Die Mutter spricht zu ihrer Tochter: Literarhistorische Betrachtungen zu einem feministischen Thema

by Albrecht Classen
Citation
Title:
Die Mutter spricht zu ihrer Tochter: Literarhistorische Betrachtungen zu einem feministischen Thema
Author:
Albrecht Classen
Year: 
2002
Publication: 
The German Quarterly
Volume: 
75
Issue: 
1
Start Page: 
71
End Page: 
87
Publisher: 
Language: 
English
URL: 
Select license: 
Select License
DOI: 
PMID: 
ISSN: 
Abstract:

ALBRECHTCLASSEN

University of Arizona

Die Mutter spricht zuihrer Tochter: Literarhistorische Betrachtungen zueinem feministischen Thema

Neuere Betrachtungsweisen haben uns beträchtlich dafür sensibilisiert, die höfische Welt nicht mehr allein nach ihrer ritterlichen Ausprägungzu beurteilen oder den Bereich der Kirche bzw. die religiöse Literatur alsdie allein bestimmenden Aspekte jener Zeit anzusehen. Statt dessen werden inzwischen Fragen gestellt, die die vormoderne Welt in ihrer Komplexität wahrnehmen. Dabei gera- ten sowohl soziale und ethnische Randgrup- pen als auch soziale, ökonomische, soziologi- sche, religiöse und anthropologische Kompo- nenten in den Blick. Dazu gehören Untersu- chungen zur Geldgeschichte, Zeitmessung, Fremdbegegnung, Kindheit und Jugend, zur kommunikativen Informationsvermitt- lung, zur religiös motivierten Jungf%ulich- keit, zu mittelalterlichen Essensgewohnhei- ten und zur Beziehung zwischen Mensch und Tier. Arno Borst untersucht in seinem Werk Lebensformen im MittelalterThemen wie "Raumund Umwelt," "Mensch und Gemeinschaft," "Bauer und Bürger" und "Au- ßenseiter und Exoten,'' während Joachim Bumke in seiner Höfischen Kultur sowohl die literarischen Aspekte als auch die Re- alia der ritterlichen, höfischen Existenz vor Augen führtV1Kein Wunder also, dass das Mittelalter mittlerweile zu so einem attrak- tiven Forschungsgebiet avanciert ist, dass, davon abgeleitet, sogar in leichter fassbaren Form wissenschaftliche Studien der breiten Öffentlichkeit angeboten werden, ganz zu schmn von der Belletristik, die schon län- ger diesen Bereich für sich erobert hat.2

Innerhalb dieses Spektrums neuer Fra- gestellungen hat auch die Frau als Heilige, als Mutter, als Herrscherin oder alsDichterin große Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. ClarissaWAtbn analysierte die christli- che Bewertung der Mutter in mittelalterli- chen Texten, wohingegen die Beiträger zu einem Sammelband, herausgegeben von Anneke B. Mulder-Bakker, die Beziehung zwi- schen weiblichen Heiligen und der Mutter- rolle von Frauen interpretierten.3 Besonders umfangreich und detailliert sind feministi- sche Aspekte von amerikanischen, engli- schen und französischen Mediävisten er- forscht worden, ohne dasshier die verschie- denen Studien einzeln aufgefihrt werden mii~sten.~

Selbst die jüngsten Forschungsbe- richte vermögen da kaum noch die Fülle der einschlägigen Untersuchungen zu erfassen, was aber nur anzeigt, wie produktiv und er- giebig diese Fragestellung furdie Mediävis- tik bisher gewesen ist.5

Lydia Miklautsch und Ann Marie Rasmussen haben ihre Interpretationen vor al- lem auf mittelhochdeutsche (mhd.) Texte ge lenkt, in denen die Beziehung von Müttern und ihren Töchtern eine besondere Rolle einnimmt, freilich ohne dabei das Material erschöpft oder zur gänzlichen Zufriedenheit behandelt zu haben.6 Die Absicht der nach- folgenden Untersuchung besteht deshalb darin,dasThema "Die Mutter spricht zu ihrer Tochter" genauer in den Bliek zu neh- men, wobei die Spannungen zwischen Mut- ter und Tochter anhand von einzelnen re- präsentativen Werken des hohen Mittelal- ters sorgfältig analysiert werden, ohne dass eine ideologiekritische Messlatte angelegt werden soll. Statt dessen rückt hier die Frage in den Mittelpunkt, ob Mutter und Tochter eine intime Gemeinschaft bilden, wie sie auf-

The German Quarterly 75.1(Winter 2002) 71

einander agieren und sich zusammen gegen die Anforderungen der GesellschaR zu be- haupten wissen und somit zugleich einen bestimmten Grad an persönlicher und politi- scher Unabhängigkeit gewinnen.

Auch aus psychologischer und klinisch- medizinischer Sicht hat man sich intensiv mit dem Phänomen der Mutter-Tochter-Be- Ziehung auseinandergesetzt, wobei man sich vor allem auf die Entwicklung des Kindes zur Erwachsenen in Relation zur Mutter-Fi- gur kon~entrierte.~

Abweichend davon stellt sich hier das Problem, wie diese Beziehungin gesellschaftlicher Hinsicht seitens mittel- alterlicher Dichter beurteilt und gestaltet wurde. In der modernen Literaturwissen- schaft hat man bereits länger die Untersu- chung auf die Beziehung von Mutter und Tochter gerichtet und sie teils psychoanaly- tisch, teils soziologisch und ideologiehisto- risch studiert.8 Dass aber auch die vonno- derne Dichtung diese schwierige Beziehung zwischen den Generationen reflektierte, stellt erst eine neuere Erkenntnis dar. Die Beschäftigung mit diesem Thema ist aber bisher relativ einseitig verlaufen, weil man dazu tendierte, in der Beziehung zwischen Mutter und Tochter einen Ausdruck dafür zu erblicken, wie ohnmächtig und unter- drückt Frauen innerhalb der "patriarcha- lisch strukturierten Gesellschaft" operier- ten? Studien, die sich auf Mutte@ten wie Herzeloyde in Wolframs Panivdkonzentrierten, betonen überwiegend die reli- giöse Komponente, indem die Mutter mit Christusgleichgesetztwird,berücksichtigen hingegen nicht die sozio-politische Proble- matik, die sich besonders dann einstellt, wenn eine Tochter auftritt und somit die Heiratspolitik zur Sprache komrnt.10 Barba- rak Hanawalt hat zwar daraufaufmerksam gemacht,dassin spätmittelalterlichen engli- schen Briefen oftmals ein erstaunlich eng- wobenes Netzwerk an affektiven Beziehun- gen zwischen Müttern und Töchtern be- stand, doch besagen diese Dokumente nicht viel furdie Fragenach der politischen Stel- lung von diesen Frauen in ihrer Gesell- schaft.11

Während Miklautsch eine Motivgeschich- te geschrieben hat, bei der die unterschiedli- chen Beurteilungen der Mutter in den indi- viduellen Genres -Artusroman, Brautwer- bungsroman, Liebes- und Abenteuerroman und Antikenroman -detailliert zur Spra- che kommen, besteht Rasmussens Anliegen darin,dasMutter-Tochter Paradigma irnjeweiligen kulturellen Kontext zu betrachten und Einsichten über patrilineare Gesell- schaftsformen, Eheschließungspraxen und die sozklhbtorische Stellung der Frau ini hohen Mittelalter zugewinnen und dabei die historische Entwicklung von Mutter- bzw. Tochtemllen zu überprüfen.* Rasmussens Kritik an Miklautsch besteht darin,dass sie überwiegend nur die Einstellung der einzel- nen Dichterzu den Mutterfiguren darlegt, ohne tatsächlich die sozio-ökonomischen und machtpolitischen Fhkhren kritisch betrachtet zuhaben (18). Freilich wäre einzu- schränken, dass Miklautsch primär daran interessiertist, die sich verstärkende Mek- tivität und Emotionalität-Stichworte "Lie- be und Fürsorgen-in der volkssprachlichen Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts zu konstatieren,mithin Mentalitätsgeschichte zu entwerfen.13 Dieses Phänomen macht sie vor allem an der Mutter-Sohn-Beziehung fest, die problematisch werden konnte, weil der Heranwachsende zu lange von der Mut- ter zu Hausefmhalten wurde. Miklautsch widerspricht sich jedoch in ihren Betrach- tungen, weil sie einerseits von der "'guten' Mutter" ausgeht, die "im zunehmendenMaße alseine Frau gesehen (wird), die ihr Kind aufopfernd liebt und die passiv und leidend und ohne Widerspruch den Werdegang des Kindes und vor allem die Trennung von ihm akzeptiert."14 Andererseits gesteht sie eben- so deutlich ein, dass die zu enge, fast inzes- tuöse Bindung, für die Entwicklung des Sohnes gefhlich werden konnte, weswe- gen dieser sich schließlich gewaltsam von ihr löst und den eigenen Weg im Leben sucht.15 Außerdem erscheint esgefhlich, die vielen Darstellungen von Mutter-&der-Beziehun- gen in höchst diversen literarischen Texten über einen Kamm zu scheren und sich dann trotzdem allein auf die affektive Komponen- te zu konzentrieren, ohne die bedeutsamen politischen Elemente einzubeziehen.16

Die Leistungvon Rasmussen besteht hingegendarin,eine Auswahl von Mutter-Toch- ter-Beziehungen in der mhd. Literatur auf- gegriffen und kritisch überpriift zu haben, ohne sich davon beeinflussen zu lassen, dass etwa wegen der patriarchalischen Struktur der mittelalterlichen Geselischaft alle diese Beziehungennachdem gleichen Muster dargestellt würden. Sie zeichnet vielmehr nach, wie widersprüchlich die einzelnen Dichter mit dieser Fgmiliensituation umgegangen sind ("contradictions of medieval models," 13). Trotzdem gerät Rasmussen in einen theoretischen Zirkelschiuss, wenn sie einlei- tend ihre Grundthese so bestimmt, dass die Mutter-Tochter-Beziehung eine Quelle von "profound connection or disconnection for women" sei, "a place where fearsand anxieties about women's sirnilarities and dissimilarities are acted out, an arena where wo- men's strategies for learning to survive in a patriarchalsocialoder find elemental repre- sentation" (18).Dann aber betont sie, dass sich keine automatische Relation zwischen mütterlicher Funktion und Unterordnung unter die patriarchalische Gesellschaft in den von ihr konsultierten Texten abzeichne, denn "bilineal descent networks continued to exist side by side with patrilineal ones"

(21).

Trotz dieser Kritik an den Interpretatio- nen Rasmussens wird man ihr aufjedenFall darin zustimmen können, dass diejenigen Dichtungen, in denen das Verhältnis zwi- schen Mutter und Tochter ausgelotet wird, einen komplexen Spiegel der Kultuqpxhich- te abgeben, der bei angemessener Untern- chungsmethode wertvolle sozialhistorische und mentalitä~chtliche Informationen zu liefern fähig ist, bisher aber weitgehend missachtet wurde.17 Insbesondere der Literarhistoriker wird in die Lage versetzt, an- hand der signifhnten Gespräche zwischen Mutter und Tochter entscheidende Grund- züge der mittelalterlichen Gesellschaftzuerkennen,18 ohne dass man sogleich dazu über- gehen muss, die Herrschaft des Mannes, repräsentiert durch den Erzähler, der hier vermeintlich Wunschbilder einer ihm völlig ge-n Frau entwickle, aus diesen Gesprä- chen abzulesen. Von daher hat sich James k Schdtz zu Recht darumbemüht, dasAuRreten von Kindern in mhd. Texten zunächst mit Hilfe einer umfangreichen Datensamrn- lung eingehend zu überprüfen und erst auf der Grundiage solcher Detailstudien zu allgemeineren Schlussfolgerungen über Kind- heit im deutschen Mittelalter zu gelangen, wobei das Ergebnis als höchst komplex und sogar uneinheitlich anzusehen wäre.lg

Überraschungbereitet die Beobachtung, dassRasmussen entgegen ihrer eigenen Ab- sichten letztlich im Anschluss an ihre erste These betont, dass "women's instrumental function and the sexualization of women, the reduction of women to their function as sexual objeds, go hand in hand, pervading medieval repesentations of mothers and daughters" (23).Freilich insistiert sie gegen Ende ihrer Einleitung erneut darauf, dass die 'Mutter-Tochter-Erzählungen' von kei- nem "Single, un-g principle" bestimmt seien, "that explains the production of femi-ninity in patriarchy. Their meanings are not fixed" (24f).Würde dies denn somit bedeu- ten,dassdie Situation von Frauen im Mittelalter keineswegs so einsträngig auszulegen wäre, wie manche FerninistInnen, mithin auch Rasmussen, argumentiert haben. Zu fragen wäre außerdem, welche Perspektive sich in den literarischen Texten eröffnet, wenn man die Beziehung von Mutter und Tochter kritisch durchleuchtet. Wie gewich- tig war letztlich die Einflussmöglichkeit der patriarchalischenGesellschaRauf das Privatleben von Individuen im Mittelalter? Wie- so interessierten sich überhaupt männliche Dichter des 12. und 13. Jahrhunderts für Mütter und ihre Töchter, wenn doch die meisten Texte primär das Rittertum zu idealisieren scheinen? Joan M. Ferrante ge- winnt zumindest aus ihrer Diskussion von Frauen in französischen Texten des Mittel- alters die Einsicht: "It is at least possible that for many poets a world in which women had power to control the political and the cultural scene might have seemed a more welcoming world for them."21

Rasmmn beschäftigt sich mit Heinrichs von Veldeke Eneasmman, mit dem Nibelun- genlied, der Kudrun, Gottfrieds von Straß- burg Tristan, mit der Winsbeckin, der Neid- harbTradition und spätmittelalterlichenVersnovellen. Unberücksichtigt bleiben bei ihrund so auch bei Miklautsch-die intensiven Mutter-Tochter-Gespräche in Hartmanns von Aue "Der arme Heinrich," die ein- drucksvolle und politisch bedeutsame Trau- erszene in der Klage, wo die Nachricht vom Tode Kriemhilds und der anderen Burgun- den verheerende Folgenfurdie alte Königin Uote und die junge Herrscherin Brünhild mit sich bringt, und die religiös-politische Auseinandersetzung von Mutter und Toch- ter in Bruder Hermanns Leben derGmfin Yolancle von Vianden, um nur einige der wichtigeren Texte zu nennen.22 Wenngleich die mhd. Literatur weitgehend von männ- lichen Protagonisten dominiert zu sein scheint (Erec, Iwein, Siegfned, Tristan, Par- zival, Willehalm etc.), ja die Autoren beim ersten Eindruck überhaupt nur eine patriarchalische Welt reflektieren mögen, belegen sowohl die in den Studien von Miklautsch und Rasmussen erwähnten Werke als auch die hier zusätzlich genannten Dichtungen, dass dieser Eindruck trügt und unbedingt eine neue Perspektive auf die rnittelhoch- deutsche Epoche entwickelt werden muss, in der es sich meistens auch um Konfiikte zwischen den Geschlechtern handelt.*

Viele mittelalterliche Autoren waren in beeindruckender Weise um die Psychologi- sierung ihrer Gestalten bemüht und haben demgemäß auch der Mutterfigur viel Auf- merksamkeit gewidmet. Sowäre etwa Miel- ke-Vandenhoutens These hinsichtlich der Gmfin Yohnde von Vinden zuzustimmen: "In der Person Margarethes [der Mutter Yolandes], in dem Spektrum zwischen standes- bewusster Gräfin und autoritärer Erziehe- rin einerseits, liebevoller Mutter und gott- begnadeter Frau anderemits wird die Ambivalenz und Komplexität der Rolle der Frau im Mittelalter plastisch Das oft auftretende Motiv des Kiagens beim Tod von Verwandten und Freunden demonstriert ebenfalls,dassdie mhd. Dichtung ein wichti- ges Forum abgab, die Gefühhwelt der Men- schen auszuloten und dabei Frauen eine bedeutende öffentliche Funktion zuzuwei- sen.%

Höchst aussagekräftige Szenen sowohl im Nibelungenlied als auch in Gottfrieds Tristan bieten sich vor allen anderen an, um die Beziehungzwischen Mutter und Tochter irn deutschen Mittelalter genauer zu profi- lieren und daraus entscheidende Schlussfol- gerungen zuziehen, wie die mittelalterliche Gesellschaft den Generationskonflikt zwi- schen Frauen projizierte,dannaberdaskomplexe Verhältnis von Frau und Mann innerhalb der patriarchalischen GesellschaR des Mittelalters und der Frühneuzeit in den Blick zu nehmen.% Diese Textauswahl er- leichtert zudem die kritische Auseinander- setzung mit Rasmussens zentralen Thesen, die sich primär auf Mütter und Töchter in den aristokratischen Schichten beziehen. Die Charakterisierung der Mutterfigur in Heinrichs von Aue "Der arme Heinrich" belegt zwar, dassaus der Sicht des Dichters ihr Verhältniszur eigenen Tochter sehr intensiv gestaltet gewesen sein konnte, doch gestat- tet diese Beobachtung keine weiteren Schlussfolgerungen hinsichtlich der sozia- len Stellung der Frau allgemein.27 Ebenso sagt Wernhers des Gartenaere Helmbrecht nicht viel über die Beziehung zwischen Mut- ter und Tochter aus, denn die Verserzählung formuliert primär Kritik arn aufsässigen und arroganten Benehmen des Raubritter- Sohnes, der auch die Schwester dazu verführt, sich unter Bruch der Zehn Gebote gegen die Eltern aufzulehnen, den Vater zu verleumden und sich selbst den Raubrit- tern als Braut des Lemberslint anzuschlie-

Rasmussen, und mit ihrviele andere Au- toren, gehen davon aus, dass Kriemhild zumindest aus der Sicht des Nibelungen- lied-Dichters -das "Verbrechen" begehe, die sozialen Normen der traditionellen Weib-

lichkeitsrollen zu tmmgredieren. Uote sei nur eine blasse Figur im Handlungsrahmen, während ihre Tochter, vor allem irn zweiten Teil des Epos', von Macht- und Rachegelüs- ten getrieben Chaos hervorrufe und "unche- cked and uncheckable disorder" verursache (66). Zweifellos steht arn Ende des Epos das Armageddon, betrachten die drei Überle- benden voller Entsetzen und in größter Trauer das Schlachtfeld in Gran, doch wäre zu hinterfragen, ob der Dichter mit seiner Verfluchung der "valandinne" Kriemhild sie allein als die Schuldige hinstellt und ob sich wirklich solch eine einseitige Lesart rechtfertigen lässt.29 Schon aufgrund der Tatsa- che, dass die bisherige Forschungdiese Frage kontrovers beurteilt hat, wäre zuvermuten, dass solch eine monokausale These sich nicht ohne weiteres wirdbehaupten können, wurdeihraußerdem schon irnMittelalter in- direkt entschieden widersprochen, wie in der C-Fassung des Nibelungenlieds und dann vor allem in der Klage explizit zum Ausdruck kommt.= Jerold Frakes argumentiert hinsichtlich der Frauentiguren, dassdie Dichter der heroischen Epen dazu tendierten, "to reiS. (and commo*) them, so that they are routinely subject to debasing, dehumanizing treatment by both men and other women" (971, doch trifft dies bei genauerer Hinsicht weder auf Uote noch auf Kriemhild zu. Die erstere bewegt sich generell in ihrem eigenen politischen Handlungsraum alsAltkönigin, während die letztere, wenn auch oftmals böswillig von Hagen und ihren Brüdern manipuliert und missbraucht, sich zugleich gegen diese Machenschaften durchzusetzen vermag, eine glückliche Ehe mit Siegfried führt und später in gewisser Weise erfolg- reich seine Ermordung rächt, obwohl wenn sie dabei selbst zugrunde geht. Die vehemen- te Verteidigung Kriemhilds durch denKlage-Dichter bestätigt ausdrücklich, dassman in der Rezeptionsgeschichte ihren Lebens- weg als Tragödie ansah und Hagen als den entscheidenden Drahtzieher hart verurteil- te.Ganz zweifellos reflektiert das Nibelungenlied eine patriarchalische GesellschaR, doch besagt dies noch lange nicht, dass des-

wegen die Mutter-Tochter-Beziehung auf Ausbeutung und Unterdrückung beruht.

In Bezug auf das Nibelungenlied geht Rasmussen zu Recht davon aus, dassdie ers- te Traumdeutungsdebatte zwischen den bei- den Frauen daraufhinweist, dassUote hete- rosexuelle Liebe alsGarantiefürpersönliche Glückserfahrung innerhalb der patriarcha- lischen Gesellschaft ansehe, während sich Kriemhild mit ihrem Protest gegen jegliche Ehebindung töricht verhalte und zunächst recht viel Naivität verrate (72E). Die Aus- deutung des berühmten Falkentraums gebe laut Rasmussen zu erkennen, dassdie Mut- ter die entscheidenden Punktenicht verste- he und einem klischeehaften Denken ver- haftet sei, dasletztlich zur Katastropheführen werde (76). Dassdiebeiden Frauen keine gute Kommunikation besitzen, kann man ohne weiteres bestätigen, doch ist damit we- nig über ihrVerhältnis zueinander und auch nichts über die eigentliche Machtposition von Frauen in der heroischen Gesem, wie sie vom Nibelungenlied gespiegelt wird, ausgesagt. Ob 2.B. Mutter und Tochter tat- sächlich so radikalals "complete opposites"

(83) anzusehen wären, müsste genauer überprüft werden. Entscheidend wäre wei- terhin, wie der Dichter die Beziehung zwi- schen ihnen darstellt und welche Schlussfol- gerungen sich daraus für das GesellschaRsbild insgesamt ergeben.

Susann Samples konstatiert, dass Treue zur und Fürsorge für ihre Tochter die größte Bedeutungim Leben der Königin Uote besit- ze. Obwohl sie keine Möglichkeiten hat, ihre Tochter vor zukünftigen Gefahren zu be- schützen, strebe sie in anerkennenswerter Weise danach, die Ehre ihres Kindes zu bewahren, was für die ganze Sippe ausschlag- gebend sei.31 Kriemhilds Falkentraum bestä- tigt diese Beobachtung, auch wenn Uote nicht unbedingt als "Expertin in Liebesdin- gen" zu bezeichnen wäre, wie Miklautsch behauptet.32 Das Problem besteht natürlich darin, dass die Traumbotschaft höchst ambivalent erscheint und keineswegs einfach auszudeuten ist, besteht sie ja aus einer höchst symbolischen Sprache.33 Kriemhild glaubt dass sie den Falken selbst aufgezogen habe, der von zwei Adlern zerrissen worden sei (13,2£). Dessen Todbereitete ihrsogarim Schlaf tiefsten Kummer, weswegen sie von ihrer Mutter Aufklärung erwünscht, die je- doch bei der Interpretation zu scheiterndroht, da sie sich auf stereotype Auslegungen beschränkt, die sich bald alsirrtümlich heraus- stellen. Einschränkend wäre zu bemerken, dassUotes nigrundeliegende Interpretation wohl zutrifft: "in welle got behüeten, du mu- ost in sciere vloren han"(14,4), wenngleich die sich daraus ergebenden Konsequenzen in die falsche Richtung gehen. Obwohl die Mutter richtig wahrnimmt, dass der Fallce Kriemhilds z&ü&$en Ehemann darstellt, der von seinen Feinden zerrissen werden wird, wischt sie rasch, offensichtlich mit der Absicht, die sich anbahnende Katastrophe zu negieren, die sich ihrselbst aufdrängende Einsicht beiseite und wendet sichdafürdem zukünftigen Schicksal ihrer Tochter zu, das sie sich nur gemäß der traditionellen gesell- schaftlichen Normen vorstellen kann, nämlich als Ehefrau: "soltu immer henenliche zer werlde werden Vro, Idazgesciht von mannes minne. du wirst ein smne wip" (16,2£). Laut Rasmussen bedeutet dies, dasssich für Kriemhild nur dann Glück einstellen wer- de, wenn sie sich als Objekt männlicher Begierde definiere und die sexuelle Erfahrung für den Mann als Garantie für ihre weibli- che Schönheit ansehe (72th Ebenso urteilt Frakes, nach dem "alldefinitions of gender relations in the tale consist in large part simultaneously of property relations" (47), so als ob weder Familienbande Mutter-Toch- ter) noch erotische Beziehungen jegliche Bedeutung besäßen und eine Eheschließung dem Verkauf der Tochter, die nur als ein Ob- jekt angesehen werde, an einen mächtigen Bewerber gleichkäme ("patriarchalmarriage," 65).34

Hier ergeben sich aber beträchtliche Interpretationsschwierigkeiten,denn Uote spricht allein von "minne" und verbindet diese mit Glückserfahrung schlechthin, die durch Gott dem Menschen verliehen werde. Für die Frau bedeute dies, dass sie einen Mann gewinne: "ob dir noch got gefieget eins rehte guoten ritters lip" (16,4), was die Beziehung zwischen den Geschlechtern entweder genauumgekehrt beschreibt, nämlich als ein Verhältnis, bei dem die Frau dominiert, oder als eine partnerschaftliche Paarbildung, die unter Gottes Fügung Freu- de und Zufriedenheit beschert.

Auch wenn sich Kriemhild zunächst gegen die Auslegung ihrer Mutter sträubt und die literarische Tradition des Minnesangs evoziert, wonach "liebe mit leide ze jungest lonenkan"(17,3), erweist die spätere Hand- lung,dassUotes Interpretation zutrifft,weil "sit wart si mit 6ren eins vil küenen recken wip" (18,4). Gewisswäre die damit verbun- dene Schmerzerfahrung zu berücksichtigen, und insoweit hätte auch Kriemhild recht behalten. Dennoch darf nicht das spätere Schicksal der Tochter zu voreiligen Rück- schlüssen auf die Beziehung zu ihrer Mutter verleiten. Mehrere Beobachtungen spielen dabei eine großeRolle, die dieses bedeutsame Gesprächin den angemessenen Kontext rücken. Kriemhild vertraut ihrer Mutter so sehr, dass sie sich sogar nach einem Alp- traum an sie wendet und umAufklärungbittet. Dann zögert Uote keineswegs, die sich von selbst aufdrängende Interpretation des Traumes zu entwickeln und verkündet, dass der Falke, von dem Kriemhild geträumt habe, sterben werde: "du most in dere vlo- ren han"(14,4). Zwischen Mutter und Toch- ter besteht ein solch inniges Verhältnis, dass sie sich unumwunden über so gewichtige Themen wie Ehe, Liebe und Glück unter- halten können. Zwar verkündet Kriemhild, dass sie sich vor der Minne hüten wolle, damit sie sich keine "not9' auflade und Leid erfahren werde, doch wissen wir, dasssie sich nichtumdieTraumbo-kümmernwird, sobald Siegfried um ihre Hand wirbt. Es wäre insbesondere festzuhalten, dassUotes größtesAnliegen darinbesteht,ihreTochter darauf vorzubereiten, im späteren Leben Glück und Zufriedenheit zu erleben, was gemäß ihrer reichen Erfahrung eben nur durch eine Ehebeziehung erreicht werden könne.35 Kriemhild scheint laut Text ihre einzige Tochter zu sein, was fürUote bedeu- tet, dassKriemhild eine wichtige Rolle in der dynastischen Politik der Familie/Sippe spie- len wird, die nicht durch dieses törichte Auf- begehren gefährdet werden soll. Damit wird allerdings die Funktion der Tochter nicht auf die Aufgabe reduziert, Kinder zu produzie ren und somit die Kontinuität der Fgmilie zu gewährleisten, mithin bloß Objekt bzw. In- strument patriarchalischer Politik zu sein.

Sowohl Kriemhild als auch viele andere Frauengestalten in höfischen Romanen besitzen ausschlaggebende, ja kataiysatorische Funktionen, indem sie das Geschehen arn Hof insgesamt zu bestimmen vermögen, auch wenn sie oftmals nicht aktiv eingreifen oder den Handlungsverlauf diktieren. Der Tod Siegfrieds gewinnt somit erst dadurch narrative Relevanz, weil Kriemhild um ihn trauert und schließlich auf Rache gegen den Mörder sinnt. Siegfried entpuppt sich sowie- so bei näherer Hinsicht als eine recht blasse und statuarische Figur,die aufgrund ihrer mythischen Stärke und überragenden Macht keine Entwicklung durchläuft und bloß zu provozierenversteht, ohneje recht zubegrei- fen, was ihre Taten und Worte bewirken.36 Kriemhild hingegen begegnet uns als empfindende und leidenschaftliche Person, die durchaus selbständig zu handeln versteht, so wenn Etzel um ihre Hand wirbt. Obwohlihr die Fähigkeit bzw. Möglichkeit abgeht, sich kämpferisch in der Öffentlichkeit zu bewähren, übt sie doch die zentrale Aufgabe aus, das Element der Liebe in die heroische Welt zu tragen, was ein ganz besonderes Licht auf ihr Verhältnis zu Uote wirft.

Wenden wir uns somit erneut dem Falkentraum zu. Uotes Auslegung und Kriem- hilds Schlussfolgerung verraten keineswegs solch eine Naivität, wie Rasmussen postu- liert.37 Ganz im Gegenteil wäre zu beobach- ten, dass die Mutter zum einen als Vertrauensperson angesehen wird und sie zum anderen daraufbedacht ist, trotz der ominösen Nachricht ihre Tochterdazuzu drängen, ein auch innerhalb der gesellschaRlichen Nor- men fundiertes Glück anzustreben, indem sie sich verheiratet und dadurch öffentliches Ansehen erwirbt (l6,3).Zwarlässt sich nicht behaupten, dasseine enge freundschafüiche Beziehung zwischen Mutter und Tochter be- steht, aber das Gespräch zwischen beiden besagt doch unverkennbar, dass die zwei Frauen offen miteinander reden und sich über wesentliche Aspekte ihres Lebens aus- tauschen können. Uote demonstriert sowohl hier als auch bei späteren Dialogen, lange nachdem Kriemhild bereits zur Witwe ge- worden ist, eine stark mütterliche Empfin- dungund drängtKriemhild schließlich sogar dazu, die Werbung König Etzels anzuneh- men, denn sie wünscht sich für ihre Tochter, nach den langen Jahren des Leides doch wie- der persönliches Glück zu erfahren.% Rasmussen geht zwar davon aus, dass Uotes scheinbare Unkenntnis der wahren Um- stände von Siegfrieds Ermordung diese Stel- le höchst ironisch wirken lasse (€321,aber der Text reflektiert dies bei näherer Betrach- tung in keiner Weise:

D6sprach diu vrouwe Uote ir lieben tohter zuo: "swazcüne bruoder fiten, liebez kint, daz tuo. volge cünen friunden, s6 mac dir wo1 geschehen. ich hin dich doh si3 langemit gr6zem jher gesehen.'' (1246)

Für die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist es völlig irrelevant, ob Uote in die Mordpläne eingeweiht war oder eine Ahnung davon besaß, was Hagen und Gun- ther gegen Siegfried vorgehabt hatten- was für sich genommen sowieso nicht an-band des Textes belegt werden kann. Ent- scheidend ist vielmehr die Beobachtung, dass sie sich um das Wohlergehen ihrer Tochter sorgt und verständlicherweise da- rauf insistiert, nach so vielen Jahren des Trauerns erneut Lebensmut zu schöpfen und das Heiratsangebot Etzels anzuneh- men.39

Zieht man außerdem das Zeugnis der Klage hinzu, wo die schrecklichen Folgen der Hoffeier arn Hunnenhof berichtet werden, ergibt sich ein klarer Eindruck davon, dass auch in der Heldenepik ein genaues Bewusst- sein davon bestand, wie wichtig die Bezie- hung zwischen Mutter und ihren Kindern bzw. ihrer Tochter für alle Beteiligten war. Uote hat sich mittlerweile nach Lorsch zurückgezogen, wo sie ein Münster gegründet hatte. Die Nachrichten vom Tod der Burgun- den treffen sie schwer und berauben sie aller Lebenskraft:

d6 si des künde gewan 
waz ze Wonnez was geseit, 
von sorgen s6 wart ir bereit 
vii manec angestlicher muot. 
diu mre enwkn ir niht guot 
von i.vii lieben kinden. (3f338-93) 

Ja, nach sieben Tagen des Trauerns stirbt sie (3959), während Brünhild fast das glei- che Schicksal erlitten hätte. Der Dichter erklärt, dass Uotes Kummer wegen des Todes ihrer "vil lieben kinden" (3955) der Grund dafür gewesen sei, dass sie die Schreckensnachricht nicht überlebte, wo- mit ausdrücklich die enge emotionale Be- ziehung zwischen Mutter und Kindern be- tont wird. Rasmussen mag zwar Recht darin haben, dass Kriemhild und Uote "complete opposites" sind, insoweit als die erste als Agierende auftritt, während die letztere nur eine passive Rolle auszuüben scheint.40 Wir dürfen aber nicht vergessen, dass sich Uote bereits auf dem Altenteil befindet und die Herrschaft mittlerweile ihren Söhne überlassen hat, d.h. aber schlicht aus narrativen Gründen nicht mehr politisch zu agieren vermag, wäh- rend dies im Fall von Uote, der Mutter Ha- gens, und Gerlint (beide Figuren in der Kudrun-siehe dazu weiter unten) völlig anders gestaltet ist. Uote im Nibelungen- lied tritt nur als Mutter auf und ist stets darum besorgt, ihrer Tochter zu helfen, Glück und Freude in ihrem Leben zu er- fahren. Zweimal wird in Strophe 1246 das Adjektiv "liebe" eingesetzt, um die Bezie- hung zwischen Mutter und Tochter zu charakterisieren, einmal in der Aussage des Erzählers, dann in der direkten Rede Uotes: "liebez kint, daz tuo" (1246, 2).

Später kommt Uote zwar nicht mehr zu Wort und wird auch in der Abschiedszene nicht individuell berücksichtigt, aber trotz- dem handelt es sich an dieser Stelle um eine stark emotionale Situation, die für beide Frauen sehr intensiv abläuft: "Die ir m&ge wiiren, kustes an den munt. / vil min- neclfche scheiden sach man an der stunt" (1293, lf.). Die gramvolle Reaktion Uotes, als sie am Ende in der Klage vom Tod ihrer Tochter erfährt, spricht Bände, bestätigt, dass eine enge persönliche Bindung zwi- schen Mutter und Tochter bestand und diese zwei Frauen eine spezielle familiä- re Gemeinschaft pflegten. Uotes Trauer schließt allerdings nicht ihre Söhne aus, die ebenfalls sind und deren in: scheiden sie mit größtem Schmerz erfüllt: "diu maere enwiiren ir niht guot / von ir vil lieben kinden" (Klage, 3692f.).

Als Kriemhild ihre Verwandten zu sich ins Hunnenland einlädt und die Boten mit Uote darüber sprechen, vernehmen wir, wie sehr es die Tochter danach drängt, öfters ihre Mutter zu sehen (1454,3), was jedoch, wieUote kommentiert, nicht möglich sei, "so ist leider mirzeverre des edeln küneges wip" (1455, 3). Trotzdem drückt sie hier erneut ihre Hofiung aus, dass Kriemhild eine glückliche Ehe führe:"nu si immer sdic ir und Etzelen lip" (1455,4), womit der Inhalt der allerersten Gesprächsszene zwischen Mutter und Tochter erneut und praktisch unverändert anklingt.Ungeachtet der poli- tischen und militärischen Spannungen zwi- schen Kriemhild und Hagen ersehnt sich Uote, die sowieso nicht viel von diesen Problemen wissen dürfte, dassihre Tochter zu- frieden mit ihrem Leben ist und formuliert unzweideutig, dass sie weiterhin als Mutter eine enge Beziehung zu Kriemhild besitzt. Rasmussen bezeichnet dies allerdings ab- schätzig als "nostalgic longing" und kriti- siert Uote dafür, "how far removed she is hm the political realities of her court and her famil~t"~1

Wenn man diese Szene nur aus der Sicht der Machtausübenden betrachtet, sie nur als einen Hinweis auf die arn burgundischen Hof ausgeübten Verbrechen und Gewalt- maßnahmen nimmt, mag dies wohl zutref- fen. Als Reflex der familiären Beziehungen bestätigt aber der Text, dass Kriemhild und Uote eine intime weibliche Gemeinschaft bilden, die eine eigene, innere Stärke besitzt, die irn Gegensatz zur patriarchalischen Öf- fentlichkeit Frauen eine private Sphäre, d.h. einen wichtigen Freiraum, gewährleistet.*

Dieser Eindruck findet außerordentliche Bestätigungin derKudrun, wo Ehen, dievon der Protagonistin arrangiert und geschlos- sen werden, solide familiäre Beziehungen herstellen, die zukünftiges Konfiiktpotenzi- al von vornherein zu begrenzen, wenn nicht sogar zu unterbinden vermögen. Frakes glaubt zwar, dass "[alt any moment the who- le cycle of chaos could begin anew" (253), doch unterstreichen die Hochzeiten und die daraus sich ergebenden freundschaftlichen Verhältnisse zwischen den Frauen und ih- ren Ehemännern, dass genau dieser Teufels- kreis der Gewalt gebrochen und stabile poli- tische S u n errichtet wurden. Das Ver- dienst aber für diese Leistung ruht bei Ku- dnm, die in intensiven Auseinandersetzun- gen mit ihrer Mutter Hilde ihrdiese diploma- tische Lösung abgetrotzt hatte: 'Wazmöhte da sui mere dan freude unde schal?"* Hilde hatte sich zwar entschieden dagegen aufge- lehnt, von ihrem Recht, Rache an Hartmuot zu üben, Abstand zu nehmen: "ich hAnvon sinen schulden grozen schaden erliten" (1596,2), doch lässt sie sich am Ende erwei- chen und fügt sich Kudruns Plänen: "ich wil si ungepunden ze hove Uzen gh" (1599,2). Die letztere muss zwar heimlich die Gefan- genen baden und mit besten Kleidern aus- statten lassen, es gelingt ihraber letztlich, sowohl ihre Mutter als auch die Fürsten Fniote und Wate gänzlich umzustimmen, das Jawort zu den Heiraten zu geben und so- mit eine neue Politik durchnuuhren, die auf Kommunikation und Toleranz beruht, somit ingesarnt den Frieden garantiert. Es trifft also nicht zu, dass der Aktionsradius von Frauen bloß auf "patient resistance and the patient endurance of suffering" beschränkt ist, wie Rasmussen meint, vielmehr verfügt

Kuh, ähnlich wie auch schon Kriemhild, über beträchtliche politische Verhandlungs- f&gkeiten und besitzt eine bemerkenswert einflussreiche Position ihrer Mutter, dazu überhaupt dem männlichen Hofstaat gegen- über, wodurch sie sich gegen de Opposition durchsetzen und die von ihr intendierte Stra- tegie realisieren kann.44Kudrun präsentiert sich folglich nicht mehr bloß als gefügige Tochter, als wiiüges Pfand in den Händen patriarchalischer Hemcher, sondern alsenergische, zugleich sehrgpschckte "Regimn-Partnerin ihrer Mutter, insoweit als sie es versteht, den Schmerz, die Trauer und die Rachegefühle Hildes vorsichtig zu berück- sichtigen und anzuerkennen, zugleich aber aufzufangen und dann in friedliche Kanäle zu leiten, d.h. aber ebensowohl, zusammen mit der Mutter die Geschicke des Landes klug zu leiten und entscheidende Sicherheitsmaß- nahmen furdie Zukunft zu ergreifen.45 Hinweisen könnte man außerdem auf die tragi- sche Szene, als Wate seiner Königin Hilde von der Niederlage auf dem Wülpensand berichtet. Nachdem Hilde zunächst den Tod ihres Mannes beklagt hat, wendet sich ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Verlust der Tochter, der ihr den größten Schmerz verur- sacht: "swies6 dazgeschaehe,1daz ichvil gotes armiu mfne tohter Kfid-n gesrehe" (929,3f). Während die bisherige Forschung nur die politische Zusammenarbeit von Mut- ter und Tochter konstatiert hat, können wir festhalten,dass auch eine intensive emotio-

nale Beziehung zwischen ihnen besteht.46

In Bezug auf Gottfrieds von Straßburg Tristan(ca.1210) ergeben sich durchaus ver- gleichbare Schlußfoigerungen, was das harmonische Mutter-Tochter-Verhältnis angeht. Im Gegensatz dazu argumentiert Rasmus-Sen, dass die irische Königin ihre eigene Tochter dem Patriarchat überantwortet "so that mother and daughterrnay survive" (133, was sichkaumanhand des Textes bestätigen lässt. Vielmehr entdecken wir im Tristan eine genauso intensive Mutter-Tochter-Be- Ziehung, die eng mit politischen Entschei- dungen verbunden ist, die aber nichtsdesto- trotz auf einem erstaunlich engen Gemein- schaftsgefuhl der zwei Frauen beruht, wodurch sie beide eine bemerkenswerte Machtposition einnehmem4I Bei Tristans erstem Besuch in Irland erfahren wir, dass die Mutter stets darum bemüht gewesen ist, ihrer Tochter die bestmögliche Erzie- hung angedeihen zu lassen. Sie unterrichtet sie selbst und beschäftigteinen Privatlehrer: "und hte alle ir vlizekeithit des tages an si geleit jdaz s'iht gelernen kunde / mit handen oder mit munde" (7721-24). Die Königin ist sogar bereit dazu, Tristan zu heilen, wenn er sichalsLehrerfürdie Tochter zur Verfügung stellt (7856f.). Während Tristan seine Gesundheit wiedererlangt, unterrichtet er Isoldeinden verschiedensten Künsten, worüber sich ihr Vater und ihre Mutter herzlich freu- en (8033-35), die eine beeindruckend harmonische Gemeinschaft bilden (siehe z.B. 10629-10658) und in dieser Hinsicht im ganzen Versroman nur noch in Rual und Flore te eine Entsprechung finden.

Später, als die junge Isolde herangewach- sen ist und von vielen Männern umworben wird, entwickelt sich eine beeindruckende Vertrautheit zwischen den beiden Frauen. Nachdem der irische Truchsess fälschlich als Drachentöter aufgetreten ist und damit Anspruch auf die junge Isolde erhebt, suchen und finden die zwei Isolde und Brwne den wahren Retter und bemühen sich gemeinsam um seine Heilung. Der Dichter betont ausdrücklich die gute Zusammenarbeit von Mutter und Tochter: "Die küniginne bei- de,/ beide he underscheide, / si nhen in ze handen" (9613-15), und lässt sie ebenso gemeinsam bei dem großen Gerichtstag a& ten (9771f.). Entscheidend dürIte aber für das Textverständnis sein, wie sorgfdtig und umsichtig die beiden Frauen danach stre- ben, den problematischen Fallmit Tantris / Tristan zu lösen, weil es sich bei ihm um den "Mörder" Morolds handelt, der nun in ihre Hand gegeben ist. Obwohl die junge und noch sehr impulsive Isolde den schutzlos im Bad sitzenden Helden fast mit seinem eigenen Schwert getötet hätte, verhindert ihre Mutter dies noch rechtzeitig und gemahnt die Tochter an das geschworene Gastrecht, das nicht gebrochen werden darf (10207- 216).* Der Dichter bemerkt zwar, dass das Herz der Tochter niemals imstande gewesen wäre, diese mörderische Tat zu begehen (10236fK), aber trotzdem ist zu bedenken, dass die Mutter auf sie einreden und sie davon überzeugen muss, dassder TodTristans ihr selbst viel Kummer bereiten würde. Nicht, dassdie Königinallein an ihre eigene politische Situation, an ihr Ansehen und ihren Einfiuss amHof denkt. Ganz im Gegenteildrückt sie unverkennbar ihregroße Lie-be zur Tochter aus und motiviert erst damit ihr eigenes Handeln:

mir wart nie niht Soliep So duo.

6 dazmir iht an dir geschehe,

dazich reht. ungerne sehe,

ich lsze 6 gerne disen haz.

ich lide sanRer unde baz

eine mre danne zw0. (1029f3-301)

Gewiss kommt bei ihr auch das politische Moment ins Spiel, denn der Truchsess, der Anspruch auf ihre Tochter zu besitzen glaubt, stellt eine große politische Gefahr für sie und ihre Familie dar, gegen die ih- nen nur Tristan helfen kann und den sie deswegen vor den Angriffen ihrer Tochter schützen muss. Damit wird die junge Isol- de nicht zum Spielball im politischen Ma- növer amirischen Hof, wie manche Inter- preten behaupten, sondern sie wird eine machtvolle Repräsentantin ihrer Mutter, insoweit als sie geschickt und diploma- tisch klug operierend ihr eigenes Leben zu bestimmen vermag, obwohl oder gerade weil sie durch den Liebestrank zur Gelieb- ten Tristans wird und damit sich gezwun- gen sieht, für den Rest ihrer Tage unter Liebesqualen zu leiden, mit einem ihr fremden Mann -König Marke -eine Ehe zu führen und sich nach dem fernen Tris- tan zu sehnen.49

Sowohl Mutter als auch Tochter erringen jeweils erstaunliche Machtpositionen und vermögen sich gegen die männliche Herr- schaft durchzusetzen, indem sie in enger Kooperation ihre Stellung gegen die äußere Welt verteidigen.50 In Irland war die Königin einerseits in der Lage gewesen, militärisch frei über ihren Bruder Morold zu ve-n und ihn als ihren persönlichen Vertreter in die verschiedensten Länder zu schicken, um diese in ihrem Namen zu unterwerfen. Andererseits bestätigt der Gerichtsprozess, dass Isolde sowohl faktisch als auch politisch eine starke Rolle spielt, zu der im Vergleich diejenige ihres Mannes eher schwächlich Wirkt.S1

Der Liebestrank, den Isolde dann Branwne überreicht, macht klar,dassdie Mutter keineswegs aufgrund der Heiratspläne von Machtgelüsten beherrscht wird, sondern dass sie zutiefstdarumbesorgt ist, dass ihre Tochter den noch fremden MannMarke tat- sächlich zu lieben verrnag.SZ Sie wird zwar nicht in der Lage sein, auf die weite Entfer- nung hin der jungen Isolde beizustehen, sie hofft aber darauf, dass mit Hilfe dieses Aphrodisiakums Glück fur das Ehepaar in der Form von "ewiger Treue" eintreten wer- de.53 Die Erklärung für ihre mütterliche Sor- ge steht ebenfalls explizit im Text:

ich bevilhe dir Mte

vil tim vil gen6te.

an ir sii lit mui beste leben.

ich unde si sin dir ergeben

iif alle dhe srelekeit. (11469-73)

Die Trennung ist für alle drei Frauen sehr schmerzhaft. Der Erzähler geht sogar so- weit, Mutter und Tochter mit dem Aus- druck "getriuweliche sicherheit" (11514) zu charakterisieren und demnach die Bin- dung zwischen ihnen als emotional und in- tim zu bestimmen, was, wenn man den modernen Kritikern glauben will, für das Mittelalter als erstaunlich zu beurteilen sei. Wie jedoch angesichts dieses Phäno- mens Rasmussen argumentieren kann, "We learn nothing of what Queen Isolde feels as her daugther departs; it is left for us to imagine" (132), bleibt unverständ- lich, denn die Mutter vermag sich in der Abschiedsszene kaum von der jungen Isol- de zu trennen: "Isdt kuste si beide I dicke und ze manegem male" (11516f.). Auch ihre Tochter leidet unter der Abreise und verbleibt lange Zeit weinend und klagend in ihrer Kajüte, bevor sie den Liebestrank zu sich genommen hat und damit sozusa- gen auch die Mutter aus den Augen ver- liert. Die Königin sendet aber Brangene mit auf die Reise und gewährleistet damit, dass ihr eigener Einfluss auf die Tochter indirekt weiterbesteht, mit der sie intensi- ve Emotionen verbinden: "an ir so lit min beste leben 1ich unde si sin dir ergeben" (11471f.).

Anhand des Nibelungenlieds und von Tristun lässt sich also doch behaupten, dass einige der mhd. Dichter gerne und bewusst enge und persönlich gestaltete Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern entwarfen, die zugleich mit der eigentümlichen Macht- position von Frauen zusammenhängt, inso- weit alsdiese sich erst als weibliche Gemein- schaft enger Verwandter arn Hof durchzu- setzen verstanden." Horst Wenzel geht in- zwischen sogar davon aus, dass die "'tiefere Bindung' an das Kind [. . .I im 13. Jahrhun- dert -zumindest alsAnspruch -fiden Adel selbstverständlich" war? Dies findet sowohl im heroischen Epos als auch im hö- fischen Roman seine Bestätigung dort, wo Mütter und Töchter auftreten und von den Dichtern psychologisierend porträtiert wer- den. Zwar wäre es ein Irrtum,nun deswegen zu argumentieren, dass die mhd. Epen das Ende des Patriarchats anzeigten -weit gefehlt! Bei näherer Hinsicht stellt sich aber heraus, dass Mütter und Töchter oftmals in enger Zusammenarbeit eigenständige politi- sche Rollen auszuüben verstehen, die ein be trächtliches öffentliches Gewicht besitzen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dassdie mhd. Dichtungen erstaunlich inten- sive Mutter-Tochter-Verhältnisse darstellen, die keineswegs von Streit, Wettbewerb oder Konflikten bestimmt waren. Im Spätmittel- alter setzte sich allerdings dieses Tradition nur noch beschränkt fort, wie wir allein streiflichtartig andeuten können. Johannes von Tepl weist 2.B. in seinemAckermann von ca. 1401darauf hin, wie sehr die Mutter den entscheidenden Bezugspunkt für ihre Kinder abgibt, die nun unter ihrem Dahinschei- den so schwer leiden: "Michel ere het ich, wann die guten die reinen tochter eugelten mit iren kindern, in reinem neste gefallen. Tot ist die henne, die da auszoch solche hü- ner."S6 Oswald von Wolkenstein verrät in ei- nem seiner autobiographischen Lieder, dass seine Ehefrau Margareta von Schwangau wie eine Furie aufihn zustürmte, wenn er in seiner Depression auf die Kinder einschlug, und diese mn seine Gewalttätigkeit schützte: "Sokompt ir mütter zü gebraust, / zwar die beginnt zu schelten."" In beiden Fällen handelt es sich freilich nicht um Mutter- Tochter-Dialoge, sondern um die männliche Projektion der Mutterrolle, die allerdings in außerordentlich positivem Licht gesehen wird. Siebestätigtjedoch ausdrücklich, dass die mhd. Texte in dieser Hinsicht nicht völ- lige Ausnahmen darstellten und dass vielmehr die Beziehung zwischen Mutter und Tochter allgemein als wertvoll angesehen wurde, ohne sogleich, wie moderne Interpre- ten gerne meinen, ausschließlich im "Dienste der herrschenden sozialen Ordnung, d.h. der feudal-patriarchalischen Gesellschaft" zu ~tehen.~~Die

Heiratspolitik in der Kudrun wird von der Protagonistin deswegen ein- gesetzt, um Frieden herzustellen und das Wohlergehen aller Menschen der betroffe- nen Ländern zugewährleisten, nicht aber, wie Frakes,hussen und auch MiMautsch auf jeweils unterschiedliche Art behaupten, um sich den sozialen und politischen Nor- men der männlichenGesellschaft zu unter- werfen.59 Allerdings macht sich in den "Volksbüchern" die Umgewichtung der Frauenrolle in der Öffentlichkeit bemerk- bar, denn Mutter und Tochter werden zu- nehmend zu Opfern männlicher Machen- schaften-was freilich sowohl von den Auto- ren als auch den Autorinnen überraschend mitfühlend dargestellt wird -und bedürfen des herausragenden männlichen Helden, um in dieser Welt zu über1eben.m Trotzdem lässt sich beobachten, dass dort Mutter und Tochter immer noch ein enges Vertrauens- verhältnis zueinander besitzen und sich dadurch gegen die Gefahren der Gesellschaft

Winter 2002 

zu wehren verstehen. Die mhd. Epen, höfi- schen Romane und didaktischen Texte ent- warfen dagegen erheblich stabilere Bezie- hungen zwischen Mutter und Tochter und räumten den Frauen zugleich ein beträcht- liches politisches Gewicht ein, wenn sie am gleichen Strang zogen und gemeinsame Entscheidungen trafen. Die Verurteilung Kriemhilds durch Hagen und somit auch durch den anonymen Dichter des Nibelungenliedszeigt an, wie sehr die erstere inner- halb ihrer Gesellschaft an Macht gewonnen und damit die Männenvelt verunsichert hat- te, was sich spätestens seit dem 16.Jahrhundert als das entscheidende Argument gegen Frauen insgesamt herausschälte: "Having lost their claim to dominance (Herrschaft) within marriage, such men turned to physi- cal violence and besmirchmg the public ho- nour oftheir wives as a means of restoringor- der to the xnarriage."6l Nicht von ungefaihr entwickelte sich aber erst im Spätmittelalter die heftig geführte "quereiie des fernmes," weil ab dieser Epoche die traditionellen Ge- schlechtsnormen und -rollen in Frage gestellt bzw. neuorgansiert wurden.@ So inti-me, von öffentlicher und privater Macht getragene Beziehungen zwischen Mutter und Tochter, wie sie unsdie mhd. Dichter vor Au- gen führen, wurden daher in der Literatur des 15. und 16. Jahrhunderts nicht mehr projiziert, statt dessen begegnen wir zuneh- mend rnisogyngestalteten Dialoggedichten, in denen die Mutter ihre Tochter darüber aufklärt, wie die Männer sexuell verfUhrt und ausgebeutet werden können.63 Es wäre zwar sehr zu bezweifeln, dass im Hochmit- telalter stets eitle Freude und Zufrieden- heit innerhalb der Familie bnv. zwischen Mutter und Tochter herrschte (siehe 2.B. Leben der Gmfin Yolan.de von Viunden),dennoch haben die Dichter fast nirgends von enisthaften Spannungen, Aggressionen und Perversionen berichtet und statt dessen überwiegend von einer ganz besonderen Gemeinschaft der Frauen berichtet, in der die ältere sorgsam darum bemüht ist, der jüngeren Hilfestellung zu geben, sie in die GesehhaR einzuführen und Schutz zu ver-

mitteln, soweit es im Bereich ihrer Möglichkeiten lag.@

Anmerkungen

'Bernd Sprenger, Das Geld der Deutschen. Geldgeschichte Deutschlands von den Anfan- gen bis zur Gegenwart (Paderborn: Schöningh, 1991);Gerhard Dohrn-van Rossum, History of the Hour. Clocks und Modern Temporal Or- ders. Transl. Thomas Dunlap (Chicago: U of Chicago P, 1996);Kulturthema Fremdheit. Leit- begriffe und Problemfelder kulturwissenschaft- licher Fremdheitsforschung. Hg. Alois Wier- lacher (München: iudicium, 1993);Shulamith Shahar, Kindheit im Mittelalter. Deutsch von Barbara Brumm (München: Artemis & Winkler, 1991);Jarnes A. Schultz, The Knowledge of Childhood in the German Middle Ages, 1100- 1350 (Philadelphia: U of Pennsylvania P, 1995); Haiko Wandhoff, Der epische Blick. Eine me- diengeschichtliche Studie zur höfischen Litera- tur (Berlin: Erich Schmidt, 1996); Maria E. Müller, Jungfiulichkeit in Versepen des 12. und 13.Jahrhunderts (München: Fink, 1995); Food in the Middle Ages. A Book of Essays, ed. Melitta Weiss Adarnson (New York: Garland, 1995);Animals in the Middle Ages. A Book of Essays, ed. NonaC. Flores (NewYork: Garland, 1996);Arno Borst, Lebensformen im Mittelalter (Frankfixt a.M: Ullstein, 1973);Joachim Bum- ke, Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 2.Aufl. (München: DTV, 1986). Siehe dazu auch Gerd Althoff, Hans- Werner Goetz, Ernst Schubert, Menschen im Schatten der Kathedrale. Neuigkeiten aus dem Mittelalter (Dannstadt: Wissenschaflliche Buch- gesellschafi, 1998).Diese Liste ließe sich ohne weiteres wesentlich verlängern.

2Das Mittelalter. Ein Lesebuch zur deutschen Geschichte 800-1500. Hg. von Rainer Beck. 2. Aufl. (München: Beck, 1997);zum "Medieva- lism" siehe Mittelalter-Rezeption V.Gesammelte Vorträge des V. Saltburger Symposions (Burg Kaprun, 1990), hg. Ulnch Müller und Kathleen Verduin (Göppingen: Kümmerle, 1996).

3Clarissa W. Atkinson, The Oldest Votation. Christian Motherhood in the Middle Ages (Ithaca: CorneU University Press, 1991);Sanctity und Motherhood. Essays on Holy Mothers in the Middle Ages, ed. Anneke B. Mulder- Bakker (New York: Garland, 1995).

4Siehe aber auch Nikki Stiller, Eve's Or- phans: Mothers und Daughters in Medieval English Literature (Westport, Conn.: Green- wood Press, 1980).

5Siehe zuletzt Birgit Kochskärnper, "Die ger- manistische Mediävistik und das Geschlechts- verhältnis. Forschungen und Perspektiven," Germanistische Mediävistik, hg. Volker Hone- mann und Tomas Tomasek. 2.,durchgesehene Aufl. (Münster: Lit Verlag, 2000) 309-52.

6Lydia Miklautsch, Studien zur Mutterrolle in den miäelhhdeut-schen Gmßependesauölften unddreizehnten Jahrhunderts (JMargmPalm & Enke, 1991);Ann Marie Rasmussen, Mothers und Daughers in Medieval German Literature (Syracuse: Syracuse UP, 1997).

'Siehe z.B. Elizabeth Debold, Marie Wilson, Idelisse Malave, Mother Daughter Revolution. From Betrayal to Power (Reading, MA: Addison-Wesley,1993);Molly Walsh Donovan, "De- meter and Persephone Revisited: Ambivalence and Separation in the Mother-Daughter Rela- tionship," The Mother-Daughter Relationship. Echoes Through Time, ed. Gerd H. Fenchel (Northvale, NJ: Jason Aronson, 1998) 135-48.

BSusan Koppelman, Between Mothers und Daughters: Stories Across a Generation (Old Westbury, NY: Feminist Press, 1985);Patricia Bell-Scott, Double Stitch: Black Women Write about Mothers und Daughters (Boston: Beacon Press, 1991);Heidy Margrit Müller, Töchter und Mütter in deutschspmchiger Enählprosa von 1885 bis 1935 (München: iudicium, 1991);Susanne Carter, Mothers and Daughters in American Short Fidion: an Annotated Bibliog- raphy of Twentieth-Century Women's Litera- ture (Westport, CT: Greenwood Press, 1993);Janet Burstein, Writing Mothers, Writing Daughters: Tracing the Maternal in Stories by Arnerican Jewish Women (Urbana: U of Illinois P, 1996).

9Katharina Aulls, Verbunden und gebunden. Mutter-Tochter-Beziehungen in sechs Roma- nen der siebziger und achtziger Jahre (Frank- furt a.M.: Peter Lang, 1993) 10.

lopatricia Ann Quattrin, "The Milk of Christ: Herzeloyde as Spiritual Symbol in Wolfram von Eschenbach'sPanival," Medieval Mother- ing, ed. John Carmi Parsons, Bonnie Wheeler (New York: Garland, 1996) 25-38.

llBarbara A. Hanawalt, "Female Networks

for Fostering Lady Lisle's Daugthers," Medie-

val Mothering, 239-58;sie beobachtet überra- schend viele Fälle, in denen sich enge Freund- schaften zwischen Stiefmüttern und Pflege- müttern einerseits und den jungen Frauen an- dererseits entwickelten; für die Situation im spätmittelalterlichen Deutschland siehe Albrecht Classen, "Female Explorations of Liter- acy: Epistolary Chailenges to the Literary Can- on inthe Late Middle Ages," Disputatio 1(1996): 89-121.

l2Sie nennt dies "the social and cultural con- strudion of categories such as motherhood and daughterhood through which we attempt to grasp a sense of self' (7).

l3Miklautsch 11; siehe dazu meine Rezension in:Mediaevistik 6 (1993): 40203; zur Mentali- tätsgeschichte siehe Peter Dinzelbacher, Hg.,

Eumpäische MentalWgeschichte. Hauptthemen

in EiluehtelZungen (Stuttgart: Kröner, 1993).

l4Miklautsch 263.

15Miklautsch 257: "Will die Mutter den Sohn fur sich behalten, so bedeutet das eine Perver- tierung des Helden und die Mutter wird für ihr Verhalten scharf kritisiert.''

16Angela Mielke-Vandenhouten, Gmfentochter-Gottesbraut. Konflikte zwischen Familie und Frömmigkeit in Bruder Hermanns Leben der Gräfin Yolande von Vianden(München: Fink, 1998) 181-97; sie weist u.a. auch auf be- merkenswerte Beziehungen zwischen Yolande und Hartmanns von Aue "Der arme Heinrich" hin, wo die Mutter des namenlosen Mädchens mit starken Farben gezeichnet wird.

l7Beispielsweise gibt es bei Elisabeth Frenzel, Motive der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungs- geschichtlicher Längsschnitte. 4., überarbeite- teundergänzteAufl. (Stuttgart: Kroner, 19971, keinen diesbezüglichen Eintrag.

'8 Rasmussen, 19, konstatiert: "I take a simi- lar approach in the first half of this book, link- ing the mother-daughter configurations in epic texts with the organization of kin and the allocation of power in the medieval aristocracy of twelfth- and thirteenth-century Europe."

19Jarnes A. Schultz, The Knowledge of Child- hood, 1995.

20Siehe 2.B. Theodor Nolte, Das Kudrunepos -Ein Frauenroman (Tübingen: Niemeyer, 1985); siehe auch die verschiedenen Beiträge zu Der fkauwen buoch. Versuche zu einer femi- nistischen Mediävistik. Hg. von Ingrid Benne- witz (Gdppingen: Kümmerle, 1989).

21Joan M. Ferrante, To the Glory of Her Sex. Women's Roles in the Composition of Medieval

Texts. (Bloomington: Indiana UP, 1997) 135.

22 Ausführlich hat sich nun damit Angela Miel- ke-Vandenhouten in Grafentochter -Gottesbraut beschäftigt; siehe Anm. 16.

23 Women asProtagonists und Poets in the Ger- man MiddkAges. AnAnthology ofFeministAp- proaches to Middle High German Literature, ed.

Albrecht Classen (Göppingen: Kümmerle, 1991);Manlfchiu W$, wfplkh man. Zur Kon- struktion der Kategorien "KörperJ' und "Geschlecht" in der deutschen Literatur des Mittel- alters. Hg. Ingrid Bennewitz und Helmut Ter- vooren (Berlin: Schmidt, 1999).

24Mielke-Vandenhouten, 197; siehe auch Jo- seph M. Sullivan, "Brother Hermann's Zolande: A Tale of Ideal Female Spirituality," Monatshefte 90.2 (1998): 161-75.

25Urban Küsters, "Klagefiguren. Vom höfi- schen Umgang mit der Trauer," Gert Kaiser, Hg., An den Grenzen der höfischen Kultur. Anfechtungen der Lebensordnung in der deut- schen Erzähldichtung des hohen Mittelalters

(München: Fink, 1991) 9-75.

26Ulrich Müller, "Neidharts Pastourellen der 'ManessischenHanM. Unechter 'Schmutz' oder die Kehrseite der Medaille?," James F. Poag, Thomas C. Fox, Hgg., Entzauberung der Welt. Deutsche Literatur 1200-1500(Tübingen: Francke, 1989) 73-88, hier 84-85

27 Hartmannvon Aue, Derarme Heinrich. Hg. von Hermann Paul. 16., neu bearbeitete Aufl. besorgt von Kurt Gärnter (Tübingen: Niemey- er, 1996), V. 629-854. Die Mutter betont aus- drücklich, dass der Tod ihres Kindes den Tod für sie bedeuten würde: "dii wilt iedoch uns beiden i daz leben vaste leiden. / daz din vater unde ich i gerne leben, daz ist durch dich'' (V. 649- 52).

28Wernher der Gartenaere, Helmbrecht. Hg. Friedrich Panzer und Kurt Ruh. 10. Aufl. be- sorgt von Hans-Joachim Ziegeler (Tübingen: Niemeyer, 1993).

29Das Nibelungenlied. Nach der Ausgabe von Kar1 Bartsch, hg. von Helmut de Boor. 13. neu bearbeiteteAufl. (Wiesbaden: Brockhaus, 1956); siehe die sehr theoriebeladene und damit 2.T. auch spekulative Studie von Jerold C. Frakes,

Brides und Doom. Gender, Property, und Power in Medieval German Women's Epic (Philadelphia: U of Pennsylvania P, 1994); sehr kritisch dagegen Winder McConnell in seiner Bespre- chung, in: The Medieval Review 17 March 1998

(~http://www.hti.umich.edu/cgi~t/trnrltmr-idx? 
type=HTML&byte=8481737&collection=BM 

MR&fontstyle=&ql= 1998&q2=&q3=/,), und Albrecht Classen, Zeitschrift für deutsche Philologie 117.1 (1998): 112-15. Frakes zwingt die Textauslegung so stark, umsie seinem theo- retischen Paradigma unterzuordnen, anstatt andershemm aus der Textanalyse eine Theorie abzuleiten.

30Otfrid Ehrismann, Nibelungenlied. Epoche -Werk -Wirkung (München: Beck, 1987) 201-07; Diu Klage, mittelhochdeutsch -neuhochdeutsch. Einleitung, Übersetzung, Kom- mentar und Anmerkungen von Albrecht Clas- sen (Göppingen: Kümmerle, 1997); Marten Brandt, Gesellschaftsthematik und ihre Dar- stellung im Nibelungenlied und seinen hoch- mittelalterlichen Adaptatwnen (Frankfurt a.M.: Peter Lang, 1997) 217-26.

31 Susann Samples, "Maternd Loyalty in the Nibelungenlied and Kudrun," Von Otfried von Weißenburg bis zum 15. Jahrhundert. Pmeed- ings from the 24th International Congress on Medieval Studies, May 4-7, 1989, ed. Albrecht Classen (Göppingen: Kümmerle, 1991) 103-12.

32Miklautsch 262. 33Albrecht Classen, "Transportation of Dreams to Reality in Middle High German Narratives,"

Shifts und Transpositions in Medieval Narrati- ves. A Festschrift for Dr. Elspeth Kennedy. Ed. Karen Pratt (Cambridge: D. S. Brewer, 1994) 109-20.

34 Frakesentwickelt die folgende These:"Kriemhild,alongwith (the offer 00a substantial dowry, is bartered toSiegfried and placed under his ab- solute authority by her brothers as 'payrnent' [...I for his Service to Gunther in deceiving and physically assaulting and subduing Brünhildn (66). Wenngleich im Detail wohl vordergründig zutreffend, mißachtet diese Interpretation völ- lig die Vorgeschichte der Eheschließung und die Reaktion Kriemhilds in dieser Situation, die sich als sehr beglückt angesichts des Ehepart- ners Siegfried zeigt (614, 4ff.1, in den sie sich schon bei der ersten Begegnung verliebt hatte (293); vgl. dazu 0.Ehrismann,Nibelungenlied,

128.

35Vgl. dazu Bmder Hermanns Leben der Grä- fin Yolande von Vianden vom Ende des 13. Jahrhundert; siehe dazu Mielke-Vandenhou- ten, Grafentochter-Gottesbraut, 181-82; sie- he auch Christine de Pizan, The Treasure of the City of Mies or the Book of the Three Virtues.

Trans. with an Introduction by Sarah Lawson (London: Penguin, 1985) Kapitel 14: "how the wise princess will carefully watch over the wel- fare and upbringing of her children."

36Albrecht Classen, "Das heroische Element im Nibelungenlied -Ideal oder Fluch?, Ir sult sprechen willekornen. Grenzenlose Mediävis- tik. Festschriftfür Helmut Birkhan zum60.Geburtstag,hg. von Christa Tuczay, Ulrike Hirha- ger und Karin Lichtblau (Bern: Peter Lang, 1998) 673-92.

37 Rasmussen 73: "Her skepticism suggests a will toseek her own path, a will toward self-def- inition, a resistance to the patriarchal order." Wie die Autorin aus Kriemhilds Aussage, "ich so1 si miden beide, sone kan mir nimmer missegh" (17, 4) eine Kritik am Patriarchat ablesen kann, bleibt unersichtlich.

38Das gleiche Phänomen trifft auch auf Si- glint in Xanten zu, die sich in ihrer Liebe zu Siegfried erschöpft, siehe z.B. 51, 2-3.

39 FürRasmussen ergibt sich eine ganz andere Sichtweise, denn sie trennt die Politik nicht von der intimen Familienbeziehung: "the very Sentiment Uote expresses [...I demonstrates how far removed she is from the political reali- ties of her court and her family" (83). Das eine schließt freilich keineswegs das andere aus, denn selbst ihr Bmder Giselher drängt sie dazu, sich erneut zu verheiraten, was gar nicht dadurch motiviert ist, dass er seine Schwester als Gefahr für die politische Stabilität des Ho- fes verdrängen möchte.

40 Rasmussen 83.

41 Rasmussen 83; Frakes 66-67, gesteht zwar zu, dass Kriemhild "has some small measure of independence" in ihrer Eheentscheidung hin- sichtlich Etzels, aber da er nirgends die Bezie- hung zwischen Mutter und Tochter berück- sichtigt, begrenzt er seine Sichtweise unzuläs- sig auf die Machtfaktoren, ignoriert also die menschliche Dimension, die die zwei Frauen so eng miteinander verbindet und ihnen einen ei- genständigen Lebensbereich gewährleistet.

42 Frakes 49, ignoriert dieses Phänomen völlig und plädiert radikal dafür, die Beziehung zwi- schen Frauen im heroischen Lied als einen Wettkampf zu bezeichnen, der von den Vertre- tern des Patriarchats gewissenlos ausgenützt wird.

43Kwirun, hg. von Kar1 Bartsch. 5. Aufl., überarbeitet und neu eingeleitet von Kar1 Stackmann. Deutsche Klassiker des Mittelal- ters (Wiesbaden: Brockhaus, 1965) 1672,l.

Kudrun sagt an entscheidender Stelle zu

44Kudrun sagt an entscheidender Stelle zu Hartmut: "ich muoz mit iu, Hartmuot, sunder- sprachen W./ daz so1 niemen hoeren wan ich unde ir eine." (1634, 2f.l; vgl. Rasmussen 109. Sie schätzt aber bald darauf, obwohl sie sich da- mit sebst zu widersprechen droht, völlig richtig das Verhältnis zwischen Hilde und Kudrun ein: "What is unusual about Kudrun is rather the existente of the exemplary mother figure, hol- ding and wielding power in a construcitve and just manner, who passes that power to her daughter. . ." 111.Vgl. dazu die scharfsinnigen Interpretationen von Winder McConnell, The Epic of Kudrun. A Critical Commentary (Göppingen: Kümmerle, 1988) 89.

45Vgl. Eckart Loerzer, Eheschließung und Werbung in der "Kudrun" (München: Beck, 1971) 13240.

46Rasmussen, 100; vgl. dazu Emotionalität. Zur Geschichte der &fühle, hg. Von Claudia Benthien, Anne Fleigund Ingrid Kasten (Köln: Böhlau, 2000); für weitere Beispiele der inten- siven emotionalen Beziehung zwischen mittel- alterlichen Müttern und ihren Kindern siehe Susanne Friede, "Alexanders Kindheit in der französischen Zehnsilberfassung und im Roman d'Alwndre: Fälle 'literarischer Nationa- lisierung' des Alexanderstoffs," Akmnderdichtungen in Mittelalter, hg. von Jan Cölln et al. (Göttingen: Wallstein, 2000) 82-136, beson- ders 123-31.

47 Gottfried von Straßburg, Tristan. Nach dem Text von Friedrich Ranke neu herausgegeben, ins Neuhochdeutsche übersetzt, mit einem Stellenkommentar und einem Nachwort von Rüdiger Krohn (Stuttgart: Reclam, 1980).

48Hans Conrad Peyer, Von der Gastfreund- schaft zum Gasthaus. Studien zur Gastlichkeit im Mittelalter (Hannover: Hahnsche Buch- handlung, 1987); vgl. dazu Diu Klage, 3620f.

49Rasmussen 129f., stellt eine Reihe von kon- troversen und provozierenden Thesen auf, die feministisch begründet sind und im einzelnen genauer durchleuchtet werden müssten. Dafür steht hier nicht der Raum zur Verfügung, es sei nur soviel angemerkt, dass ihre Interpretation gefährlich ideologisch gestaltet ist und mehr in den Text hineinliest, als er es rechtfertigen würde. Eine Aussage wie: "What Queen Isolde appears to want for her daughter is a love that ensures the stability of patriarchal society" (130)ist so plakativ gestaltet, dass man sie ent- weder unhinterfragt stehen lässt und akzep- tiert, oder ausfuhrlichst anhand von vielen De- tails das Gegenteil beweisen müsste, was hier leider nicht möglich ist.

50 W. T.H. Jackson, The Anatomy ofhve. The Tristan of Gottf+d von Stmsburg (New York: Columbia UP, 1971) beobachtet, dass die Mut- ter, allein schon durch ihre Gegenwart, "inhi- bits young Isolde," (82) den Mord an Tristan zu begehen. Außerdem triumphiere die "wipheit" derjungen Isolde über ihren Hass (83), was sich auch anhand von Blanscheflur, der Königin Isolde und Brangaenge beobachten lässt.

5lAlbrecht Classen, "Matriarchy versus Patri- archy: The Role of the Irish Queen Isolde in Gottfried von Straßburg's 'Tristan'," Neophilologus 73 (1989): 77-89; Marion Mälzer, Die Zsolde-Gestalten in den mittelalterlichen deut- schen Tristun-Dichtungen. Ein Beitrag zum di- achronischen Wandel (Heidelberg: Carl Winter, 1991); aus rechtshistorischer Sicht Rosemary Norah Combridge, Das Recht im 'Tristan1Gott- frieds von Strassburg. 2. uberarb. Aufl. (Berlin: Schmidt, 1964) 64-79.

52 Dazu Otfrid Ehrismann, "Isolde, der Zau- ber, die Liebe -der Minnetrank in Gottfrieds Tristunzwischen Symbolik und Magie," Ergebnisse und Aufgaben der Germanistik am Ende des 20. Jahrhunderts. Festschrift für Ludwig Erich Schmitt zum 80. Geburtstag,hg. von Eli- sabeth Feldbusch (Hildesheim: Olms-Weid- mann, 1989) 282-301.

53 Ehrismann, "Isolde, der Zauber," 292. Sie- he dazu Alois Wolf, Gottfried von Strassburg und die Mythe von Tristan und Zsolde (Darm-Stadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1989) 179-190.

54Miklautsch 256f., gelangt zwar zu ähnli- chen Einsichten, konstatiert aber bloß das Phänomen, ohne weitere Konsequenzen da- raus zu ziehen.

55 Horst Wenzel, "'Kindes zuht undwibes reht'. Zu einigen Aapekten von Kindheit irn Mittelalter," HansJürgen Bachorski, Hg., Ordnung und Lust. Bilder von Liebe, Ehe und Sexualität in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. (Trier: WissenschaftlicherVerlag, 1991) 141-163, hier

150.

56 Johannes von Tepl, Der ackermann, hg. von Willy Krogmann. Zweite Aufl. (Wiesbaden: Brockhaus, 1964) Kap. M, 108; vgl. dazu: Jo- hannes de Tepla Civis Zacensis: Epistola cum Libello ackerman und Das büchlein ackerman. Nach der Freiburger Hs. 163 und der Stuttgar-

Rasmussen 129f., stellt eine Reihe von kon- troversen und provozierenden Thesen auf, die feministisch begründet sind und im einzelnen genauer durchleuchtet werden müssten. Dafiir steht hier nicht der Raum zur Verfügung, es sei nur soviel angemerkt, dass ihre Interpretation gefährlich ideologisch gestaltet ist und mehr in den Text hineinliest, als er es rechtfertigen würde. Eine Aussage wie: "What Queen Isolde appears to want for her daughter is a love that ensures the stability of patriarchal society" (130)ist so plakativ gestaltet, dass man sie ent- weder unhinterfragt stehen lässt und akzep- tiert, oder ausfiihrlichst anhand von vielen De- tails das Gegenteil beweisen müsste, was hier leider nicht möglich ist.

50 W. T. H.Jackson, The Anatomy oflove. The Tristan of Gottfned von Strassburg (New York: Columbia UP,1971) beobachtet, dass die Mut- ter, allein schon durch ihre Gegenwart, "inhi- bits young Isolde," (82) den Mord an Tristan zu begehen. Außerdem triumphiere die "wipheit" der jungen Isolde über ihren Hass (M),was sich auch anhand von Blanscheflur, der Königin Isolde und Brangenge beobachten lässt.

51Albrecht Classen, "Matriarchy versus Patri- archy: The Role of the Irish Queen Isolde in Gottfried von Straßburg's 'Tristan'," Neophilologus 73 (1989): 77-89; Marion Mälzer, Die Zsolde-Gestalten in den mittelalterlichen deut- schen Tristan-Dichtungen. Ein Beitrag zum di- achronischen Wandel (Heidelberg: Carl Winter, 1991); aus rechtshistorischer Sicht Rosemary Norah Combridge, Das Recht im 'Tristan' Gott- frzeds von Strassburg. 2. überarb. Aufl. (Ber- lin: Schmidt, 1964) 64-79.

52 Dazu Otfrid Ehrismann, "Isolde, der Zau- ber, die Liebe -der Minnetrank in Gottfrieds Tristanzwischen Symbolik und Magie," Ergebnisse und Aufgaben der Germanistik um Ende des 20. Jahrhunderts. Festschrift für Ludwig Erich Schmitt zum 80. Geburtstag,hg. von Eli- sabeth Feldbusch (Hildesheim: Olms-Weid- mann, 1989) 282-301.

53 Ehrismann, "Isolde, der Zauber,'' 292. Sie- he dazu Aiois Wolf, Gottfrzed von Strassburg und die Mythe von Tristan und Zsolde (Darm-Stadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1989) 179-190.

"Miklautsch 256f., gelangt zwar zu ähnli-

InMemoriam 
Gezavon Mol-(1932-2001) 

We deeply mourn the loss of Geza von Mol&, who died on July 27th, 2001. A widely recognized and much-admired figurein Ger- man Studies, his work opened up irnportant new perspectives on the relation between lit- erature and philosophy in the age of Goethe. Much of his remarkable energy as a scholar, teacher, and citizen of the academic commu- nity wasalsodevoted toexploring the rnany cultural accomplishrnents and the singular politicalcatastrophe of German Jewry. Since 1963, he was a faculty member of North- western University;after teaching for a year at Dartmouth College in the 1970s, he returned toNorthwestern, serving as ch& of the Department of German for ten years. In the late 1980s he established Northwestern's Graduate Program in Gerrnan Literature and Critical Thought, while founding and di- recting the Undergraduate Program in Eu- ropean Thought and Culture.

Born inLeipzigin 1932 of Hungarian and Jewish-Gerrnan ancestry, G6za grew up in Nazi Germany In 1938 his mother lef't for a concert tourwith the NBC Orchestra at Radio City Music Hall and remained in the States during the War.As the Nazi regime in- tensified its temr, his father sent him to a Hungarian boarding school. He credited his unlikely survival to a loyal governess arid a

Comments
  • Recommend Us