Literarische Notiz: Margot Scharpenbergs neue Gedichte

by Ulrich K. Goldsmith
Citation
Title:
Literarische Notiz: Margot Scharpenbergs neue Gedichte
Author:
Ulrich K. Goldsmith
Year: 
1999
Publication: 
The German Quarterly
Volume: 
72
Issue: 
3
Start Page: 
290
End Page: 
291
Publisher: 
Language: 
English
URL: 
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DOI: 
PMID: 
ISSN: 
Abstract:

Literarische Notiz:
Margot Scharpenbergs neue Gedichte

Vor Kurzem erschien ein neuer Gedichtband der deutschen Dichterin Margot Scharpenberg unter dem Titel Wenn Far- ben blühen. Gedichte zu Blumenbildern

(Mühlacker: Stieglitz Verlag, 1999. 80 S.) Scharpenbergist eine Autorin, deren Werk in den Vereinigten Staaten noch der Ein- führung bedarf. Die gebürtige Kölnerin Margot Scharpernbergist seit 1962 in New York ansässig. Sie kennt dies Stadt wie kaum eine andere; schon 1972 veröffent- lichte sie das Buch Einladung nach New York,dem sie das elfstrophige Gedicht "Ich bin ein New Yorker" vorangstellt hat. Seit- dem besucht sie ihr Geburtsland jAhrlich ein- oder zweimal und veranstaltet Lesun- gen aus ihren dichterischen Werken. Ihre Lyrikveröffentlichungen begannen 1957 mit Gefährliche Übung. In regemaßigem Abstand hat sie 23 weitere Bände publi- ziert. Diese sind durchweg en face mit Zeichnungen, Fotografien oder Gemalden versehen, weshalb sie treffend als "Bildge- spräche" bezeichnet werden. Die Persona redet den jeweiligen Gegenstand des be- treffenden Bildes in feststellender oder fra- gender From an, wie z.B. Kunstwerke in Museen, Graphiken moderner Künstler, In- dianische Felsbilder Nordamerikas, klassi- sche griechisch-römische, mitteralterliche und moderne Werke.

In dem neuen Band Wenn Farben blü- hen ist allerdings diese Form der direkten Anrede in nur 9 aus insgesamt 32 Gedich- ten gewahrt worden. Die übrigen Werke sind aus der Haltung des unparteiischen Beobachters, d.h., inder drittenPerson sin- gularis gesprochen. Vor allem aber wird ein neues Thema behandelt: Blumen!

Intellektuelel Vielseitigkeit und reine Menschlichkeit-4't leicht ironisch geprägt -sprechen auch hier wieder aus Scharpen- bergs Wortkunst. Falls man fragen wollte, "Stimmt denn alles, was die Dichterin sagt?"so hört man deutlich am Ende des Gedichtes Enzian den Zuruf:

"Ihr müßt mir schon glauben
wie ihr den Dichtern glaubt:
ohne Beweise"

Eine Freundin der Dichterin, die Ster- nenfelser Künstlerin und Malerin Martina Mohren, hat die Bilder gemalt, die jedem der 34 Blumen-Gedichte gegenübergestellt sind und die Dichterin inspiriert haben. Scharpenberg hat sich bewußt von den gro- ßen Weltproblemen abgewandt, um sich mit dem "Unscheinbaren" zu beschkfti- gen, das ja immerhin (glücklicherweise?!) einen wesentlichen Bestandteil unseres täglichen Lebens bildet.

Das vorliegende Werk erinnert an Scharpenbergs "31x Klee" von 1994, wo die Schönheit von Klees Gemälden in den be- gleitenden Gedichten widergespiegelt wird -ebenfalls ein Beweis für die Gewandtheit, mit der die Dichterin Literatur und visuelle Kunst zu verbinden weiß.

Ich zitiere ein Beispiel aus dem neuen Band (S. 56):

Sie hat noch nicht gelernt
sich unter zu viel
Lidern zu vertecken
die schöne
Unschuld vom Lande

ein unbeschriebenes Blatt
aus weißen Blättern

The German Quarterly 72.3 (Summer 1999) 290

die zeigen offen und wortlos ihren Webetext in Gold: komm näher

verschwiegen im dunklen Hintergrund Preis wie Lohn reife Hagebutten dicht neben drohendem Dorn

Notiz: Scharpenberg

Amüsant ist die ironische Anwendung der abgedroschenen Redensarten "Unschuld vom Lande" und "unbeschriebenes Blatt," sowie danach das Wortspiel mit "weißen Blättern", wobei es sich um Blü- tenblätter handelt.

UlrichK. Goldsmith Uniuersity of Colorado at Boulder

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