Die Über(be)setzung der Vergangenheit: Ingeborg Bachmanns Roman Der Fall Franza

by Angelika Rauch
Citation
Title:
Die Über(be)setzung der Vergangenheit: Ingeborg Bachmanns Roman Der Fall Franza
Author:
Angelika Rauch
Year: 
1992
Publication: 
The German Quarterly
Volume: 
65
Issue: 
1
Start Page: 
42
End Page: 
54
Publisher: 
Language: 
English
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ISSN: 
Abstract:

ANGELIKA RAUCH

University ofMinnesota and Macalester College

Die Uber(be)setzung der Vergangenheit: Ingeborg Baclunanns RomanDer Fall Franza

Bachmannbeginnt ihrRomanfragment Der Fall Franza mit einerVorrede, von der man den Eindruck hat, daB sie als Leseanweisung gilt. Der Leser solle sich nicht von der oberfliichlichenPlotstrukturverfuhren lassen,denndie Handlungsei, so warntdie Autorin, nicht der Inhalt.I Bachmann sensitiviert hier den Leser, auf etwas anderes hin zu lesen, niimlich auf ein Problem, die problematische Struktur des Verbrechens. Da es ein Thema ist, wird das Verbrechen, das sie meint, das aber noch nicht explizit genannt ist, nicht beispielhaft im Roman vorexerziert, sondern gerade weil "diese Verbrechen so sublim [sind], daB wir sie kaum wahrnehmen konnen, obwohl sie taglich begangen werden, ... verlangen sie Geist [zu ihrerAusfuhrung]."2 Um also das Verbrechen, von dem Bachmann in ihrer Vorrede spricht, wahrzunehmen, d.h. es zu entziffern im Leseakt, im Lesen von Bachmanns Worten, muB anscheinend schon vorheranebendenGeistappelliertwerden, der diese Verbrechen ausfuhren kann. Wenn Bachmann kein objektives oder historischesVerbrechenmeint,3 dann gehtes bei diesem Verbrechen urn ein Verhiiltnis zwischen Wahrnehmung und Geist, zwischen Erfahrung und Denken, um die geistigen Prozesse, die dem Denken, als die ''wirklichenSchaupliitze,die inwendigen/'t zugrunde liegen. Was in diesem Zitat anklingt, ist die Freudsche Theorie der Sinnkonstruktion als unbewuBte Ubertragung von Wahrnehmung oder Empfindung in vertrauteGediichtnisbilderoderWorte. Die potentielle traumatische Erfahrung wird dabei "am anderen Schauplatz" neutrali-

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siert und die Verbindung zu schrecklichen

ErlebnisseninderVergangenheit, die asso

ziiert werden konnten, gekappt.

Was sich auf diesen anderen, inwendigen Schauplatzen abspielt, ist der Konflikt mit der Vergangenheit, die, damit Menschen in der Gegenwart glucklich leben konnen, ala AnerkennungundVerstandnis von Geschichte tiberwunden werden soll, Uberwinden heiBt eine Befreiung von Affektzustiinden, welche durch der Vergangenheit ahnliche Gegenwartssituationen ausgelostwerden. Esgehtalso im Uberwinden um eine Unterbrechung der standigen Wiederholung von Gefiihlen und Assoziationen. Diese FahigkeitoderKraft, konkret aus dem Geschehen des Krieges und der Naziverbrechen Geschichte zu machen, besitzt im Roman die Titelfigur Franza nicht. Da aber die Handlungen und SituationenvonFranza nichtderInhaltsind, wie Bachmannuns vorgibt, so muB Franza, ihr klinischer "Fall," stellvertretend sein fur eine ganze Generation, die diese Kraft der Vergangenheitsbewaltigung nicht aufbringen kann, um reflektiert, sinnstiftend und frei von ''Germanophobie'' zu leben.5 Das Verbrechen hat also zu tun mit einer Unfahigkeit,menschlichzu leben,wennmanwie Nietzsche Geschichte als absolut notwendig fur menschliches Dasein ansieht; denn "erst durch die Kraft, das Vergangene zum Leben zu gebrauchenundaus dem Geschehen wiederGeschichte zu machen, wirdder Mensch zum Menschen.rf DasVerbrechen, das Bachmann mit dem Fall Franza schildert, besteht somit nicht im historischen GeschehenoderinderTat,sondernin deren

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"Spatschaden"des unabschlieBbaren inneren Konflikts undder Besessenheitvonder Vergangenheit.

Die Bedeutungdes Vergeseenkdnnens, so definiert wiederum Nietzsche, ist die Mdglichkeit der Erfahrung von Gliick. Mit Freudkdnnenwirdaserweiternundsagen: Zu allem Handeln gehdrt Vergessen, d.h. die Fahigkeit, Vergangenes und Fremdes umzubilden und Verlorenes in der Gegenwart zu ersetzen. In der Unterscheidung zwischen Trauerarbeit und Melancholie hatFreuddengesundenunddenkrankhaften Umgang mit der Vergangenheit in der Psyche bestimmt. Melancholie hat durch ihn eine Bedeutungsverschiebung erfahren, indem sie die Introjektion des verlorenen, sprichvergangenen, Objekts in das Ich bezeichnen solI. Das andere uberdeckt dabeidasIchundlcschtes alseigeneHandlungs-und Entecheidungsinstanz aus, ''Bei der Trauer ist die Welt arm und leergeworden, bei der Melancholie ist es dasSelbst.'''7 Bachmanns Beschaftigung mit dem Problem der psychischen Bindung an die Vergangenheit in einem Roman, dessen Inhalt sie beinahe dementiert, Macht sie zu einer besonderen Geschichtsschreiberin, da sie gerade die Art und Weise der Geschichtserfahrung seIber, des Nicht-Vergessenkonnens, der Nicht-Umbildung der Erfahrung in Sinn fur das Gegenwartsleben darstellt. Sie weist allerdings dieseArtdes Umgangs mit Geschichte als typisch fur die Nachkriegsgeneration aus, an der das VerbrechenderZerstorungdessinnbildendenVermdgens begangen wurde. Daher kann man Bachmanns Geschichte der Franza eigentlich nicht als Geschichtsdarstellung lesen, sondernmuB sievielmehrals eineAllegorie der psychischen Verarbeitung von Geschichte allgemein betrachten. Die Leitfrage fur den Zugang zum Roman konnte deshalb lauten: Wie wird ein zunachst nicht-geschichtliches, da noch nicht interpretiertes Erlebnis oder Ereignis zu geschichtlicher, da psychisch integrierter Erfahrung?

Freud betont, daB die Verarbeitungvon Erfahrungeinsekundiirer ProzeB ist, denn damit ein Erlebnis integrierte Erfahrung wird,istes aufdieNachtriiglichkeitsstrukturdespsychischenApparatesangewiesen. Nachtriglichkeit beschreibt einen ProzeB, den Freud ''Umordnung'' und "Umschrift" von Erlebnissen, Eindriicken und Erinnerungsspuren nennt.8 Abhangig ist dieser UmordnungsprozeB von konkreten Erfahrungen oder Krisensituationen zu einem spiueren Zeitpunkt. In dieser Umordnung erhalten Erlebnisfragmente Bedeutung, die zur Zeit des Ereignisses nicht in einen sinnvollen Lebenszusammenhang eingegliedert, d.h. nicht mit BewuBtsein aufgenommenwerden konnten. Deshalb liegt im PhanomenderNachtraglichkeiteinBedeutungseffekt, der erst nach einer Phase des Vergessens, der Verdrangung, zum Tragen kommt. Durch das zweite Mal des Erlebnisses, das nicht identisch sein muB mit dem ersten, verdriingten, erhalt das erste Erlebniserstseinen(pathogenen)Wertund wird zurbewuBtenErfahrungfur denMenschen.P In Bachmanns Text verschranken sieh Geschichtsschreibung und Fiktion in dem MaBe, wie Geschehen und Geschichte sich eigentlich unterscheiden. In Anlehnungan die psychoanalytische Theorie von FreudundJacques LacanverwertetRainer Nagele den Begriff der Nachtraglichkeit,

urn die immer schon am Geschichtlichen webende Fiktion in der Geschichtsschreibung aufzuzeigen:

Reality is not identical to the real [das Geschehen], just as history is not the simple accumulation of 'facts,' but a specifically assembled coherence of pertinent facts. Reality is an effect of the real within an imaginary and symbolic constellation.10

1m Deutschen IaBtsich derWirkungsbegriff im Wort ''Wirklichkeit'' seIber fassen: Wirklichkeit ist das, was in die Gegenwart ala Bedeutung nachwirkt. Gleichzeitig hat das Vergangene nicht als solches schon Bedeutung, sondern Bedeutung wird erst auf Grund der Wirkung in der Gegenwart riickwirkend produziert. Das Schreibenvon Geschichte ist nicht nur immer schon eine Interpretation der Fakten, sondern auch selbst eine Geschichte, eine story. Diese Form der Darstellung ist notwendig, wenigstens fur uns als Sprachbenutzer und Leser, um Welt in Bedeutungsmustern zu erfassen.

Die Zeit des Vergessens, der Latenzperiode bis zurEntstehungvonBedeutungin der Gegenwart, eine Periode also, die Geschehen in Geschichte, d.h. in Bedeutungseinheiten fur die Vergangenheit verwandelt: diese notwendige Zeit der Verdrangung fehlt im Fall Franza. Dieses Fehlen charakterisiertFranzas KrankheitalsZeitkrankheit; ihr Leiden ist ein Leiden an der Zeit. Ihre Krankheit besteht in der innerlichen Fixierung aufdie Vergangenheit, mit dersie die Gegenwart inihrergeistigen Reaktion vertauscht. 1m Roman wird diese zeitliche FixierungdurcheineStrukturvon Rekurrenzen auf die Zeit und durch Abwandlungvonverschiedenen Motiven zum Thema. Allen voran das Motiv des Fossils, der versteinerten Zeit, die in unbeweglichen"Strukturen,"'Texturen"und"Schichtungen" festgehalten ist, aus denen man aber nachtraglich eine chronologische Zeitenfolgeablesenkann;jedenfalIs wennman sich wie die Figur Martin als Geologe mit GeschichteundVergangenheitin Formvon GesteinsschichtungenbefaBt. 1mVergleich zu Franza ist die geistige Tatigkeit ihres Bruders Martinouch durch die Vergangenheitbestimmt. SeineBeechaftigungmitder Vergangenheit ist jedoch so, daB man bei ihm von einer deplazierlen Nachtraglichkeit sprechen kann; denn seine Aufmerksamkeit gilt einer Vergange nheit, die bereits sichtbarsedimentiert, d.h. zurRuhe gekommen ist, die nicht mehr nachwirkt und dadurch keiner menschlichen Erfahrung entspricht. Der "Schliff' der uralten Zeit hat eindeutige Spuren hinterlassen, die der Experte chronologisch bequem, mit wissenschaftlicher Kenntnis, interpretierenkann. 1mGegensatzhierzuwirdFranza von einer Vergangenheit bewegt und geschleift, die noch nicht Geschichte geworden ist. 11 Foiglich ist ihre Geschichte, oder wie Bachmann selbst differenziert: ihr ''Fall,'' noch nicht lesbar, da eine ''Umschrift" in Bedeutungseinheiten noch nicht erfolgt ist, was erst die Voraussetzung fur ein Abstandnehmen vom Geschehen, von dessenVerwandlungin Geschichte schafft. Eine Bewertungvon Bachmanns Text und von ihrerAnweisungandenLeser,speziell in der Frage ihrer eigenen Vergangenheitsbewaltigung, kdnnte in derSchaffung von Distanz durch Schreiben und Lesen liegen. EinLesen,das sich nichtderIllusion der Fiktion anheimgibt und sich so verschwendet,wirdzu einerKonfrontationmit dem Ich, weil der Text als das andere eine Reflexion Iiber den geistigen/psychischen Umgang mit Geschichte im Leser herausfordert. Ohne die Meisterung der Vergangenheitim ErinnernundVerarbeitenistdie Konstruktion einer eigenen Identitat nicht moglich, Geschichtliches BewuBtsein befahigt letztlich das Individuum, der kollektiven Rationalisierung von Geschichte und dem Identitatsangebot durch die Medien, deren Effekt man eine emotionale Gleichschaltung nennen konnte, Widerstand zu leisten.12

Franzas unmittelbares Bewegtsein von derVergangenheitmanifestiertsichim Extremfall in ihren korperlichen Konvulsionen, die das wiederholte Geschiitteltwerden von dem vergangenen Ereignis, die Schockerfahrung, zum Ausdruck bringen. Aus der Perspektive Martins wird deutlich, daB Franza in diesen Konvulsionen eine Bewegung zuruck unternimmt, in die ''Krankheit des Damals," zu den ''Umkommenden, Untergehenden," wie er die Zeit und Generationdes Faschismus nennt. Die "Untergehenden" sind im Text die toten Verwandten aus Galizien, mit denen er nichts mehr zu tun haben will:

Er aber wiirde bestimmt nieht mehr zu diesen Umkommenden, Untergehenden gehoren, dessen war er sieher, er wiirde sieh herausretten, er brauehte bier aueh nieht vor Griibern zu gedenken, fur ihn war das von wenig Bedeutung. Von ihm aus hiitte man den Friedhof auch auflassen konnen, zuschiitten, er wiirde sich hier bestimmt nicht dazulegen, und von ihm aus kdnnte man auch sofort mit der Kollektivierung der Felder beginnen und ein Ende machen mit den Namen und Zaubem und dieser endlosen Agonie der Bedeutungen von Namen, hinter denen sich der Besitz verbarg und die Monstrositiit des Besitsenkonnens und Besitzenwollens.13

IndiesenWortenMartinssteckteineAbsage an die Erinnerung und Identifizierung mit seiner Vergangenheit und seiner sozialen Herkunft. DieseAbsageresultiertallerdings nichtso sehr aus einerGleichgiiltigkeitdem Vergangenen gegeniiber; sie verbindet sich vielmehr mit einer ideologischen Kritik an der damaligen Gesellschaft des Imperialismus, des "Besitzenkdnnens und Besitzenwollens." Martin will auch nicht zwangsweise durch Namen erinnert werden,weilsie immernocheinen''Zauber,'' eine Kraft auf die Lebenden austiben: namlich indem die Namen die Lebenden zum innerlichen Wiedererleben und wie im Fall Franza zum kdrperlichen Empfinden von Schmerz zwingen konnen. Erinnerung im Zeitenabstand ist aber gerade eine Form von Geschichtsverarbeitung.

Erinnerung, die durch einen Gegenstand in der Gegenwart ausgeldst wird, stellt einen Bedeutungszusammenhang zwischen Gegenwart und persdnlicherVergangenheit her. Dieser Bedeutungszusammenhang aufGrund von Erinnerung stellt die Basis von Walter Benjamins Geschichtsphilosophiedar,14derenThemadie Ausbildung von GeschichtsbewuBtsein im Individuum ist, In der Erinnerunghat, wie Benjamin es nennt, die Vergangenheit einen Anspruch an die Gegenwart.15 1m FaIle Martins scheint der Anspruch allerdings eine praktische Verweigerung zu erfahren. Martin lost diesen Anspruch, die Aufforderung, aus der Vergangenheit fur die Gegenwart Sinn zu ziehen, indem er sich nicht ansprechen IaBt.

Sich zu erinnern wird durch die Worte Martins letztlich mit Wahnsinn assoziiert. So schiitzt er die Krankheit seiner Schwester ein, die immer nur von damals reden will und sich innerlich auf dem Rtickzug befindet:

Damals. Immer damals, wovon er nichts wuBte.... Nein, davon weiBt du nun wirklich nichts. Er wurde hier zum Idioten gemacht von einer Wahnsinnigen.16

Fur Martin is t die Vergangenheit intellektuellals Einsicht in die Monstrositat der Besitzideologie abgetan. Die Gefahr einerintellektuellenEinsicht,wiesie fiir das akademische Geschichtsstudium auch charakteristisch ist, liegt darin, daB eben kein Geschicht5bewuBtsein ausgebildet wird, da, wie Benjamin as formuliert,

Vergangenes historisch artikulieren nicht [heiBt], es erkennen ''wie es denn eigentlich gewesen sei." Es hei.St, sich einer Erinnerung bemachtigen, wie sie im Augenblick einer Gefahr aufblitzt.17

FUr Franza dagegen stellt der Begriff des Besitzens, der Besetzung, des Sichbesitzenlassens jedoch eine kdrperlich erfahrene Wirklichkeit dar, vor allem weil sie sich in der Gegenwart, in ihrer Ehe mit Jordan,wiederholt. Wenn Benjaminmahnt, die Gefahr in der Gegenwart als eine in der Vergangenheit begriindete zu erkennen, da sonst die Tradition "zum Werkzeug der herrschenden Klasse,,18 gemacht werde, dann ist Franza bereits ein Opfer der geschichtsunbewuBten Gegenwartsgeneration,die,wie Bachmannas im Roman darstellt, die Geschichte des Faschismus in ihren Denk-und Verhaltensweisen blind wiederholt. Franza kann die Wrrklichkeit nicht als vergangene und intellektuell analysierte abtun; denn die Begriffe des BesetzensundBesitzenwollenshabenfursie als FraueinenambivalentenCharakter. Die Ambivalenz eines gleichzeitig positiv und negativ Erfahrenen erzeugt einen Konflikt. In Franza ist as der Konflikt der Gegenwart mit der Vergangenheit, da beide Zeiten, d.h. die Besetzung/Besatzung in der Kindheit und die Besetzung in der Ehe zu einer Wirklichkeit in ihrem Kopfsieh vennischen. Dieser Konflikt kompliziert sich psychisch noch, weil er unbewuJ3t motiviert ist durch einelibidinaleBesetzungvonVorstellungen, niimlich der Wunschvorstellung der kOrperlichen Besetzungdurch einen Mann. Das Wort "Besetzung" erhiilt dadurch fUr Franza einen positiven Sinn. Der paradoxe Sinn dieses Wortes liegt auBerdem in dem geschichtlichen Ereignis der Besetzung Osterreichs am Ende des Krieges, die gleichbedeutend wurde mit Befreiung und Frieden. Die Besetzung des Landes durch die englischen "Streitmiichte," also durch eine kriegerische Macht, warfur Franza die (paradoxe) Erstlingserfahrung von Befreiung.19DerPreisdes Friedens,soweill Franza zwar auch, ist das Sichbesitzenlassen, und so bietet sie dem englischen Offizier auch sich selbst und das Dorf an, wiihrend sie im Schwanken zwischen Schillers Freiheitszitaten20 und passendenenglischenWorten der Ergebung bereits den Bedeutungskonflikt dieser Befreiungserfahrung zu ldsen sucht: "Und sie sagte zu dem Frieden und diesem Mann Sire, unddersahsieanundhorteihrzu, mit einer Herablassung, wie sie dem Frieden zukamunddie doch nichtverletzte.,,21Inder Anrede ''Sire'' statt Sir klingen die in der Schule gelernten, aber nicht reflektierlen Verse des Schillerschen Kdnigsdramae Don

Carlos nach.

Die gleiche Paradoxie herrscht bei dem Begriff ''Vergewaltigung,'' der dem Begriff des Besetzens durch Gewalt verwandt ist. Unter dem Wort ''Vergewaltigung'' stellt Franza sich schIieBlich etwas Ersehnenswertes und Gliickbringendes vor, "da sie mit niemand sprechen konnte."22 Die fehlende Orientierungs-und Interpretationshilfe sowohl in ihrer eigenen wie auch in der poIitischen und gesellschaftlichen Entwicklung fiihren bei Franza zu einem pathologischenWirklichkeitsbild. Dieemotionale Intensitat, die sich an die Erwartung der Erlosungvom Kriegzustand durch eine auBere Macht heftet, vereint sich mit Franzas sexuellen Gefiihlen, die sich in der

Sehnsucht nach Vergewaltigung verdichten.23 Der entsprechende 'full der Erziihlung iiber Franzas Kindheit, ihre subjektive Auffassung von politisch, existentiell und moralisch so geladenen Begriffen wie "Besetzung"und"Vergewaltigung,"symbolisiert die subjektive Wahrnehmung und Konstruktion von Wirklichkeit unter Einbeziehung der eigenen Korperwahrnehmung. Die Verschmelzung von auBen und innen, von politischem Geschehen und KOrper-wie Gefilhlsbedurfnissen, Realitiit und Vorstellung, Sprache und Einbildung, ist ein psychischerVorgang. Freud hat ihn als den PrimiirprozeB definiert, in dem Iibidinale Triebenergien durch bestimmte lustvolle Vorstellungen gebunden werden, welche einer urspriinglichenWunscherfiillung entsprechen. Das sprachlose Kind erlebt seine kOrperlichen Bediirfnisse als Spannungen, die nur durch ''fremde Hilfeleistung," die Einwirkung von auBen, ausgeglichenwerden kdnnen. Das resultierende Befriedigungserlebnis begriindet die erste Erfahrungeines Gluckszustands, der im weiteren Leben, unbewuJ3t, Sehnsiichte nach einer Riickkehr zu diesem Zustand des quasi "wunderbar," weil ohne eigenes Zutun, zustande gekommenen Befriedigungserlebnisses erweckt: ''Ein wesentlicher Bestandteil dieses Erlebnisses ist das Erscheinen einer gewissen Wahrnehmung [der Nahrung im Beispiel], deren Erinnerung von jetzt an mit der Gedachtnisspur der Bediirfnisregung [spater im Wunsch] assoziiert bleibt."24 1m Fall Franza kniipft sichdieErinnerungderBefriedigungandie Wahrnehmungdes Friedens durch die englischeBesetzungihresDorfes. Die Bindung der Trieb-oder Wunschenergie in einem Wahrnehmungsbild nennt Freud ''Besetzung." Ein Objekt wird vom Ich libidinal besetztundgewinntdadurchanBedeutung fur das Ich. Besetzung ist deshalb die Bedingung fur die Entstehung von Bedeutungsidentitiit aufder Basis von imaginaren Ersatzbefriedigungen durch Symbole, einschlieBlich sprachlicher Symbolik. Bachmanns Wortspiel mit "englische[n]

Kussen''25 und englischer Besetzung, die das wunderbare, erlOsende, sprich engelsgleiche Moment an die Person des englischen Offiziers binden, affnet sich einer Analyse der pathogenen Sinnkonstitution bei Franza. In Franzas privater Geschichte wiederholt sich die gesellschaftliche Erfahrung des Faschismus, der iiberwiiltigung durch eine durchaus psychologische bzw. geistige Macht. Franza, unmiindig und politisch unreif, versteht die sozialpolitische Bedeutung von Begriffen wie Vergewaltigung und Besetzung nicht.26 1m Zusammenhang mit dem Schillerschen Freiheitszitat klingt hier Kants Aufkliirungsthese von der Mimdigkeit des Menschen an. WennMiindigkeitundAutonomiedes Menschen darin bestehen, sich des "eigenen Verstandes zu bedienen,"27 und wenn dies bei geistig vergewaltigten Menschen in einer faschistischen Gesellschaft nicht der Fall sein kann, dann schliigt auch das optimistische Schillerzitatin lronie um: einunmiindigee Yolk in die Freiheit entlassen. Dieerwachseneundtrotzdemnoch unmiindige Franza ist wie das "unmiindige" Yolk in der politischen Freiheit nach 1945 unfahig, sich eigene Gedanken zu machen, und erkennt deshalb nicht die Wiederholung des faschistischen Denkens der Machthaber.28 Die intellektuell abhangige Franza wird nach dem Krieg und anschlieBend andie pragenden Kindheitserfahrungen in die "Freiheit" Wiens entlassen, nur umdie wirklicheBedeutungvonVergewaltigungundBesetzungsowohlihres Karpel'S als auch ihrer Gedanken durch Jordan, ihren Mann, zu erleben.29 Der Psychiater Jordan praktiziert einen psychologischen Faschismus in der 'Iyrannisierung seiner Frau. Die Anfalligkeit fur die Bevormundung durch einen anderen, einen Starkeren, einen Mann liegt in der kindlich libidinal-emotional besetzten Idee von Besetzung und Vergewaltigung, die sich damals, bei Kriegsende, an einen Mann, eine Macht, in der Erloserfunktion band.

In der 'jordanischen" Zeit uberschieben sich in Franzas Erfahrung Nachkriegszeit und Kriegserfahrung. Sie erlebt kdrperlich und geistig, was Vergewaltigung bedeutet, und sie erfahrt jetzt auch, durch die Mitarbeit am Buchprojekt ihres Mannes, von den Nazigreueltaten an Haftlingen. Sie arbeitet dadurch unbewuJ3t mit an ihrer eigenen geistigen Krankheit; denn das Buch behandelt die Spiitschiiden von weiblichen Haftlingen, die Versuchsopfer waren.30 So wie Jordan diese Frauenwiederum als wissenschaftliche Daten fur seine Untersuchung gebraucht, fiillt auch Franza ihm zum Opfer und wird fur ihn zum"Fall."Das Trauma des Krieges findet fur Franza verspatet statt, in einer Zeit politischen Friedens, einer Zeit, in der andere Menschen dieses Geschehen als selbsterlebtes entweder vergessen oder es in Form einer rein intellektuellen Analyse von der Erfahrung abstrahieren, um sich so von der Vergangenheit auf Grund von (ein)stimmigen Theorienund Definitionen zu distanzieren. Eine Vergangenheit hart letztlich auf, nachzuwirken, wenn man ihr wie Martin einen Platz in der Geschichte oder Erinnerung in Form von (historischen) Ereignissenzuweist. DieVergangenheitwirktebenfalls nicht nach, wenn man sie wie Jordan in Erlebnisse zerlegt undsie, ganz nachArt des von BenjaminkritisiertenHistorismus, nach ihrem Stellenwert einteilt. Jordan verfiihrt nach dieser Methode in seinen Krankengeschichten, seinen "Fallen," zu denen auch Franzas Erfahrungen, die sie ihm anvertraut, 'verwirkt' werden. Fur Franza bleibenjedoch die Erlebnisse nicht auf dem ihnen von Jordan angewiesenen Platz, denn dafiir miiBte die Gegenwart wirklich von der Vergangenheit verschieden seine Die Gegenwart ist jedoch nicht von der historischen Realitat des Faschismus unterschieden, sondern lediglich eine Verschiebungdieser Realitat aufdie geistige Ebene, wo der Ethnozentrismus im Denkgestus weiterlebt. Diese Kontinuitat wirdFranzaaufderReise in derBegegnung mit einer anderen Kultur klar: ''Und wenn die WeiBen auch zuriickgeworfen werden, dann werden sie noch einmal wiederkom

men ... mit ihrem Geist, wenn sie andere nicht kommen kdnnen. Und auferstehen in einem braunen oder schwarzen Gehim, es werdennoch immerdieWeiBen sein...und sie werden die Welt weiter besitzen auf diesem Umweg."31 Durch Besetzung des Denkens, durch die intellektuelle Gewalt iibereinenMenschenodereinYolk,welches nicht selbst den Verstand ohne Anleitung fremder Hilfe gebrauchen kann (so Kant), fallen unmiindige Menschen einer faschistischen Ideologie und somit einer nichtreflektierten, nur physisch erlebten Vergangenheit der Besetzung zum Opfer. Bachmann klagt diesen Zustand in der Nachkriegsgesellschaft Osterreichs nicht nurimFallFranzaan.32DerPreisdes Friedens und der Befreiung ist die Dberwaltigung durch ein rationales und zerlegendes Denken, das ein Verstandnis aufder Basis der Erfahrung und zwischenmenschlichen Empathie verhindert. Franza empfindet dieses zerlegende Denken in Jordanals Aggression, als eineAggressionaufsubjektive Bedeutungen, denen emotionelle Erstlingserfahrungen zugrunde liegen. Der "Raub" dieser subjektiven Bedeutungen entstellt und zerteilt Franzas private Geschichte und raubt ihr die Identitat. Die Parallele zu diesem Umgang mit der Geschichte, in der Gegenwartsgesellschaft, befindet sich in der Pyramidenepisode, wo Franza sich iiber den Mumien-und Zeichenraub durch die Arehaologenentriistet. Die Graber werden in Museen und die Toten zu Schaustellungen, zu Objekten fiir die erfahrungslosen Abbild-Souvenire der

Phototechnik verwandelt.

Sowohl die professionelle Geschichtsanalysedes PsychiatersJordanalsauchdie akademische Archaologie laBt sich als eine Allegorie fiir das europaische Denken allgemein lesen, ein von den Erfahrungen abstrahierendes Denken, das bereits den Kindern durch den SozialisierungsprozeB ''mit Gewohnheiten, Tabus und Deformierungen"33 anerzogen wird. Bachmann spricht diese Aligemeinheit des tyrannischenDenkens, das die Psyche und psycho

logischen Prozesse manipuliert, direkt an. Die Dominanz des Denkens und intellektuellen Zerlegens, der MiBbrauch der Intelligenz, ist verantwortlich fiir den ''Friedhof der Kinder,"34 die Ausldschung der kindlichen Sinnstiftung, die Bachmann als Fahigkeit, ''magisch'' zu leben, beschreibt.35 Die Verdrangung der Kindheit, die nach Freud in der Nichtiibersetzungdes Affekts einer Erfahrung in Worte, Wortvorstellungen und Zeichen besteht,36 entpuppt sich als das geistige Verbrechen, welches Bachmann hier mit Figuren fiktionalisiert. Denn das Verdrangen der Kindheit in der Nachkriegsgesellschaft wurde zur radikalen Notwendigkeit, da Kindheit eins ist mit der Nazi-und Kriegserfahrung. Fiir diese Generation scheint nur die Verdrangung von Erfahrungenoderdie intellektuelle, nivellierendeAnalysevon historischenEreignissen eine Moglichkeit von Vergangenheitsbewaltigung zu seine Diese Art der "Bewaltigung" kommt dann wirklich einer Art von "Vergewaltigung" gleich, einer Aneignung von Geschichte durch ihre Besetzung, wenn nicht sogar ihreErsetzung, mit Kausalschliissen und Lehrbuchdefinitionen. Auf die Verdrangung von Erfahrung in der Psyche, der unbewuBtenVergangenheit, verweist Bachmann wiederum allegorisch mit dem Motiv der Tunnelfahrt und der Reise durch die Finsternis, Diese aIlegorische 'funnelfahrt beginnt bereits auf der ersten Seite mit der Zugfahrt Martins zuriick nach Galizien, an den Ort der Kindheit, und endet mit der Agyptenreise, auf der Martin zum ersten Mal, etwas von der Vergangenheit durch Franza im wahrsten Sinne des Wortes er-fiihrt, Die Tunnelfahrt fungiertgleichzeitigals MetapherfiirBachmanns Schreiben, auf das sie hier selbst reflektiert. Ihr Schreiben, die Anfertigung des Texts Der Fall Franza, ist eine Reise in den ProzeB der Vergangenheitsbewiiltigung, eine Erforschung des Verdrangungsprozesses und der Dunkelheit der unbewuBten Gedachtnisspuren, des "Tunnels im Kopf,"37 von denen Bachmann sich ein Bild machen will. Ihr Papier, auf dem sich

wahrend der Durchfahrtdurch den Tunnel in der verdriingten Materie Figuren bilden und wo auf diese Weise "die Einbildungen und Nachbildungen, Wahnbildungen und Wahrbildungen ans Licht [kommen]"38: dieses beschriebene Papier stellt die nachtragliche Obersetzung der Affekte und Erlebnisse in Worte und Zeichen dar. Es ist eine Obersetzung im Nachvollzug der eigenen Gediichtnisspuren, die Bachmann in eine allegorische Darstellung verwandelt, umdiesenObersetzungsaspektbeider Beschaftigung mit Geschichte bewu13t zu Machen. Der geschichtliche Sinn der Vergangenheit la13t sich nur aus der Perspektive der Gegenwart, in der Wiederholung eineriihnlichenSituationerfahren.Als eine derartige allegorische Darstellung, in der die Darstellung selbst keine Referenzstruktur hat, verweigert Bachmanns Text die IllusioneinesAbbildesderRealitat. Den Text Der Fall Franza mii13teman deshalb viel eher aIs eine figurative Auseinandersetzung mit der psychischen Dialektik des Wissens und Nichtwissens auffassen, die dem wissenschaftlichen Geschichts-und Bedeutungshorizont, den Bachmann gerade kritisiert, zugrunde liegt. Freud hat gezeigt,39 daB Wissen immer eine sekundare, nachtriiglicheBearbeitungdes Erfahrungsmaterials voraussetzt, daB aber gleichzeitig diese Bearbeitung den (Zensur-)Kategorien des logischen Verstandes unterworfen ist, die allerdings nicht, wie Kant meinte, apriori gegeben, sondernvon einem unbewu13ten narziBtischen Wunsch nach Einheit mit dem anderen, d.h. nach Einheitlichkeit, motiviert sind. Das rationale DenkenfunktioniertaufderBasisvon Einheiten, die das fremde Material, die fremde Erfahrung, mit den Rastern des Vertrauten iiberlagern. Diese Bearbeitung oder Umsetzungdes anderen indas Eigene hat zur Folge, daB das, was sich nicht umsetzen la8t, das Schockartige, weil radikal andere, durch die LOcher des BewuBtseinsrasters fallt und ins UnbewuBte verdriingt wird. 1m Kunstwerk, das aufder Selbstreferenz derZeichenbasiert,bedeutetderAkt

der Obersetzung eine Befreiung der Sprache inihrerAssoziationskraft, die eine Erinnerungauslost und im Leser an etwas riihrt, was erst durch den Nachtraglichkeitseffekt des Lesens zu einer subjektiv sinnvollen Beziehung zu den geschichtlichenTatsachengestaltetwird. DieseBeziehung zum Geschehen besteht in einer Einholung-besser gesagt, Nachholung-der persdnlichen Erfahrung in der sprachlichen Geschichte, der fiktionalen Darstellung, die nicht die Geschichte, d.h. die Realitiit ist. Was durchdie Wissenschaftsraster fallt, wird in der figurativen Sprache des KunstwerksvordemVergessengerettet. In diesem Sinn muf man der Literatur und der Literaturkritik, wie Walter Benjamin es bereits innovativ postuliert hat, einen Status aIs Geschichtsbewahrung einraumen, der sich eher auf eine traditio, eine Oberlieferungund ObertragungderErfahrungvergangener Generationen in die Gegenwart, aIs aufhistorische Wissenschaftlichkeit griindet.

Da eine Obersetzung immer nach dem Ereignis, nach dem Erlebnis zustande kommt, und da diese in ein anderes Medium transportiert werden, verandert die Obersetzung das Original.s'' Was iiberlebt von der Vergangenheit und aufdie Gegenwart wirkt, sei es in der Individualpsyche oder im kollektiven BewuBtsein, ist nicht das historische Ereignis selbst, sondern seineObersetzung,die wirbewuBtoderunbewuBt Machen. Wenn Bachmann in ihrer Vorrede die fiktionale Darstellung der psychologischen Obersetzung der Vergangenheit thematisiert, dann deshalb, weil auch die Fiktion eine Obersetzung von Erlebnis in eine durch Sprache konstituierte sinnvolle Erfahrung ist, um als Erfahrung eine Erkenntnis zu bewirken: ''Denn die Tatsachen, die die Welt ausmachen-sie brauchen das Nichttatsachliche, urn von ihm aus erkannt zu werden.''41 Die Obersetzung stellt den Ersatz des verlorenen Objekts dar, das wir nie mehr einholen konnen, sonderndem wir nur ineiner Fortsetzung der Tradition im Obersetzungs

und LeseprozeB eingedenkenkdnnen, Benjamins Theorie der Allegorie macht gerade diese Verlusterfahrung zum Wesen fur die DarstellungvonGeschichte. DieseDarstellungsweise soll ein geschichtliches als melancholischesBewuBtseinfOrdern, ciain der Melancholie der Wn-kungszusammenhang von Vergangenheit und Gegenwart als individuelle, nichtrationale bewuBt wird. Zwischen dem einzelnen, in seiner emotionalen Struktur, und den rhetorischen Strukturen des Textes entsteht eine Beziehung, die ein anderes Verstandnis von Geschichte produziert als der allgemein geltende wissenschaftliche oder politische Diskurs iiber Fakten. Benjamin, wie auch Bachmannmitihrem'Iext,erkennt,daBdie menschlichen Wahrnehmungsstrukturen sich nicht von der Vergangenheit, dem Trauma oder Befriedigungserlebnis, ldsen kdnnen, da sie erst durch dessen Verarbeitung, dessen Motivation zur Besetzungmit Ersatzvorstellungen, Sinn konstituieren kdnnen, Es ist deshalb gerade fiir die Literatur und Literaturkritik nach dem Holocaust entscheidend, einzusehen, daB es keine zufriedenstellende Darstellung des verlorenen Objekts oderdertraumatischen Erfahrunggibt; denn die psychische Besetzungsenergie ware dann auf das Medium der Darstellung, auf etwas Kiinstliches fixiertunddie Vergangenheitwaredadurch wirkungslos und ohne Nachtrag. Bachmanns Warnung an den Leser, ihren Roman nicht auf den Inhalt hin zu lesen, sowie ihre Reflexionaufdas Schreibensind als Versuche zu werten, die Objektbesetzung im Lesenals Ersatz fiir die eigene Geschichte zu verhindern.

Wenn Martin Franzas Psyche mit geologischen Prozessen vergleicht, indem er sich an die wenigen Momente in seinem Studium erinnert, in denen ersich ''Fragen allgemeinerer Natur" stellte, namlich 'Warum war etwas mit ihr geschehen, und wodurch konnte sie so zerstdrt werden?',42 dann langt er bei dem Phanomen der Metamorphose als Erkliirung an: '''&5 muB jedochbedachtwerden, daBbeide Gesteins

gruppeneine letzte Metamorphose erlitten (erlitten!) haben und ebenso eine mechanische Durchbewegung wahrend der 'Oherschiebungstektonik. Ob sieh das auch auf Menschen anwenden lieB?'~3 Die MetamorphosevoneinerSubstanzindie andere, die VeriinderungvonVergangenheitserlebnis in gegenwartige Erfahrung, ist abhangigvon der Aktivierung und 'Oherformung der unbewuBten Gedachtnisspurenvl durch die Interaktion zwischen individueller Psyche und Gesellschaft. Die soziale Erfahrung schlieBlich forciert die Veranderung des Erlebten und seine 'Ohersetzung in Bedeutungskategorien, an denen das Denken sich orientiert. Es kommt also nicht auf die urspriinglichen Ereignisse, aufdas Geschehenan, sondernaufdengesellschaftlichen Umgang mit der Vergangenheit, die Verarbeitung in das, was wir nachtraglich und objektiv als Geschichte aus uns herausstellen, uns vorstellen, urn uns nicht Ianger damit identifizieren zu miissen, wie Franza es mit den Opfern des Holocaust schlieBlich tut. Sowohl Identifizierung als auch intellektuelle Zerstaubung oder historisierende Bannung der Vergangenheit scheinen negative oder pathologische Extreme des Umgangs mit Geschichte. Es ware die Frage zu stellen: Wie kommt es zu diesem Erscheinungscharakter der Geschichte? Dies aber ist die Frage nach der "erlittenen" Metamorphose, der Ubersetzungin einDenken, der Bachmann in ihrem'IextDer Fall Franza nachgespiirt hat, indem sie die (Gedachtnis-jflpurensuche, den ProzeB der Verdrangung selbst, in literarischer Form prasentierte, "Die wirklichen Schauplatze, die inwendigen, von den auBeren miihsam iiberdeckt, linden woanders statt. Einmal in dem Denken, das zum Verbrechen fiihrt, und einmal in dem, das zum Sterben fiihrt."45 Dieses Denken gilt es aufzubrechen, urn sich bewuBt zu werden, daB Geschichte nicht history ist, sondern in die Gegenwart

nachwirkt, oder gar dort, ohne sich dessen bewuBt zu sein, wiederholt wird.

Anmerkungen

ITrotzdem interpretiert die wenige Sekundirliteratur, oft nur ein paar Seiten in einem PauschalwerkzuBachmann,den ThxtDerEallFranea rein traditionell, entwedervom Inhalt oder der Figureneharakterisierung bzw. -konstellation her. Letztere sind dem Schema dee Bcmana Malina nachempfunden. Andemfalls stellen dieee Werke Versuche dar, :fUr die Bachmannschen 'Iexte ein mogliehee Genre zu fmden: vgl. Kurt Bartsch, Ingeborg Bachmann (Stuttgart: Metzler Verlag, 1988); Hans Holler, IngeborgBachmann:D08Werk (Frankfurt: AtheniumVerlag, 1987); und zum geringeren Grad auch die biographieche Studie von Peter Beicken, Ingeborg Bachmann (Miinchen: Beck, 1988). Auch Eva Zellers Dissertation Ingeborg Bachmann: Der Fall Fronza (New York: Lang, 1988) orientiert sich biographisch im Zusammenhangmit einereinseitigenfeministischen Rollenverteilung von Tiiter und Opfer. Eine Auenahme bildet die sehr aufschluBreiche und eorgfaltig recherchierte Monographie von Ortrud Gutjahr, Fragmente uruoideretehlicher Liebe: Zur Dialogstruktur literarischer Subjektentgrenzung in Ingeborg Bachmonns "DerFall Franza"(Wiirzburg: Konigehaueen & Neumann, 1988). Doch auch hier liegtder Schwerpunktaufeinerpsychologischen Rekonstruktion der Figuren mit Hilfe der verschiedenen Thxtentwiirfe aue dem NachlaB vonBachmann.AmInhaltorientiertsich Gutjahrs Interpretation auch, indem eie die Liebe zwischen Franza und ihrem Broder zum Thema macht.

2Der Fall Franza; in: Ingeborg Bachmann,

Werke, Bd. 3, hrsg. von Christine Koschel, u.a,

(Miinchen, Ziirich: Piper Verlag, 1982), S. 342.

SHier setzt auch meine Kritik an Gutjahrs

Studie an, der ee darum geht, "dae psychosoziale

Drama zu rekonetruieren [Hervorhebung A.R.],

das in zerstoreriecher Weise im Subjekt Raum

greift," S. 33. Dem Denken wiirde somit eine ge

eellechaftliche Realitiit gegeniibergeetellt, ohne

Einsicht in die Struktur und Motivierung dee

Denkens und der Wahrnehmung selbet. Letztlich

fiihrt eine Reflexion iiber den Geechichtsbegriff

und iiber den Wert der Vergangenheit nur mit

Hilfe einer solchen Einsicht weiter, ansonsten

fiihrt die Beschiiftigung mit der Vergangenheit

wieder zu einer Objektivierong von Ereignissen

und damit zuriick in die Enge dee kausalen

Denkens, aue der Freud durch die Entwicklung

des psychoanalytischen Denkens herausfand und

das, nach meinen Recherchen, zum Benjamin

schenErfahrungsbegriffgefiihrt hat. Dae Problem

von GutjahreAnsatzliegtin einerVersaummisder Differenzierong von Erleben und Erfahren, so ist "dae Erleben Franzas [gerade nicht] der'inwendige Schauplatz'," S. 125, eondern die Ubersetzung von Erlebnis in Erfahnmg.

4Ibid.

5Dieeer von mir aufGrund meiner Erfahrung mit im Ausland lebenden Deutschen gefundene Ausdruckeoll dasstindigeSchuldbewuBtsein, das deriJbersensitivierongaufdie deutsche Herkunft und Identitit zugrunde liegt, zum Ausdruck bringen.

6Friedrich Nietzsche, "Yom Nutzen und Nachteil der Histcrie fUrdasLeben," in UnzeitgemopeBetrachtungen. (Miinchen: Goldmann, 1964),

S.78.

7Sigmund Freud, "Trauer und Melancholie," Gesammelte Werke, Bd. 10 (London: Imago Publishing Co., 1940), S. 431.

&'... ich arbeite mit der Annahme, daB unser psychischer Mechanismus durch Aufeinanderschichtung (I) entstanden ist, indem von Zeit zu Zeit das vorhandene Material von Erinnerungsspuren eine Umordnung nach neuen Beziehungen, eine Umschrift erfihrt." Sigmund Freud, Aus den Anflmgen einer Psychoanalyse. Briefe an Wilhelm Fliese. Abhandlungen und Notizen aus den Jahren 1887-1902 (Frankfurt: S. Fischer Verlag, 1962), S. 151.

9c'Dieeer Fall ist nun typisch fiir die Verdran· gungbeiderHysterie.Uberallfindetsich, daBeine Erinnerung verdrangt wird, die nur nachtriiglich. zum Trauma geworden ist," Ibid., S. 356.

10Rainer Nagele, Reading after Freud (Baltimore: Johns Hopkins UP, 1986), S. 179. Dieses fiir die Literaturkritik sehr aufschluBreiche Buch fiihrtletztlichzu einerZusammenfiihrungvon Geschichtserfahrung und Literatur, wie H.G. Gadamer ee mit seinem Konzept der "Wirkungsgeschichte" fiir die Literaturgeechichteechreibung bereits vorwegnahm.

11".•. und den SchlitTseinerSchweeter, die aue der Neuzeit war und nicht aue dem Mesozoikum, den vermochte er nicht zu beetimmen."Der Fall Franza, S. 367.

12yergleiche hierzu den Ansatz von Karen Remmlers Dissertation, Walter Benjamin~ "Eingedenken" and the Structure ofRemembrance in Ingeborg Bachmann's "Todeearten" (St. Louis: WashingtonUniversity, 1989):"Bachmannimplicitly distinguishee between a detrimental rememberinganda commemorativeone bestdescribedas 'Eingedenken.' Active 'Eingedenken' exposes the ways in which the past is appropriated by a monumentalized collective memory and reveals the historical, political, andideological forces creatingthe '1ch'without guarantees.", S. 22-23.

13Vgl.Der Fall Franza, S. 372.

14Vgl.Walter Benjamin, "Ober denBegriffder Geechichte," in Illuminaiionen (Frankfurt: Suhrkamp, 1980), S. 251-61.

15uJ)ieVergangenheit fiihrt einen heimlichen Index mit, durch den eie auf die Erlosung verwiesen wird.... Streiftuns nicht seIber ein Hauch der Luft, die um die Friiheren geweeen ist? ist nicht in den Stimmen, denen wir unser Ohr schenkten, ein Echo von nun veretummten? . . . 1st dem 80 • • .[d]ann ist uns wie jedem Geechlecht, das vor uns war, eine schwache meeeianische Kraft mitgegeben, an weiche die Vergangenheit Anspruch hat." Ibid., S. 252.

16DerFall Franza, S. 374.

17'Uer den Begriff'der Geechichte," S. 253.

18c'Demhistorischen Materialismus [im Gegensatz zum Hietoriemus] geht ee darum, ein Bild derVergangenheit feetzuhalten, wie ee sichim Augenblick der Gefahr dem historischen Subjekt unversehens einstellt, Die Gefahr droht sowohl dem Beetand der Tradition wie ihren Empfangem, FUr beide ist sie ein und dieeelbe: sich zum Werkzeug der herrschenden Klasse herzugeben. In jeder Epoche muB versucht werden, die Uberlieferong von neuemdemKonformismus abzugewinnen, der im Begriffsteht, eie zu iiberwiiltigen." Ibid. Benjamine Konzept des historiechen Materialismus basiert auf seinem Erfahrongsbegriff, den er gegenden dee Erlebnissee abgrenzt. Ich habeseine Abgrenzung auch fiir meinen Text hier benutzt. Erfahrung ist in erster Linie korperliche Erfahrung; oft eine Schockerfahrung, die, latent unbewuBt, erst zu einem spiiteren Zeitpunkt im Leben bewuBt und einnvoll werden kann. Erlebnis muB man eher mit der Kategorie dee Faktums verbinden, welche, wertneutral, keine gravierenden Spuren im Kdrper oder in der Psyche hinterlaflt.

19GutjahrstelltinihremBuchebenfalls diesen Zusammenhang zwischen Befreiung, Friedenund Beeetzung her; vgl. Gutjahr, S. 90 ff,

2Oc'... ee ging ihr momentan mehr Schiller durch den Kopf ale englischee Diktat, I will, you will, dae war unbrauchbar, aber versuchen muBte sie ee, und eie stellte Satze zusammen und hoffte, sie wiirde sie auch auesprechen konnen, auch wenn eie nicht ganz herankamen an: und frei erkliir ich aIle meine Knechte, der Mensch iet frei geschaffen, ist frei, und eie stellte sich vor einen Soldaten hin und sagte leise: Sire." Der Fall Franza, S. 379. Dae Schillerzitat stammt aus dem

DramaWilhelm Tell, das mit den Worten "und frei

erklar ich alle meine Knechte" endet.

21Ibid.

ZlDer Fall Franza, S. 376.

23c'Und Vergewaitigen, das war ein anderee Wort, unter dem Franza sich friihlingszeitraubende Dinge voretellte, und da eie mit niemand sprechen konnte, wurden VergewaItigung und Streitmachte zu ersehnten Idolen und denEreignissen, dieimKommen waren, das umso mehr, ale in Galizien nichts geschah, schlechterdings nichts, nur dasDorf starb aus und gehorte ihr allein, fiir ihrWartenineinemWunderund auf Wunder allein," Ibid., S. 376.

24Freud, "Die Traumdeutung," in Gesammelte Werke, Bd. 2/3, S. 571.

25Vgl.Der Fall Franza; S. 384.

26Gutjahr behauptet in ihrer peychologischen Interpretation von Vergewaitigung und Besetzung, daB "in der Phantasie [Franzas] einer 'Hingabe'dee Korpere ale Preis fUrden Frieden im emphatischen Sinne ... der weibliche Korper zum Ort einer einzulosenden Utopie [wird]," S. 99; die Utopie ist ihrer Interpretation nach der sexuelle Akt zwischen Broder und Schweeter. Gleichzeitig leitet eie fiir Bachmannaus der Nichterfiillbarkeit der Utopie den Antrieb dee Schreibens abo Diese Mischung aus Biographie, Information aue dem NachlaB und Vermischung von Autor-und Figurenebene zum Zwecke einer peychologischen Charakterisierung verfehlt die Richtung von Texthermeneutik und die Beechaftigung mit dem Fall Franza ale dem Text Der Fall Franza. Die These der Utopie der Besetzung dee weiblichen Korpers wiirde ich aber insofern gelten lassen, ala sie die BeziehungzwischenFranzaundJordan, ala Ubermiichtigen und Vertreter des faechistischen Denkens motiviert. Meinen Kontext unterstreicht Gutjahre Motiv der libidinalen Utopie der Besetzung, indem ee ein peychopolitischee Verstandnia fUr die "(Ver)fUhrong des deutschen Volkes aus seinerUnmiindigkeit"durch den Nationalsozialismus leistet. Die nichteingeloeten unbewuBten Wiinsche nach Geborgenheit und Einheit mit einem identitatsspendenden Anderen bilden mer die psychischeVorauesetzungfiir eine Ablehnung, wenn nicht sogar Furcht davor, der Realisierong des Konzepts der "Autonomie des Menschen."

27Vgl.Kant, Was ist Aufklarung? 1783 (Stuttgart: Reclam, 1974), S. 9.

28c'lch fiihlte mich noch erhoben ..., daB ich vielleicht den Ritterschiag ... mir verdienen konnte, erdienen mit Bemiihenund Mitarbeit und Preisgabe meiner Gedanken, die sich erst zu bilden gehabt batten. Ich hing mich mit meinen halbwiichsigen Gedanken ... an seine Gedankenleitung, unvorsichtig, ich hatte mich auch an eine Starkstromleitung werfen konnen...." Der Fall Franza, S. 400.

29Man konnte hier von Freuds Nachtragliehkeit dee Traumas sprechen; denn die Wiederholung der Erfahrung der Besetzung und der Gewaltiibernahme, erstene durch die Nazis und zweitens durch das Militar der Alliierten, in der BeziehungmitJordan erwecktdieErinnerungale Affekt; vgl. Freud: "Es liegt hier der Fall vor, daB eine Erinnerung einen Affekt erweckt, den sie als Erlebnis nicht erweckt hatte, weil unterdee die Verdrsngung der Pubertat ein anderee Verstindnis dee Erinnerten ermoglieht hat. . . . Ursache diesee Sachverhalts ist die Verspatung der Pubertat gegen die sonstige Entwicklung dee Individuums." Aus den Anfcingen der Psychoanalyse, S. 356; s.o. Anm. 9.

30Remmler interpretiert dieee "Mitarbeit" als "Franza's ambiguous status-as a victim privy to victimization-[which] comee to light in Franza's encounters with other figuree of suffering," S. 76. In der Identifikation mit den Papuas, der gefesselten Frau in Kairo, der Konigin Hatshepsut erfahrt Franza eine Wiederholung ihrer eigenen Vergangenheit,jedochohneAbetandnahme, Reflexion auf ihrLeidenunddarausgewonneneKraft, ihrengeistigen Zustand zu andern. Wie Remmler in ihrer Gegeniiberstellung von inetitutionalisierter kollektiver Geechichte und personlicher Erinnerung ausfiihrt, findet Franza "kein Forum" fiir die Leistungvon Trauerarbeit, die die Identifizierungmit Opfern ablosen wiirde. Die kollektive Geschichte verhindert die fiir ein geschichtlichee BewuBtsein notwendige individuelle "Erfahrung," die erst zu einer personlichen Entwicklung fiihrt. Identifikation bedeutet statt deesen: Fixierung auf einen Zeitpunkt oder ein Stadium im friiheren Leben, die Bachmann in der Figur Franza als fatal vorgestellt hat. Vgl.: "Ich liege dort an ihrer Statt. Und mein Haar wird, zu einem langen Strick gedreht, von ihm in Wien gehalten. Ich bin gefeeselt, ich komme nie mehr los." Der Fall Franza, S. 459.

31DerFall Franza, S. 439.

32ygl. ihre Erzahlungen Unter Mordem und Irren und Das dreilligste Jahr oder ihren Roman Malina.

33DerFallFranza, S. 423.

34.Der Fall Franza, S. 412.

35Vgl.:"Deintyrannischee Gehirn, seinegehei

men Spiele zwischen Cortex und Zwischenhirn, seine vom Zwischenhirn in Gang geeetzten Akte und ihre kortikale Ausarbeitung, warum hast du von ihm [Jordan] geeagt Fossil, 0 nein, wie irrstdu dich, er ist heutiger ale ich, ich bin ee, er ist dae Exemplar, dae heute regiert, . . . dae Raubtier dieserJahre, ... da gibt ee keinen ProzeB, und dae habichbegriffen,ich binvonniedrigerHasse. Oder miiBte ee nicht Kleee heil3en. Man kann nur die wirklich beetehlen, die magisch leben, und fUr mich hat alles Bedeutung..." Ibid., S. 413.

36Freud hat im Phanomen der Sprache die EntdeckungderUnterscheidungzwischenbewuBter und unbewuBter Vorstellung gemacht. Der ProzeB der frbersetzung in Worte iiberlagert den eigentlichen Vorgang einer libidinalen Uberbeeetzung der Wortinhalte, die eine "Ablosung' des Primar-durch den Sekundiirvorgang darstellt, Sekundarvorgang heiBt die Ubernahme von Vorstellungen ins Bewufltaein. Diese bewuBten Vorstellungensindaberbereits zensiertundentstellt,

d.h. versehoben, iibertragen, "iibereetzt,"sodaBsie immer erst aufGrund einer Verdrangung von urspriinglichen Vorstellungen ins BewuBtBein kommen: "... die bewuBteVor-stellungumfaBt die Sachvorstellung plus der zugehorigen Wortvorstellung; die unbewuBte ist die Sachvorstellung allein. . .. Wir konnen jetzt auch prazise ausdriicken, was die Verdrangung bei den UbertragungsneuroeenderzuriickgewieeenenVorstellung verweigert: die Ubereetzung in Worte, welche mit dem Objekt verkniipft bleiben sollen." "Das UnbewuBte,"Gesammelte Werke, Bd.10, S. 300.

37DerFall Franza, S. 346.

38Ibid.

39]:mKapiteliiber"Animismus, MagieundAllmacht der Gedanken" von Totem und Tabu analyeiert Freud die Entstehung dee "syetematischen Denkens," deesen friiheete Erscheinungsform er im Animismus eieht, den er als "ein Denksystem, die erste vollstandige Theorie der Welt" interpretiert und mit Beeonderheit der psychoanalytiechen Auffassung von Denken, der sekundaren Bearbeitung, in Verbindungbringt: "Eineintellektuelle Funktion in uns fordert Vereinheitlichung, Zusammenhang und Verstandlichkeit von jedem Material der Wahrnehmung oder dee Denkens, deeeen sie sich bemachtigt, und scheut sich nicht, einen unrichtigen Zusammenhang herzustellen, wenn sie infolge beeonderer Umstande den richtigen nicht erfassen kann." Gesammelte Werke, Bd. 9, S. 116-17.

4OVgl. Benjamin, "Die Aufgabe dee Ubersetzers": "Um dae echteVerhaltnis zwischen Original und Ubersetzung zu erfassen, iet eine Erwagung anzustellen, deren Absicht durchaus den Gedan

THE GERMAN QUARTERLY Winter 1992

kengingenanalogist, in denendieErkenntniskritik die Unmogliehkeit einer Abbildtheorie zu erweisen hat. Wird dort gezeigt, daB ee in der Erkenntnis keine Objektivitit und eogar nicht einmal den Anspruch daraufgeben konnte, wenn sie in Abbildem dee Wirklichen beetiinde, so ist mer erweisbar, daB keine Ubereetzung moglich wire, wenn sie Ahnlichkeit mit dem Original ihrem letzten Weeen nach anstreben wiirde." Illuminationen, S. 53.

41Der Fall Franza;S. 346. 42Der Fall Franza;S. 387. 43Ibid.

44Vgl. bier Freuds Unterscheidung von BewuBtBein und unbewuBter Erinnerung: "Wir stiitzenuneaufdie Eindnickeunsererpsychoanalytieehen Erfahrung, wenn wir annehmen, daf aIle Erregungevorginge in den anderen [Wahrnehmungs-] Systemen Dauerspuren als Grundlage dee Gedichtnisse8 in dieeen hinterlaesen, Erinnerungereete also, die nichts mit dem Bewu13twerden zu tun haben. Sie sind oft am stirkstenundhaltbareten,wenndersie zuriicklassende Vorgang niemals zu BewuBtBein gekommen ist." "JenseitB dee Luetprinzips," Gesammelte Werke, Bd. 13, S. 24.

45Der Fall Franza, "Vorrede," S. 342.

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