei Erinnerungsbildern aus Reinigs ersten beiden Lebensjahren heißt es: "Die näch- sten 45 Jahre kann ich überfliegen, denn sie sind zum gußeisernen Paradepferd der Weltgeschichte geworden. Dort, bei den Sockelfiguren findet man auch meine Ge- stalt, wenn man sucht. Natürlich war alles ganz anders" (8).Und natürlich überfliegt Reinig die Zeit von 1928 bis 1973-dem Be- ginn der Arbeit an diesem Buch, die 1974 abgeschlossen wurde (vgl. Erkennen 109) -keineswegs.

Aber dennoch ist Reinigs Roman keine politische Autobiographie-weder steht eine Analyse von Reinigs politischer Hal- tung zu den wechselnden Regierungsfor- men in Deutschland im Zentrum des Ro-

mans (und schon gar nicht der Versuch der politischen Einflußnahme auf das Welt- geschehen) noch eine Neufassung des Be- griffs des Politischen, etwa um im feminis- tischen Sinne das Private als dem Politi- schen der Veränderung zugänglich zu machen. Reinig geht es hier in ihrer soge- nannten vorfeministischen Zeit1 um eine Sichtung ihrer Erinnerungen, die durch das Erleiden einer persönlichen Katastro- phe motiviert wurde: 1971 stürzte sie eine Wendeltreppe hinab und brach sich den Hals. Auf Grund ärztlichers Nachlässig- keit wuchs ihr Kopf im rechten Winkel wie- der an und machte sie zum Krüppel. Erst 1973 bekam sie eine speziell für sie ange- fertigte Prismenbrille, die ihr wieder ein gewisses Maß an Beweglichkeit und vor allen Dingen das Schreibmaschinenschrei- ben, d.h. einen Neuanfang als Schriftstel- lerin, ermöglichte. Statt die Ärzte wegen unterlassener Hilfeleistung zu verklagen, schrieb Reinig ihre mit der Gattungsbe- zeichnung "Roman" versehenen autobio- graphischen Erinnerungen.2 Die Analyse von Form und Inhalt einer sich in diesen Erinnerungen konstituierenden weiblichen Subjektivität ist eines der Ziele mei- ner Arbeit. Ich verwende hier den unbe- stimmten Artikel, um zu signalisieren, daß ich Gisela Brinker-Gablers Bedenken hin- sichtlich der Generalisierungen, die auf der Basis der Untersuchung einer oder mehre- rer spezifischer Autobiographien vorge- nommen werden, Rechnung trage. D.h. ich

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will aus meiner Analyse weder Verallge- meinerungen ableiten, "die letztlich an die Stelle des alten homogenen universalen- Selbst ein neues homogenes weibliches- Selbst setzen'' ("Metamorphosen des Sub- jekts" 396-7), noch will ich, wie es im post- strukturalistischen Diskurs von Foucault geschieht, die Kategorie Geschlecht elemi- nieren oder, wie etwa Derrida und Cixous, mit dem Weiblichen als "Raum von Alteri- tät, der auf eine andere Wahrheit verweist" ("Metamorphosen des Subjekts" 397), ope- rieren. Die in dieser Autobiographie kon- stituierte Weiblichkeit soll nicht als eine alternative moralische, ethische, erkennt- niskritische und ästhetische Kategorie ausgewiesen und ahistorisch generalisiert werden, um einer ebenso ahistorischen An- nahme von Logozentrismus, Teleologie, Geschlossenheit und Einheit der Identität in männlicher Autobiographik positiv ent- gegengesetzt zu werden. Hier geht es mir vielmehr um die Bestimmung einer histo- risch spezifischen weiblichen Subjektivi- tät, die durch klassenspezifische Herkunft, Erziehung, Arbeitserfahrungen, Universi-tätsbildung, philosophische Auseinander- setzungen und politischen Kontext ein un- verwechselbares Profil bekommen hat. Textanalytische und soziohistorische Aspekte sollen in der Analyse der Positiona- lität dieses autobiographischen Ich zur An- wendung kommen.

Zum anderen möchte ich erkunden, welche Erkenntnisse sich aus der Perspek- tive einer Sockelfigur auf das Paradepferd gewinnen lassen. D.h. wie vermitteln sich weltpolitische Ereignisse mit einem priva- ten weiblichen Leben und was rückt dieser historisch spezifische Blick von unten auf die große Politik ins Licht? Ich beschränke mich dabei auf die Analyse der Beziehung von Geschlechtsidentität und nationaler Identität der DDR zur Zeit des kalten Krie- ges, denn was Christa Reinig 15Jahre vor dem Fall der Mauer und 10Jahre nach ih- rer Ausreise über ihr Leben in der DDR schrieb, ist heute zur Zeit der Post-Wende- Romane von besonderem Interesse. Der Zeitpunkt der Niederschrift dieses Textes impliziert, daß Reinig zwar aus histori- schem Abstand schreiben konnte, aber ohne "Akteneinsicht" in das innere Funk- tionieren des Machtapparats, die uns die Medien und die Gauck-Behörde nach dem Zusammenbruch der DDR ermöglichen. Reinigs Einsichten beruhen also auf dem Wissen, was im Prinzip damals allen DDR- BürgerInnen im Alltag zugänglich war, und sie sind noch nicht vom Wissen um das Ende des Staates gefärbt. Sie können des- halb als wertvolles Dokument einer Innen- sicht auf das Funktionieren der DDR gel- ten. Zum anderen macht der Zeitpunkt der Arbeit an diesen Erinnerungen die Autorin frei von dem psychologischen Druck, dem so viele Post-Wende-Romane erliegen, näm- lich entweder ein homogenisierendes Bild der DDR zu geben, in dem politische und persönliche Repressionen nahtlos eins sind oder aber östliche Werte zu retten und die

Qualität der zwischenmenschlichen Bezie- hungen in der DDR gegen die Kälte des Westens positiv hervorzuheben.3 Reinig dagegen äußert sich kritisch über die DDR zu einer Zeit, als diese in der Folge der Ent- spannungspolitik weltweit diplomatische Anerkennung erhielt. Reinig bewegt sich also quer zu den politischen Strömungen ihrer Zeit, vor allem aber in innerer Unab- hängigkeit von ihnen, denn nie attackiert sie die vorherrschenden politischen Dis- kurse, nie präsentiert sie ein kohärentes Gegenbild, sondern sie streift politische Gegebenheiten in der DDR nur, insofern sie sich mit ihren privaten Erinnerungen berühren.

Das mit dem Namen der Autorin verse- hene Ich des Textes entfaltet sich in einer Struktur, die viele traditionelle Erwartun- gen an eine Autobiographie enttä~scht.~ Chronologie, Kontinuität und Kohärenz des Selbst lassen sich nur sporadisch und in Verkehrung finden in einem Text, der nach einleitenden "Erwägungen" mit dem Kapitel "Tod und Sterben'' beginnt. Nun werden theoretisch versierte Literaturwis- senschaftlerInnen zwar sofort meinen, Reinig illustriere somit die These Paul de Mans von der Autobiographie als Epitaph oder Prosopopeia, d.h. Stimme von Jen- seits des Grabes, die er in seinem beriihm- ten Essay "Autobiography als De-Face- ment" vier Jahre nach Reinigs Roman entwickelte. Doch Reinigs Haltung zum Tod hat mehr mit dem Buddhismus (vgl. The Tibetan Book of the Dead) zu tun als mit de Man. Die buddhistische Erkenntnis der Vergänglichkeit, Veränderlichkeit, Zu- fälligkeit des Lebens und der Interdepen- denz seiner Erscheinungen resultiert in heiterer Serenität, nicht in Deprivation und Entstellung des Ich, das sich nach de Mans Analyse als Sklave des Diskurses er- weist, den es fur seine autobiographische Selbstsuche verwendet. Es folgen fünf wei- tere Kapitel, zum Teil mit Unterkapiteln, die genausowenig dem Muster der Lehr- und Wanderjahre folgen, und drei Pausen. "Am Jenseits" beschäftigt sich mit den transzendenten oder auf Unerreichbares gerichteten Interessen der Erzählerin, vor allem dem Buddhismus. "Die Vollendung der Tugend" setzt sich mit literarischen Formen auseinander; "Musa Astrologica" mit Reinigs Unfall und seinen Folgen, näm- lich Reinigs Wandlung zur Vegetarierin und ihrem Interesse an Astrologie. Der Ti- tel des vorletzten Kapitels, "Zyx9'-eine spiegelbildliche Umkehr vom Ende des Alphabets-, deutet an, daß Reinig sich im Krebsgang bewegen wird. "Zyx" befaßt sich mit beruflichen Erfahrungen Reinigs bis zurück in ihre Lehrzeit und endet mit den Berufen ihrer V~rfahren.~

"Das letzte Kapitel" setzt den persönlichen Gang zu- rück zu den Ursprüngen mit Kindheits- erinnerungen fort. Viele dieser Erinnerun- gen kreisen um semantische Aspekte des Sprachenverbs, die historische und kultu- relle Schlüsselinformationen enthalten, also das Zusammenfallen der Ausbildung des Selbstbewußtseins und der spachli- chen Akulturation thematisieren. Die den Roman beschließende Erinnerung, ein Bild zerstückelter, pulsierender Glieder, evo- ziert Glück im Grauenvollen und gibt als letzten Eindruck ein Ich von einer rational nicht aufzulösenden Ambivalenz, die im vorsprachlichen Bereich des Körpers ihre Wurzeln hat. Die Pausen sind fiktive, ana- chronistische Gespräche zwischen histori- schen Figuren (mit einer mythologischen Ausnahme, nämlich Satan), deren weltan- schauliche Grundannahmen einander dia- metral entgegengesetzt sind: Satan dispu- tiert mit J.S. Bach, Arminius mit Tacitus und Kant mit de Sade. Deuten diese aus dem heutigen Erfahrungshorizont gefuhr- ten Gespräche über Musik, Geschichte und Philosophie zunächst auch darauf hin, daß die im Untertitel gegebene Gattungsbe- zeichnung Roman ihre Berechtigung hat, hier also Fiktion dominiert, so springt an- dererseits eine dieser fiktiven Spielfiguren sozusagen aus dem Rahmen und holt die Autorin in den Bereich der Fiktion. Bach schließt sein Gespräch mit Satan mit den Worten: "Wir wollen die Reinig mit ihrem tibetanischen Geseire nicht länger warten lassen..." (31). Die phantastische Pause umspielt also die Grenzen zwischen Fik- tion und Autobiographie und weist auf eine im Gewande des Phantastischen erschei- nende Intellektualität als Konstituens die-

ses Ichs.

Statt ihr Leben nach einem zum Zeit- punkt des Schreibens festen Konzept chro- nologisch darzustellen, verfolgt die Erzäh- lerin in jedem Kapitel ein Thema, oft mit vielen Verflechtungen, Assoziationen und scheinbaren Abschweifungen, so daß der Eindruck von Chaos entsteht. Peter Horn glaubt im Tohuwabohu, worunter er das Prinzip individueller Freiheit und die Ab- lehnung jeglicher gesellschaftlicher Ord- nung versteht, Reinigs philosophisches Credo zu erkennen und schlußfolgert: "Die Inkohärenz der Erzählform der Christa Reinig ist also Prinzip: Jede Ordnung des Diskurses, die sich durchsetzte, würde eben jenes Prinzip des Tohuwabohu ge- fährden" (96).Ob Reinig tatsächlich nur anarchisch ist, sei dahingestellt. Daß aber hinter der (nur auf den ersten Blick) inko- härenten Form ein Prinzip steht, ist sicher

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richtig. Mir scheint, es ist zum einen das Prinzip der Kontiguität von Erinnerungen (d.h. daß sich in einem Erlebnisgleichzeitig ganz verschiedene Bedeutungssphären be- rühren), das Reinig in der Struktur der sechs Themen statt des Prinzips der teleologischen Entwicklung zum künstle- rischen Fokus macht. So thematisiert Rei- nig, wenn sie das Thema Tod reflektiert, gleichzeitig Berufserfahrungen, Buddhis- mus (die beide in späteren Kapiteln selbst zu strukturierenden Themen werden) und politische Ereignisse. Zum anderen wird das thematische Ordnungsprinzip dieser Erinnerungen sowohl vom Prinzip der Chronologie als auch vom Prinzip der um- gekehrten Chronologie überlagert. Die thematischen Erinnerungen in Kapitel 14 sind weitgehend chronologisch angeord- net, die in Kapitel 5 (und teilweise in Ka- pitel 6) umgekehrt chronologisch. Zudem folgen Anfang und Ende des Textes dem Prinzip der umgekehrten Chronologie, in- dem am Anfang über das menschliche Ende reflektiert und von Begegnungen mit dem Tode gehandelt wird und in den letz- ten beiden Kapiteln der Blick zurück auf persönliche Anfänge sowie familiäre, na- tionalgeschichtliche und antike Wurzeln gerichtet wird. Der Effekt dieser drei Strukturprinzipien (die allein im ersten und letzten Kapitel alle drei gleichzeitig zum Tragen kommen, während in den anderen Kapiteln sich jeweils zwei überla- gern) ist der Eindruck des Fragrnentari- schen, Komplexen, Heterogenen, Unabge- schlossenen, Offenen, was die Subjektivi- tät der sich so reflektierenden Autorin anbelangt. Gleichzeitig jedoch vermittelt der lakonisch untertreibende, pointierte, komische Stil des Erzählens den Eindruck von Besonderheit, Tiefe und Stärke. Jean Starobinski mißt dem Stil einer Autobio- graphie große Bedeutung zu, "since to the explicit self-reference of the narration itself the style adds the self-referential value of a particular mode of speaking" (74). Starobinski unterscheidet den elegischen Modus vom pikaresken. Der elegische Ton vermit- telt das Gefühl verlorenen Glücks, privile- giert die Vergangenheit gegenüber der Ge- genwart. Der pikareske Typus dagegen stellt die Vergangenheit als defizient dar:

a time of weaknesses, errors, wandering, humiliations, expedients. Traditionally, the picaresque narrative is attributed to a character who has arrived at a certain sta- ge of ease and "respectability" and who retraces, through an adventurous past, his humble beginnings at the fringes of society. (82) For the picaresque narrator, the present is the time of well-merited repose, of see- ing oneself finally a winner, of finding a place in the social order. He can laugh at his former self, that obscure and needy wretch who could only respond in hang- dog fashion to the world's vanities. He can speak of his past with irony, conde- scension, pity, amusement. (83)

Angesichts von Reinigs Unfall, der sie auf Lebenszeit zum Krüppel machte, hätte eine elegische Darstellung nahe gelegen. Indem Reinig aber den pikaresken Stil wählt, okkupiert sie die Souveränität des erzählenden Ich, die diesem Stil eignet. Aus dem spannungsreichem Kontrast zwi- schen ihrer gegenwärtigen äußeren mise- rablen Lage und der in der ästhetischen Position der Erzählerin vermittelten inne- ren Haltung dazu erwächst der Eindruck einer außergewöhnlichen Persönlichkeit. Das ästhetisch souverän agierende Ich die- ses Textes scheint sich von vielen sozialen Zwängen befreit zu haben, verzichtet auf den Ausweis einer sozialen Identität und ist mehr um Analyse als um Synthese des Selbst bemüht. Die Fähigkeit, sich als das Andere des im sozialen und nationalen Diskurs anerkannten, erfolgreichen Sub- jektes zu reflektieren, ohne der Selbstver- achtung oder dem Schweigen zu verfallen, wird-in Abwesenheit einer stützenden alternativen sozialen Bezugsgruppe wie etwa der Frauenbewegung, die zur Zeit der Arbeit an diesem Text in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckte

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durch den Bezug auf ein philosophisch- religiöses System, nämlich den Buddhis- mus, gefordert. Wenn man mit Gusdorf, Mandel und Eakin den autobiographi- schen Akt als einen Modus der Selbster- findung begreift, der von den Bedürfnis- sen des Selbst in der Gegenwart getrieben wird, der aber dennoch eine referentielle Dimension hat (vgl. Gusdorf 43-45; Man- del 70-72; Eakin 9, 36 und 56), so kann man sagen, daß Reinig in diesem autobio- graphischen Roman das Trauma des zum Objekt-gemacht-Werdens durch die Ärzte durch die Konstruktion eines handlungs- fähigen Selbst überwindet. Es gehört zu den ästhetischen Strategien der Erzahle- rin zur Erreichung dieses Zieles, ihre Gefühle selten explizit und diskursiv dar- zustellen, sondern sie durch die perspek- tivisch gesteuerte Darstellung äußerer Handlung zu evozieren und durch kunst- volle Ellipsen (vgl. Marti 337-38), Ironie, Witz und Satire spürbar zu machen.

Von zentraler Bedeutung für Reinigs Schreibweise und das sich darin konstitu- ierende Ich ist das dritte Kapitel, "DieVoll- endung der Tugend". Es reflektiert über Möglichkeiten und Aufgaben des Romans, Leseerfahrungen der Erzählerin sowie die Gattungen, in denen sie vielleicht arbeiten möchte. Die pädagogische Rolle, die der Ro- man bei seiner Entstehung in der Aufklä- rung spielen wollte, nämlich "den Kampf der Tugenden gegen das Laster darzustel- len" (63), erkennt sie als im Ansatz ver- fehlt, "denn es gibt eben nur vier Denkge- setze. Die Sinnenwelt allein ist unerschöpf- lich. So kommt bestenfalls ein Kampf der Laster gegen die Tugend zustande. Letzt- endlich streicht die Selbstkontrolle des Au- tors die Tugend als inadäquates Element heraus. Bleibt übrig der Kampf der Laster und vielleicht ein Meisterwerk." (63) Dem- entsprechend zielen Reinigs Entwürfe für Handlungen in verschiedenen Romanfor- men nicht auf die Demonstration einer vor- bildlichen moralischen Position. Auffällig ist vielmehr die Vielfalt der Schreibansät- ze, die alle im Skizzenhaften verbleiben, denen aber das Moment des Paradoxen und des Verwischens von klaren Grenzen zwi- schen scheinbar diametral entgegengesetzten Polen gemeinsam ist. Erwägt wer- den u.a. ein in einer Kneipe angesiedelter Roman mit dem Titel "Der Landpfarrer" (64); ein Krimi von "knallharter Realität" (65), denn "alle handelnden Personen sind gleichzeitig auch die Mörder, die als Detek- tive den Mörder suchen, wobei jeder ein- zelne nicht ahnt, daß er der Mörder ist, sondern den Mörder immer im anderen sucht'' (65); ein Thriller über Luftschiff- fahrt, der nur auf dem Boden des Frank- furter Flughafens spielt (65). Selbstiro- nisch und mit einem satirischen Seitenhieb gegen die Abbildtheorie des sozialistischen Realismus (nämlich faschistische und so- zialistische Sprachmuster in den Begriffen "Daseinsberechtigung" und "widerspiegeln" verschmelzend) merkt die Erzähle- rin zu ihren Romanentwürfen an:

Mir fällt ein, daß ich den wichtigsten Fak- tor der Romankunst, die Sozialität bisher völlig vernachlässigt habe. Dabei kann es einen Roman, der das gesellschaftliche Leben nicht getreulich widerspiegelt, gar nicht geben. Ein solcher Roman hat keine Daseinsberechtigung. Ich beschließe, den sozialen Faktor weiterhin außer acht zu lassen, denn der Roman soll ein Spiegel- bild meines Wesens werden, und auch ich habe keine Daseinsberechtigung. (65-66)

Das Genre des autobiographischen Ro- mans ist in diesem selbstreflexiven Kapitel mit drei Ansätzen vertreten, nämlich mit einer protofeministischen Reflexion zur Gattung und mit zwei Mini-Romanauto- biographien. Unter dem persiflierenden Titel "Roman einer tugendhaften Familie"

(69) stellt die Erzählerin auf 20 Seiten diverse Laster, Fehler und Schwächen von Familienmitgliedern vor (einschließlich ih- res eigenen Eintritts in die Hitler-Jugend und ihres Ableugnens dieser Mitgliedschaft nach dem Krieg; vgl. 82). Diesem Kurzroman von fehlender Tugend folgt ein noch kürzerer (2% Seiten langer) "Roman

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für Kinder (Erwachsene bitte weglesen)" mit dem Titel "Die beiden Klos" (88-901, der die Qualen einer moralischen Entschei- dung behandelt. Eines der Klos befindet sich in einem viel begangenen Hausflur. Die Leute "konnten im Vorübergehen mit- anhören, wie man pinkelte und furzte [...]. Ab und zu riß jemand die Tür auf, und man baute gerade an seiner Wurst und keucht mit nach innen gerichteter Kraft: "Be- setzt!" obwohi es sinnlos war, denn man saß offen da wie auf einer Kasperlbühne."

(89) Das andere Klo ist "sauber, still und einsam" (90), aber ohne Licht regt es die kindliche Furcht vor Gespenstern an. Wie es einer Kindergeschichte zukommt, endet diese fäkale Lage mit einer Moral. Denn trotz der lebhaft beschriebenen kindlichen Gespensterfurcht entschied sich die Er- zählerin "auf die Dauer für das Klo der Einsamkeit und des Friedens auf die Ge- fahr hin, den Mördern und Gespenstern zum Opfer zu fallen [...I" (90). Es ist cha- rakteristisch für Reinigs Schreibweise, daß sie anhand eines Beispiels aus den unteren Körperregionen, nämlich der kindlichen Wahl zwischen zwei verschiedenen Orten der Defakation, ein abstraktes moralisches Dilemma darstellt: die Vor- und Nachteile bei der Wahl des Individums, sich entweder in der Mitte oder am Rande der Gesell- schaft zu situieren. Große ernsthafte The- men handelt Reinig mit Vorliebe komisch und lakonisch ab, ohne jedoch durch ihre Tendenz zur Deflation hehrer Ideale einer Determination des Subjektes das Wort zu reden. Vielmehr betont sie die moralische Wahlfahigkeit des Subjektes ausgerechnet anhand ihres skatologischen Beispiels. Allerdings unterminiert dieser Kinderroman die schöne Märchenmoral von der Beloh- nung der Tugend, denn der hier erforder- liche Mut hat keine gesellschaftliche Aner- kennung, keinen gesellschaftlichen Auf- stieg, sondern höchstens inneren Frieden zu gewärtigen.

Der dritte Ansatz zur Autobiographie in diesem Kapitel, die Reflexion zur Gat- tung, stellt uns vor das Paradox, daß sie sowohl ernst zu nehmen ist als auch im Widerspruch zum vorliegenden Roman steht, heißt es doch:

An was ich mich nicht heranwage, ist ein autobiographischer Roman, vielleicht mit dem Titel: "Gott, ich danke dir, dai3 ich nicht wie andere Leute bin." Ich bin ein schwer frustrierter Mensch und halte meine schwarze Seele sorgfältig unter Verschluß. Beichten sind mir so wider- wärtig wie Schulden, mein preußisch-pro- testantisches Erbe, an dem ich schwer trage, denn wie gern würde ich mal Schul- den machen. Ich kann meine Geschichten nur so loswerden, daß ich sie objektiviere. Ich erzählte sie als die Geschichten eines anderen. Eben nicht einer anderen (Weibs- person), sondern eines anderen (neutra- len Menschen), so dai3 aus Weibsgeschich- ten unversehens Mannsgeschichten wer- den [...]. Aus meiner Ich-Erzählung würde eine Er-Erzählung, aus Christa würde Christus und die Kritiker brauch- ten keine volle Osterwoche, mich ans Kreuz zu nageln. (65)

Nun treten aber die Autorin und ihre Ver- wandten namentlich in Erscheinung in diesem Roman,6 und viele nachweisbare Fakten aus dem Leben der Autorin fungie- ren in ihm. In der Identität des Namens zwischen Autorin, Erzählerin und Prota- gonistin sind also die Bedingungen für Le- jeunes Definition des autobiographischen Paktes erfüllt (vgl. Lejeune 5, 11-14; vgl. auch Klüger). Allerdings schließt Reinig durch die Gattungsbezeichnung Roman unter dem Titel gleichzeitig einen fiktio- nalen Pakt mit den LeserInnen-was nach Lejeune per Definition unmöglich ist.7 Im gleichzeitigen Bestehen auf beiden Gat- tungen hebt Reinig gerade die Grenze zwi- schen Fakten und Fiktion auf, um die es Lejeune geht. Das Changieren zwischen den beiden Gattungen erlaubt Reinig die Referenz auf ihr Leben, ohne sich dem Anspruch auf "die ganze Wahrheit" zu unter- werfen. Reinigs vorliegender Text gehört also durchaus der Gattung an, an die sie sich angeblich nicht heranwagt. Erst in ih-

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rem folgenden Roman, Entmannung, wird aus der Frau Christa der Mann Kyra, der an seiner (und stellvertretend an Reinigs) Entmannung im Sinne einer ideologi- schen Entpatriarchalisierung arbeitet.8 Aber dennoch signalisiert der Vorbehalt eine Leerstelle im Text, die erst aus der Perspektive von Reinigs späteren Texten konkrete Konturen gewinnt. Der vorlie- gende Text hält die "schwarze Seele" (65) der Autorin tatsächlich sorgfältig unter Verschluß, denn viele Themen, die man in einer Autobiographie erwartet, sind hier ausgespart, wie z. B. Liebeserfahrungen. Erst in ihrem Gedichtband Müßiggang ist aller Liebe Anfang (1979) schreibt Reinig offen als Lesbe. Im vorliegenden Text han- delt es sich um autobiographische Ge- schichten, die zwar nicht auf ein männli- ches Pendant projiziert werden, die aber dennoch vor allzu persönlichen Enthül- lungen Halt machen. In Geometrie artiku- liert sich ein Ich, das Pointen mehr liebt als Bekenntnisse, das im Leiden noch Witz hat, das eine Spiritualität ohne Pathos praktiziert und dem Widersprüche, Para- doxien und Kontiguitäten von größerem Interesse sind als ein logisch kohärentes Weltbild. Es ist ein Ich von intensiver Kör- perlichkeit, was Essen, Trinken, Verdau- ung, Ausscheidung, Krankheit, Unfall, Tod und meditative Grenzerfahrungen anbelangt, doch der sexuelle Körper bleibt weitgehend ausgespart.

Obwohl Reinig in der Geometrie ihre Erinnerungen nicht bewußt als Frau re- flektiert und die nationale Identität der DDR nur soweit in den Blick kommt, als sie mit den Präokkupationen der Erzähle- rin verschränkt ist, zeigt sich doch gerade in den politischen Passagen oft, daß sozio- historisch weibliche Erfahrungen ihnen zugrunde liegen. Ich möchte hier den Blick der Erzählerin auf ihre DDR-Erfahrung untersuchen, mit dem sie sich vom offiziel- len (und von vielen SchriftstellerInnen trotz punktueller Kritik bis Mitte der 70er Jahre geteilten) Mythos der DDR als Na- tion auf dem Wege zur Utopie der Gleich- heit und Gerechtigkeit distanziert. Drei Themenkreise sollen im Kontext von Rei- nigs Kritik an der nationalen Identität der DDR untersucht werden, die die Aura der Reinheit in Frage stellen, der Bendict Anderson sowohl die Anziehungskraft der Idee des Nationalismus als auch des Mar- xismus zuschreibt (vgl. 132): (1)materielle Instrumente politischer Repression, (2) ideologische Reglementierungen, (3) die Diskrepanz zwischen ideologischem Anspruch und der Wirklichkeit.

Zunächst zu den Instrumenten politi- scher Repression. En passant erfahrt die Leserin, daß es im Juni 1953 noch sibiri- sche Lager mit deutschen Gefangenen gibt und daß bei deren Behandlung die Spal- tung von Berlin eine Rolle spielt:

Aus einem sibirischen Lager erreichte uns eine Nachricht. Ein Freund verlangte nach seiner warmen Kleidung für den Winter. Es war Juni und keine Zeit zu ver- lieren, damit er rechtzeitig zu seinen Sa- chen käme. Aus irgend einem Grund, über den es sich nicht verlohnt, sich den Kopf zu zerbrechen (denn es ist ein russi- scher Grund), kamen Pakete aus Ostber- lin nicht in Sibirien an, wohl aber die Sen- dungen aus Westberlin. Die Freunde aus Westberlin konnten aber an die Sachen nicht heran, die in Potsdam lagen. So war es meine Aufgabe, die Kleidung von Pots- dam nach Westberlin zu schmuggeln. [...] Wenn die Soldaten, die den Zug kontrol- liertet), unser Bündel entdecken und in Augenschein nahmen, wie sollten wir zwei Weiber uns herausreden, wozu wir einen Haufen alter Unterhosen und Män- nerpullover nach Westberlin einführen wollten? Man hätte uns aus dem Zug ge- holt. (37)

Einerseits fungieren die Erzählerin und ihre Mutter in dieser mit kafkaeskem Duktus erzählten Szene, die das Allge- meingültige eines besonderen Falles her- ausarbeitet (ein Lager, eine Nachricht, ein Freund), in typischen weiblichen Helfer- rollen mit banalen hausfraulichen Requi- siten. Andererseits geraten sie bei dem

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Versuch, ihre Geschlechtsrollen auszufül- len, in den männlichen Abenteuerbereich und in den in seinen Absurditäten undurch- schaubaren Mechanismus des kalten Krie- ges. Aus der Diskrepanz zwischen diesen beiden extrem zugespitzten Geschlechts- rollen, die hier gleichzeitig gespielt wer- den müssen, resultiert die Komik der Sze- ne. Das handelnde Subjekt unterwirft sich der weiblichen Geschlechtsrolle und geht gleichzeitig in der bewußten Imitation die- ser Rolle über sie hinaus. In der Formulie- rung Judith Butlers könnte man sagen: "Submission and mastery take place si- multaneously".g Das Ich überschreitet die Grenzen der Geschlechtsrollen im Kampf

mit den Ost-West-Grenzen des kalten Krie- ges, ohne jedoch weder die Geschlechts- rollen noch das politische System durch diesen Akt direkt anzugreifen. Hier wird nicht mehr und nicht weniger als eine Lücke im System gesucht-und gefunden. Die Schilderung dieses Grenzabenteuers jedoch provoziert die Erkenntnis der Ille- gitimität des sozialistischen Systems in der Leserin. Sie gibt die politische Situati- on, in der einfache weibliche Hilfeleistun- gen zu gefährlichen Mutproben werden, der Lächerlichkeit preis.

Ähnlich von der Seite gesehen, von der persönlichen Erfahrung her, statt das Po- litische direkt anzusteuern, sind zwei klei- ne Anmerkungen zum Aufstand vom 17. Juni:

Wer weiß, was fiur ein Buddhalicht aus mir

geworden wäre. Aber zwei Tage später

war der 17. Juni 1953. Die hohen Wogen

der Politik und der Volksmassen spülten

mich hinweg aus dem Reich des Reinen

Geistes. Die fremden Truppen schlossen

uns ein und trieben uns Straße um Straße

zur Stadtmitte zu, wo man auf dem Lust-

garten (er heißt nun Marx-Engels-Platz),

die Schüsse der Exekutionskommandos

knallen hörte. Wir ließen uns treiben und

lachten und scherzten, als ginge es zu ei-

nem großen Fest. (38)

An anderer Stelle heißt es:

Eines Nachts, die Stalinallee war noch Stalins Stalinallee. Er war noch kregel und ließ die Welt erzittern. Die Arbeiter waren noch nicht hindurchgestampft und hatten den Funktionären noch nicht ein für alle Mal das moralische Rückgrat zer- trampelt. Kurz, lange vor dem 17. Juni 1953 lief eine Sexparty ins übliche Nichts aus. Die Genossen und Genossinnen fischten nach ihren Unterkleidern [...I.

(59)

Die Kontiguität von Buddhismus und Exe- kutionen, von Sexparty und noch nicht zerbrochenem moralischen Rückgrat sind zwei von den für Reinigs Komik typischen Gegensatzpaaren des Abstrakten und des Körperlichen. Wiederum ist das erinnerte Ich nicht planvoller Agent politischer Ver- änderung, sondern hier 1Mt es sich von dem Versuch zur Veränderung treiben. Der Aufstand wird als Volksbewegung be- schrieben, nicht als von Faschisten orga- nisierter Putsch, wie die SED und Stephan Hermlin es seinerzeit taten. Die Nieder- schlagung wird als Gewaltakt mit Toten kenntlich. Zwar hat das Subjekt in dieser historischen Situation keine geschichts- prägende Kraft, doch ist zumindest das er- innernde Subjekt (und implizit auch das erinnerte Ich) erkenntnisfähig. Der Auf- stand markiert aus seiner Sicht einen sehr frühen Legitimationsverlust der Regie- rung.

Das dritte Instrument politischer Re- pression, das ich hier diskutieren möchte, ist die Berliner Mauer. Die für Reinig mit dem Mauerbau am 13. August 1961 verbundenen Ereignisse sind noch paradoxer als die bisher diskutierten. Denn eine, wie es scheint, bescheidene moralische Ver- pflichtung kann nun nur um den Preis des Verlustes der Freiheit eingelöst werden.

Meine Mutter hatte mir, bevor sie starb, ihre Katze vermacht. An einem schönen Sonnabend war ich zu Freunden nach Westberlin gefahren und hatte bei ihnen übernachtet. Am anderen Morgen erfuh- ren wir, daß Ostberlin von der Außenwelt hermetisch abgeschlossen war. Niemand durfte mehr heraus. Ich schlug alle Bit- ten, Ermahnungen, Warnungen, alle Ein- ladungen und Hilfeangebote in den Wind und sagte: "Ich muß Kolumbus futtern", ging in den Osten zurück und ließ mich einmauern. Ein halbes Jahr später lag Kolumbus im Sterben. (24)

An anderer Stelle nennt die Erzählerin dies "den schrecklichsten Weg [ihres] Le- bens" (57), den sie zweieinhalb Jahre lang im Traum wiederholte. Im Gegensatz zu den Erinnerungsbildern des 17. Juni schwimmt die Erzählerin hier bewußt ge- gen den Strom der Weltereignisse, doch nicht politische, sondern rein persönliche Motive bestimmen ihr Handeln. Die weib- liche Sozialisation erweist sich an diesem Beispiel als eine, die zum Einschlagen un- gewöhnlicher Wege befähigt, doch sind es Wege, die primär auf individuelle ethische Verantwortlichkeit zielen, nicht auf politi- sche Freiheit oder Weltveränderung. Sie haben Zweifel, Alptraum und Unglück zur Folge, d.h. sie sind nicht als vorbildlich und zur Nachahmung einladend geschildert. Eine der Antigone verwandte Position, die Ethik über Staatsraison und die eigene Freiheit stellt, ist noch immer das Muster weiblichen Handelns. Aber sie wird in ih- rem Bezug auf eine von der Mutter anver- traute lebende Katze sowohl ihres Pathos' und ihres staatsgefährdenden Potentials entkleidet als auch von der Bruder-Schwester-Beziehung in eine durch die Katze vermittelte Mutter-Tochter-Bezie- hung überführt, also in eine weibliche Ge- nealogie.

Unter den in der Geometriegeschilderten ideologischen Einschränkungen möch- te ich die Bewußtseinskontrolle in der le- gendären Arbeiter- und Bauern-Fakultät und literarische Zensur herausgreifen. Die Proletarierin Christa Reinig bekam durch die ABF die Chance eines zweiten Bil- dungsweges, doch die Erinnerungen an diese Zeit sind im vorliegenden Text nicht rosig verklärt, und zwar weder im Hinblick auf die Institution noch auf die Rolle, die Reinig in ihr gespielt hat:

Eines schönen Tages zweckte ich ein Pa- pier ans Schwarze Brett des Kunsthisto- rischen Instituts. Es war ein Rechen- schaftsbericht über die enormen Bewußt- seinsfortschritte unseres Kollektivs. Ich hatte ihn nicht freiwillig verfaßt. Aber so, wie er da hing, gefiel er mir. [...I Neben mir tauchte die Instrukeurin auf [...I. Ein schöner Artikel, sagte sie. Und dein Kol- lektiv hat in einem Jahr wirklich sein Be- wußtsein so hoch entwickelt, fragte sie. Natürlich, sagte ich, hier stehts doch schwarz auf weiß.-Und Wilma, hat die ihr Bewußtsein auch entwickelt? Das saß! Wilma pflegte in der Mensa einer marxi- stischen Universität vor aller Augen die Hände zu falten und ein Tischgebet zu sprechen (eine ritterkreuzwürdige Mut- probe). Ich mußte antworten, antworten, schnell antworten. [...I Da tritt aus der Tür die Chefassistentin des Instituts[. ..] und wandelt mit geziemender Würde in Richtung Klo. Ich zögere, denn das, was ich sagen will, darf die Chefassistentin nicht hören, sonst falle ich durch die Zwi- schenprüfungen, und vielleicht sogar durchs Examen. [...I Da, zwischen zwei Feigheiten eingekeilt, optiere ich für die Partei, die an unserem Institut noch im- mer die stärkere ist. Ich sage: "Was hier steht, gilt auch für Wilma." (4849)

Falsche öffentliche Bekenntnisse, Heuchelei, Anpassungsdruck sind die Merk- male dieser Institution zur Förderung der Arbeiter und Bauern, denen die Erzähle- rin nicht wie ihre Kommilitonin entgegen- steht, sondern denen sie sich beugt. Hier wird deutlich, daß, wie Judith Butler schrieb, "agency is implicated in subordi- nation" (Psychic Life 17). Das führt das Konzept des handelnden Subjekts nicht ad absurdum, aber es widerlegt naive Vorstel- lungen seines steten und ausschließlichen Widerspruchs zur Macht. Daß die Chef- assistentin bei dieser Bewußtseinskon

SCHMIDT: 371

trolle ihren Gang zum Klo verzögert, um die Antwort der Erzählerin zu hören, ge- hört zu den für Reinig charakteristischen Mitteln, moralische Konflikte durch ska- tologische Kontextualisierung komisch zu degradieren. Selbst die Staatssicherheit wird bei Reinig durch den Blick auf Kör- peröffnungen und ihre öffentliche Entlee- rung in geradezu karnevalesker Weise ih- res bedrohlichen Mythos' entkleidet. Bei einer studentischen Exkursion "machte unsere Staatssicherheitsdame Anstalten, das Zimmer vollzukotzen und das Bett, worin wir zu dritt schlafen sollten. Ich zerrte sie aufs Klo und hielt ihr das Köpf- chen." (135) Zu beachten ist bei den hier angeführten Beispielen ideologischer Ein- schränkungen, daß sämtliche Rollen im Verhältnis zur Macht weiblich besetzt sind und so eine moralisierende Gleichsetzung von Weiblichkeit mit schuldloser Ohn- macht oder tapferem Widerstand nicht möglich ist. Das Konzept von weiblicher "Mittäterschaft" hat Reinig also bereits lange vor seiner theoretischen Erfindung literarisch gestaltet.

Literarische Zensur schildert Reinig nicht aus der Perspektive von Literatur- produzentInnen. Weder die Zensur ihrer eigenen Gedichte und Erzählungen in der DDR, die nach der Veröffentlichung der Erzählung "Ein Fischerdorf' im Jahre 1951 nur in der BRD erscheinen konnten, noch Peter Huchels Entlassung als Her- ausgeber der liberalen Literaturzeitschrift Sinn und Form im Jahre 1962, noch die öffentliche Verklärung des kulturellen Er- bes bei gleichzeitiger Verdammung der Moderne besonders nach dem Mauerbau, noch die staatliche Förderung von Fest- und Feiergedichten macht Reinig zum Thema in diesem Roman. Daß Reinig in der 1960 im Westen erschienenen Gedicht- SammlungDie Steine von Finisterre nicht dem verlangten sozialistischen Fortschritts- optimismus und der literarischen DDR- Provinzialität huldigte, läßt sich nur indi- rekt schließen aus der Darstellung der jun- gen Leserin Reinig, die in Buchhandlungen nach isländischen Sagas fragt:

Dann kam, nicht immer, aber recht häu- fig, ein inniges Lächeln über den Laden- tisch. Eine Geheimtür wurde aufgeschlos- sen und es hieß: Nein, isländische Sagas haben wir leider nicht, aber vielleicht fin- den sie hier etwas, das ihnen gefällt. Da standen dann Thomas Wolfe, Kin-ping- meh, Meliere [sic.], alles dem Zugriff der Genossen entzogen, zu meiner Verfü- gung. Manchmal war ich versucht, an die Mauer zu gehen und die Bewacher zu fra- gen: Haben Sie isländische Sagas? Viel- leicht hätten sie mich durchgelassen. (51-52)

Hier wird an drei Namen das die Literatur verschiedener Jahrhunderte und Natio- nen umspannende Ausmaß an staatlicher Bevormundung des Lesestoffs in der DDR ebenso deutlich wie die Tatsache, daß es trotzdem für findige Individuen Schlupf- löcher gab, kleine private "Sesam-öffne- dich-Formeln".

Abschließend möchte ich auf zwei All- tagserfahrungen eingehen, die eine Dis- krepanz zwischen dem ideologischen An- spruch auf Gleichheit und einer ungleichen sozialen Praxis thematisieren. In der Nach- kriegszeit in der SBZ erlebt die Erzählerin, wie ein fanatisch kommunistischer Onkel, der eine Schwerarbeiterlebensmittelkarte bekommt, sich einen Hund anschafft, um die ihm zustehenden Lebensmittel zu ver- zehren, während er seine Frau an der ihr zustehenden Ration für "Sonstige" darben läßt, damit auch alles "nach der Gerechtig- keit" (84) geht. Daß dieses Beispiel nicht nur von der Diskrepanz zwischen ideologi- schem Anspruch auf Gerechtigkeit und de- ren tatsächlicher Pervertierung bei einer Privatperson, die zufällig Kommunist ist, zeugt, wird deutlich durch den Verweis der Erzählerin auf die institutionalisierte Un- gleichheit dieses Systems, nämlich die privilegierte Ausstattung der "Gehirnwasch-Kamarilla" (84) mit besseren Le- bensmittelkarten als die Arbeiter. Als ABF- Studentin in der jungen DDR macht eine

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Menschenschlange, die um billiges Pferde- fleisch ansteht, der Erzählerin deutlich: "Da stand der Auswurf der sozialistischen Zivilisation und sah genau aus wie jeder Aus- wurf: weißhaarig-strubbelig, grau-braun- sackrnäßig gekleidet, gebeugt, einbeinig, einarmig mit und ohne Krücken" (136).

Reinigs Blick von unten auf das Para- depferd der Weltgeschichte ist also einer, der am Konkreten, am Körperlichen den Wert von Ideen testet und diese häufig kar- nevalesk degradiert. Und obwohl ihre Weiblichkeit weder das Leben der Autorin in die Bahnen des Klischees von Hausfrau und Mutter gedrängt hat noch explizit als ein Konstituens in der Formation des Sub- jektes reflektiert wird, erweist sich gerade der Zugang des Subjektes zu politischen Erfahrungen weitgehend als ein in den Möglichkeiten eines traditionellen weibli- chen Alltags begründeter mit seiner Zu- ständigkeit für körperliche Funktionen wie Essen, Trinken, Ausscheidungen und für Bekleidung. Aus dieser Perspektive heraus gelingt es Reinig, respektlos-arnü- sante Einblicke in den sozialistischen Staat zu geben. Wir lernen einen totalitären Staat kennen, in dem es dennoch Lücken im System gibt, die die Konstituierung ei- ner bemerkenswerten Subjektivität ermöglichen. Reinig zeigt uns Totalitarismus auf nicht-totalitäre Weise, indem sie die Multiplizität der Vektoren der Macht anschaulich macht. Das Subjekt, das sich in diesem historischen Rahmen konstituiert, geht nicht auf in seiner Unterwerfung un- ter den politischen Druck und in der Per- formanz von Geschlechtsrollen, sondern entwickelt gleichzeitig eine gewisse Selbst- herrschaft. Es ist ein Subjekt, das keine weltverändernden Taten zustandegebracht hat, das uns aber durch seine über- raschenden Einsichten und kreativen Ver- knüpfungen, seinen Witz und seine höchst individuelle Gratwanderung zwischen Esoterik und drastischer Korporalität fes- selt.

Zwar wurde Reinig für Die himmlische und die irdische Geometrie mit dem Kriti-

kerpreis für Literatur ausgezeichnet, doch hat ihr Roman in der Literaturwissen- schaft bis heute nicht viel Beachtung ge- funden.lO Er paßte nicht so recht in die vor- herrschenden theoretischen Strömungen westlicher Literatur und Literatunvissen- schaft. Waren die frühen 70er Jahre durch die Dominanz gesellschaftskritischer Aspekte in der Literatur und eine marxisti- sche Literaturwissenschaft charakterisiert, die späten 70er durch die "neue Sub- jektivität" und psychoanalytische sowie strukturale literaturwissenschaftlicheAnsätze, so machte in den 80er Jahren die bereits Ende der 60er Jahre von Roland Barthes erfundene Formel vom "Tod des Autors" im Verein mit Foucaults Entde- ckung des Autors als Funktion von "Dis- kursen" Karriere in der dekonstruktivisti- schen Literaturwissenschaft (vgl. satirisch dazu Adair). Literatur, die die Unmöglich- keit von subjektiver Kohärenz und Selbst- bestimmung behandelte, galt nun als avantgardistisch. Nach der Darstellung politischer Mißstände und der Offenlegung persönlichen Leidens trat die Abwesenheit von subjektiver Handlungsfähigkeit ins Zentrum des Interesses der westdeutschen Literaturwissenschaft. Jörg Lau stellt die- se Phase folgendermaßen dar:

Die Aufgabe des Literaturwissenschaft- lers schien nun darin zu bestehen, jeden Text sagen zu lassen, daß er nicht sagt, was er zu sagen vorgibt-es sei denn, er stammte vom Meister selbst. Das war, wie man sich denken kann, schon bald ein ex- trem langweiliges Unternehmen mit ziemlich vorhersehbaren Ergebnissen. Und nebenbei entstand ein neuer Gesin- nungskitsch, nicht auf dem Wege "erpreß- ter Versöhnung'' (Adorno), sondern gera- de umgekehrt-als erpreßte Unversöhnt- heit. (Überhaupt: Man müßte einmal ein Inventar des Kitsches der Negativität er- stellen, der Gemütlichkeit zweiten Gra- des, die sich mit Aporien, Disruptionen, Aufschüben, Differancen und Ambivalen- zen behaglich eingerichtet hat.) (155)

SCHMIDT:

Daß die von Lau einem universalen männ- lichen Subjekt, nämlich dem Literaturwissenschaftler, zugeschriebene Haltung in den 80er und frühen 90er Jahren tatsäch- lich auch eine weitverbreitete feministi- sche Position war, zeigt sich an der For- schungsliteratur zur Autobiographie von Frauen (vgl. u.a. Goodman, Smith). Ich erinnere mich auch an eigene literaturwis- senschaftliche Arbeiten, die die Spuren der "Gemütlichkeit zweiten Grades" tra- gen, einer zeitweise unwiderstehlichen Mode.

Obwohl Reinigs autobiographischer Roman Elemente all dessen hat, was lite- raturtheoretische Moden jeweils interes- sierte, nämlich des Politischen, Subjekti- ven, Disruptiven und Heterogenen, läßt er sich doch unter keine der literaturtheore- tischen Tendenzen der letzten 25 Jahre subsumieren. Für den in der ersten Hälfte der 70er Jahre gebildeten Geschmack er- schien das Politische darin zu sehr en pas- sant. Zudem fiel die Radikalität der hier und da aufblitzenden Kritik an der DDR bei der literarischen und der beginnenden feministischen Intelligenz, die gerade 1974 Irmtraud Morgners Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz als Sensation gefei- ert hatte, damals noch auf taube Ohren. Der Roman ließ sich auch nicht unter das Banner der "neuen Subjektivität'' stellen, denn das Leiden an den Verhältnissen ver- birgt sich hinter der Maske des Komischen, statt mit Ernst, Direktheit und psychoana- lytischer Akribie vor allem am Beispiel der Sexualität ausgestellt zu werden. Und ob- wohl drittens der Roman in seiner Struk- tur die buddhistische Vorstellung vom Subjekt als einem "zusammengesetzte[n] Etwas, das sich dauernd verändert" (Erkennen 70), vermittelt, eignet er sich weder für die Illustration der These, daß der Au- tor tot sei und von der Sprache gesprochen werde noch für die Untermauerung des Axioms, daß das Subjekt per se erkenntnis- und handlungsunfahig sei. Denn obwohl sich Christa Reinig vielen Einflüssen, sprich "Diskursen" geöffnet hat, erweckt ihr Roman weniger den Eindruck einer Zurschaustellung der Macht dieser Diskur- se als vielmehr von Reinigs kreativen Art, sie aufzunehmen. Im Ergebnis läuft das nicht auf das Konzept eines kohärenten Subjekts hinaus, aber doch eines einmali- gen, vielschichtigen Subjekts, dem mittels Selbstdistanz, Witz und ästhetischer Form ein gewisses Maß von Einsicht, Handlungs- fahigkeit und-trotz aller Komik-Würde zukommt. Ich lese die von Reinig in der Geometrie gestaltete Subjektposition mit Judith Butler als ein Beispielvon "agency":

Agency exceeds the power by which it is enabled. [...] agency is the assumption of a purpose unintended by power, one that could not have been derived logically or historically, that operates in a relation of contingency and reversal to the power that makes it possible, to which it never- theless belongs. This is, as it were, the ambivalent scene of agency, constrained by no teleological necessity. (Psychic Life 15)

Ob nun wohl mit dem ausgehenden Jahr- tausend die Zeit gekommen ist, die Christa Reinigs unorthodoxen autobiographischen Roman mehr schätzen kann?

Anmerkungen

'Ihre Reaktion auf den Ihns-Prozeß von 1974 und auf Verena Stefans Häutungen 1975 leiten Reinigs feministische Wende ein, die in ihrem Roman Entmannung Ausdruck fand.

2Vgl. Reinig Erkennen 55-58. Zur Gattung des autobiographischen Romans vgl. Eakin, Holdenrieds Im Spiegel ein anderer, Kosta, Paulsen.

3Vgl. zur Kritik an dieser binären Ost-West- Opposition in neueren Romanen Schmidt "'The Gender of Thought"' und "Das ausgeschlosse- ne Andere."

4Vgl. zur Theorie der Autobiographie im allgemeinen Eakin, Lejeune, Marcus, Olneys Metaphors of Self und Autobiography: Essays, Pascal, Schneider; vgl. zur neueren Theorie der Autobiographie aus feministischer Sicht Ben-

374 THEGERMANQUARTERLY Fall 1999

stock, Brodzki und Schenck, Gilmore, Good- man, Holdenried Geschriebenes Leben, Jelinek Women's Autobiography und The Tradition of Women's Autobiography, Kosta, Saunders, Smith, Stanley, Stanton, Wedel; vgl. zur Kritik an der poststrukturalistischen Orthodoxie in feministischen Analysen, die unbeabsichtigt die kritisierten teleologischen Denkweisen re- produziert, Schmidt "'Dissonance is the Voice of the Future"' 94.

5Wegen der wiederholt auftauchenden gleichen Vornamen vergleicht Reinig ihre Ah- nentafel mit der der römischen Cäsaren. Der respektlose Vergleich des Stammbaums des unehelichen Abkömmlings von Arbeitern und Handwerkern mit dem Stammbaum des römischen Herrschergeschlechtes dokumen- tiert Reinigs Fähigkeit, über historische, na- tionale und soziale Grenzen hinweg Beziehun- gen wahrzunehmen. Zugleich illustriert die soziale Funktion, die Reinigs Stammbaum un- ter verschiedenen Regierungen hatte, daß weniger die Herkunft selber von Bedeutung ist, sondern vielmehr deren Stellenwert inner- halb eines politischen Systems. Denn unter den Nazis gelang Reinigs Mutter der Arier- nachweis für ihre Tochter, in der DDR dagegen ist der Abkömmling von Proletariern "auf sämtlichen Hoch- und Niederschulen bevor- zugt abzufertigen" (175).

6Marti weist darauf hin, daß der Name der Autorin elfmal im Text erscheint (340).

7Vgl. Lejeune 15; vgl. auch Lejeunes spä- tere Relativierung seiner theoretischen Posi- tion "The Autobiographical Pact (Bis)" Lejeune 119-37; vgl. bes. 134-36 zur möglichen und mit Beispielen illustrierten Ambiguität des autobi- ographischen Paktes.

8Vgl. dazu Schmidt Westdeutsche 240-83.

gButler, Psychic 116. Während Gender Trouble, Butlers erstem Buch, der Vorwurf ge- macht wurde, daß es die Handlungsfähigkeit des Individuums nicht konzeptualisiere (vgl. Benhabib Situating 214-18 und "Subjectivity, Historiography, and Politics"), reflektiert Butler seit ihrer Auseinandersetzung mit Ben- habib verstärkt die Möglichkeiten und Gren- zen für die Ausbildung individueller Hand- lungsfähigkeit in den Lücken zwischen der Performanz gesellschaftlicher Sprach- und Handlungsmuster und deren subjektiver Inte- riorisierung. Vgl. auch Butler "For a Careful Reading," bes. 133-37 und Excitable Speech.

1°Vgl. die wenigen Analysen: Horn und Marti. Auch in neueren Untersuchungen zur deutschen Autobiographie von Frauen wie etwa Kosta und Holdenrieds Geschriebenes Le- ben wird Reinig nicht behandelt.

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