Die Konstruktion der wilden Frau: Christa Wolfs Roman "Medea. Stimmen" als postkolonialer Text

by Sabine Wilke
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Title:
Die Konstruktion der wilden Frau: Christa Wolfs Roman "Medea. Stimmen" als postkolonialer Text
Author:
Sabine Wilke
Year: 
2003
Publication: 
The German Quarterly
Volume: 
76
Issue: 
1
Start Page: 
11
End Page: 
24
Publisher: 
Language: 
English
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Abstract:

SABINEWILKE

University of Washington

Die Konstruktion der wilden Frau: Christa Wolfs Roman Medea. Stimmen als postkolonialer Text

Uber diesen Roman Christa Wolfs wurde bereits jahrelang in der Presse gemunkelt und das Ereignis seines Erscheinens 1996 hat dann, wie zu erwarten war, Wellen ge- schlagen in der journalistischen Literatur- kritik (siehe hierzu Wilke, Ist denn alles so geblieben, wie es fruher war?). Bereits wäh- rend Wolfs Aufenthalt imGetty-Museum nörd- lich von Los Angeles, wo sie sich nach der pub- lizistischen Kampagne gegen Was bleibt für eine Weile zurückgezogen hatte, war davon die Rede, dass sie an einem Medea-Roman arbeite (siehe die Beiträge in Hochgeschurz). Es waren und sind in erster Linie drei Kon- texte, die die Rezeption dieses Romans be- stimmt haben. Seit Moskauer Novelle (1959) und dann verstärkt seit dem "Durchbruchs- text" Der geteilte Himmel (1964) hat sich Wolf mit verschiedenen Aspekten und der historischen Dimension von Weiblichkeit li- terarisch auseinandergesetzt und so nimmt es nicht Wunder, dass auch dieser Text-ihr erster literarischer Text nach der Wende in der DDR-die Lebensbedingungen einer au- ßergewöhnlichen Frauengestalt in den Mit- telpunkt stellt. Nun sind aber die Umstände Medeas in Kolchis oder auch später in Korinth nicht ohne weiteres zu vergleichen mit denen Rita Seidels im geteilten Deutschland der sechziger Jahre oder mit Christa T.s Ver- suchen der Selbstfindung in der Aufbaupha- se der DDR oder gar mit den schwierigen künstlerischen Versuchen der schreibenden Frauen in der Romantik, deren Probleme Wolf Ende der siebziger Jahre literarisch ge- staltet hat. Medea hat dann eher noch etwas gemeinsam mit der Rekonstruktion einer anderen mythischen Figur und klassischen Konstellation, die Wolf 1983 in Kassandra vorgenommen und deren Parameter sie in ihrer Poetikvorlesung Voraussetzungen ei- ner Erzählung: Kassandravorgestellt hat.

Hiermit ist der zweite Kontext benannt, der die literaturkritische Rezeption von Medea. Stimmen ausgemacht hat: nämlich der Hinweis auf die Arbeit am Mythos, die Wolf in diesem Buch-in Anlehnung oder auch in Abstand zu Kassandra-, das werden wir noch zu eruieren haben-geleistet hat (siehe hier exemplarisch Fries). Bereits in der lite- raturwissenschafllichen Diskussion um Kassandra war die für Wolfs Poetik bezeichnen- de Verknüpfung von Mythenkritik und Fe- minismus zur Sprache gekommen. In Anlehnung an Wolfs eigene Lektüre, die die Klassiker des französischen, poststrukturell gefärbten Feminismus wie auch der literari- schen Mythenverarbeitung, allen voran Thomas Mann, eingeschlossen hat, hat die Diskussion in der Sekundärliteratur immer wieder Wolfs eigenwillige Interpretation der klassischen Texte hervorgehoben, die von heu- te aus und-bewaffnet mit modernen psycho- logischen Kenntnissen-gegen den Strich gebürstet wurden, wobei eine ganz neue Sicht auf mythologische Figuren frei gelegt wurde. Im Prinzip hat die Literaturkritik jedoch le- diglich das wiederholt, wenn auch auf kom- plexereArt,was Wolf in der dritten und vier- ten Poetik-Vorlesung angedeutet hat. Im Medea-Roman greifl Wolf wieder auf diese eigenwillige Methode der modernen Umin- terpretation alten Materials zurück. In dem Arbeitsheft zur Entstehung von Medea. Stimmen berichtet Wolf von dem Zufall des Kontaktes mit der Basler Altertumswissen-

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schaftlerin Margot Schmidt und deren Be- hauptung, "daß erst Euripides der Medea den Kindermord zuschreibt, während ande- re, frühere Quellen Rettungsversuche der Medea für die Kinder schildern, unter ande- rem, indem sie die Kinder ins Heiligtum der Hera bringt, 'wo sie sie geschützt glaubt, doch die Korinther töten sie"' (Wolf, Hier- zulande. Andernorts166).Von einer leicht verschobenen Position aus beleuchtet, wie Gudrun Loster-Schneider überzeugend fest- stellen konnte, versucht Medea-im Gegensatz zu KassandraAe Auseinanderset- zung mit neuerer feministischer Theorie sowie auch neueren Positionen in der allge- meinen Kulturtheorie: "Innovatorischen Anspruch gegenüber vorgängigen Reprisen er- hebt der Roman noch über eine zweite und für genderspezifische Interessen besonders attraktive Technik: Er überschreibt ältere mit neuerer feministischer Theorie und bin-

det das Ganze rück und ein in den 'Chor' all- gemeiner Kulturtheorien" (232). Mit ande- ren Worten, in Medea reflektiert Wolf auf die Entwicklungen innerhalb der feministi- schen Theorie seit den achtziger Jahren, die mit den Positionen der gender-Theorie und den Herausforderungen der postkolonialen Kritik sich auseinandergesetzt hat, und ver- gleicht diese zwei Folien sozusagen vor dem Hintergrund der klassischen Tradition. Dies ist ein hochinteressanter und in eine ganz neue Richtung weisender Gedanke, auf den ich in meinem Aufsatzirn Kern noch mehr- fach zu sprechen kommen werde.

Der dritte Kontext, unter dessen Zeichen Medea in der Literaturkritik rezipiert wurde, ist die Nähe und Relevanz des Romans vis-a-vis des Zeitgeschehens, insbesondere den zur Produktion dieses Textes zeitgleich stattfindenden Transformationsprozessen, die die sozialistisch und zentralistisch-auto- ritär gepragte Gesellschaft in der früheren DDR in eine moderne, nach westlichen Kri- terien gebaute Demokratie umwandeln soll- ten (siehe hier exemplarisch Fuhrmann). Dieser Interpretationsrahmen basiert aller- dings auf einer allegorischen Lektüre von isolierten Einzelelementen des Romans, die

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nicht ohne weiteres ein Gesamtbild ergibt und methodisch auf unsichereren Füßen steht als die Feminismus- und Mythenkritik, die sich beide mit strukturellen Paradigmen des Textes auseinandersetzen. In der Allego- rie ist die Parallele von Kolchis mit der DDR und Korinths mit der Bundesrepublik he- rausgearbeitet und Wolf eine Position in der Diskussion um die deutsch-deutsche Verei- nigung unterschoben worden, die nicht im- mer sauber von der ästhetischenhalyse des Textes abgeleitet wurde. Ich möchte diesen Interpretationsansatz hier nur der Vollstän- digkeit halber erwähnen, aber in meinem Argument nicht weiterverfolgen und mich um eine strukturelle Analyse der Textmus- ter bemühen.

Mir geht es in erster Linie um die Auffä- cherung von breiteren Interpretationsmög- lichkeiten dieses Romans und die Erschlie- ßung einer bisher ungenannten, aber mei- nes Erachtens zentralen Perspektive, näm- lich der Lektüre von Medea. Stimmen im Zusammenhang mit der Frage: was leistet dieser Roman für die kulturtheoretische Diskussion um die gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen des Postkolonialis- mus, wie sieimmer noch zaghaft, aber mittlerweile doch sporadisch geführt-so- gar im deutschsprachigen Kulturraum statt- findet. Meines Erachtens können an Hand der Lektüre ausgewählter Stimmen dieses Romans die Strukturen des Orientalismus in ihrer Komplexität literarisch nachempfun- den und studiert werden. Die Stimme Medeas insbesondere kann als ein Fallbeispiel von Hybridität gelesen werden, wobei ihr Spre- chen überhaupt nur möglich erscheint über die reflexive Spiegelung und komplexe An- eignung des kolonialen Diskurses, der in Korinth geführt wird. Gerade die moderne psy- chologische und feministische Interpretati- on, die Wolf ihrer Figur unterschiebt, bindet meines Erachtens aber Medeaan die Dialek- tik der kolonialen Situation, der sie doch ästhetisch und ideologisch entwunden werden sollte. Hiennit ist Christa Wolfs poetologi- sche Position in die Nähe anderer Schrift- stellerinnen gerückt-ich denke exempla- risch an Ingeborg Bachmann, die immer schon die weibliche Stimme als Teilkon- struktion der männlichen Sprache, etwa in Malina oder "Undine geht," beschrieben hat.

Bevor dieses Argument schrittweise ent- faltet werden soll, möchte ich überlegen, mit welchem Recht Medea. Stimmen überhaupt als ein Text angesehen werden kann, der das Thema des Kolonialismus in seine Struktur mit aufnimmt. Auf der oberflächlichen Handlungsebene findet keine koloniale Er- oberung Kolchis' statt (wie etwa die Erobe- rung Trojas durch die Griechen in Kassandra).Jason und seine Argonauten sind selbst Flüchtlinge einer anderen Art auf der Suche nach dem Goldenen Vließ, und sie verlassen Kolchis durchaus ohne militärischen Ein- &oder anderen gewaltsamen Zu&. Durch Agamedas' Monolog erfahren wir jedoch, dass die Einrichtung des Stadtstaates Korinth selbst auf der kolonialen Eroberung des Landstriches basiert hat, dessen Urein- wohner in dem Korinth Medeas mittlerweile eine ännliche Randexistenz fristen. Agame- da berichtet:

Auf eine unterirdische, nicht nachweisba- re Weise scheint sich das Wissen ihrer Vorfahren auf die späten Nachkommen zu übertragen, das Wissen, daß sie diesen Landstrich von den Ureinwohnern, die sie verachten, einst mit roher Gewalt er- obert haben. (86-87)

Diese Erfahrung, die in der Geschichte des Landes weit zurückliegt, die aber in den Körpern der verachteten, als barbarisch ab- gestempelten sogenannten Ureinwohner eingeschrieben ist, bestimmt nun die Reak- tionsweise der Einwohner Korinths auf diese "Barbaren" und ist Teil der Struktur, die auch ihre Reaktion aufMedea kennzeichnet. Von daher möchte ich behaupten, dass der Roman koloniale Diskurse darstellt und ihre Verstrickung mit Herrschaftsideologien auf- zeigt, wie sie in der zeitgenössischen Diskus- sion kritisch aufgearbeitet werden.

Nach Jhos Riesz zu urteilen, ist die Lite- ratur Europas schlechthin die Literatur ei- nes Kontinents von Kolonisatoren und von daher das Phänomen des Kolonialismus om- nipräsent(13).Es empfiehlt sich also, dass ganze "Be&s-Systeme wie die der 'Ent- deckungs'- und 'Abenteuer'-Literatur" über- prüft werden "und in eine historisch adäqua- te historische Terminologie übersetzt wer- den" (9-10). Das heißt, dass die europäische Literatur, auch die deutschsprachige, die sich nicht vordergründig als eine Literatur von Kolonisatoren begreift,"im Lichte des Kolonial-Phänomens überprüft und ergänzt werden" solle (11).Zeichen dieses omniprä- senten Kolonial-Phänomens sei unter ande- rem die Tatsache, dass Europa den koloni- sierten Völkern immer mit dem Anspruch der Überlegenheit entgegengetreten sei. Diesen Anspruch werden wir an Hand meh- rerer Figuren aus dem Medea-Roman detail- liert verfolgen können, beispielsweise an Hand der Korinther und der Argonauten, die der "primitiveren" Kultur von Kolchis mit Unverständnis, anmaßendem Egozentris- mus und Schauder vor dem Primitiven be- gegnen. Diese schaudervolle Begegnung mit dem primitiveren Volk charakterisiert auch die Begegnung Jasons mit Medea und ihr entspringt die Konstruktion Medeas als der grausamen Frau, für die Medea den "zivili- sierteren" Argonauten gilt. Was wir Jhos Riesz zufolge weiterhin an Hand des literari- schen Umgangs mit dem Kolonial-Phäno- men beobachten können, ist die Tatsache, dass das tatsächliche "Interesse an denüber- seeischen Ländern und seine Darstellung in der Literatur [...I in keinerlei Zusammen- hang mit dem Kolonialsystem [steht], der Eroberung und Ausbeutung der Kolonien," sondern, dass es "literaturirnmanent als irreduktibles ästhetisches Phänomen" er- scheint (22-23).Das bedeutet nun wieder- um, dass das Thema des Kolonialismus in der Literatur ein ästhetisch sich selbst repro- duzierendes Phänomen darstellt, aus dem

sich eine autonome literarische Tradition speist.

Etliche Figuren in Medea sprechen den orientalistischen Diskurs, wie er paradigma- tisch von Edward Said definiert wurde und

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der auf einer angenommenen Machthierar- chie zwischen der europäischen Hegemoni- alherrschaft und der orientalen Kolonialkul- tur beruht-allen voran Jason in seiner Be- gegnung mit der Kultur der Kolcher, aber auch Akarnas in seinen Reflexionen auf Me- dea und die anderen Kolcher. Selbst Medea beherrscht Strukturelemente dieses Diskur- ses und wird so als hybride Figur erkennbar. Zwei Kntikpunkte sind in neuerer Zeit an Saids These vom Orientalismus gerichtet worden. Zum einen ist es die Nichtbeach- tung von Geschlechterdiskursen, die Said von feministischer Seite aus zu Recht vorge- worfen wurde. Zweitens ist es die naive Ein- schätzung Saids zur Rolle Deutschlands im Kontext des europäischen Kolonialismus, die gerade von Germanisten mit Kritik be- dacht wurde. Said zufolge sei der deutsche Orientalismus wegen der fehlenden tatsäch- lichen Eroberung fremder Landstriche und demzufolge eines fehlenden nationalen In- teresses bis zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts in erster Linie ein wissen- schaftliches Phänomen gewesen (vgl. 19). Dem hat Susanne Zantop jüngst vehement widerspochen und auf die zentrale Funktion pre-kolonialer Phantasien hingewiesen.

The shortness of the colonial period, the absence of vocal "colonial subjects" in the German "metropolis" (the lack of a me- tropolis, for that matter), and the prepon- derance of the Holocaust in all post-World War I1 discussions have obscured the sig- nificance of colonial fantasies in the for- mation of German national identity and of race relations within Germany. As I argue, however, the undefined status and the slippery Position of colonial fantasies both inside and outside the canon, inside and outside of texts, and somewhere in between well-defined literary genres-as well as their pervasiveness-make them crucial markers, even agents in cultural history. (Colonial Fantasies 3)

Die pre-kolonialen und kolonialen Phan- tasien stellen Zantop zufolge somit das po- litische Unbewußte der sich formenden Nation dar. Zantop stellt diese These ein-

QUARTERLY Winter 2003

drucksvoll und anschaulich an Hand der Eroberungsliteratur des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts dar, deren rein imaginärer Charakter sich mit dem unter- gnindigen sexuellen Begehren der Erobe- rung des Anderen und somit mit einem Machtdiskurs verbindet. Von daher argu- mentiert Zantop gegen Said, dass es gera- de der Mangel an tatsächlichem Kolonia- lismus war, der vielen Deutschen einen prägenden Wunsch nach kolonialen Besit- zungen eingepflanzt hat (vgl. Colonial Fantasies 7).

Zantop hat über diese Thesehinaus argu- mentiert, dass, was die zeitgenössische Lite- ratur anbetrifft, diese Tatsache der nicht re- flektierten Beziehung der deutschen Kultur und Gesellschaft zur Tradition des europäi- schen Kolonialismus weiterbesteht. Sie be- zieht sich damit auf die These von Katrin Sieg in Bezug auf die Herstellung von kolo- nialen Phantasien im Nachkriegsdeutschland gemäß einer Dreiecks-Struktur:

Colonial fantasies created what Katrin 
Sieg calls a "triangulated communicative 
structure." She defines this as a "theatre 
of identity in which the brown-white rela- 
tionship pivots on an absent third party"; 
in other words: in which an alleged blood 
brotherhood between "Germans" and 
"Indians," for example, or the denunciati- 
on of U.S. im~erialism obscures and dis- 
places an exploration of the genocide per- 
petrated on Jews, the racism extended to 
dark-skinned Ausländer, or Germany's 
share in international corporate expan- 
sionism. (Zantop, "Colonial Legends, 
Postcolonial Legacies" 192) 

Zantops Forschungen über die Geschichte der kolonialen phantasien haben ergeben, dass derartige ~ ~ ~ i über ei- ~ k ~

~ nen nichtvorhandenen Dritten aus früheren kolonialen Wunschvorstellungen rüh- ren, die bis ins achtzehnte Jahrhundert zurückreichen. Was die Nachkriegslitera- tur anbetrifft, können wir bei Christa Wolf (und nicht nur bei ihr) von einem beson- ders komplexen Fall von einer solchen Dreiecks-Vision sprechen, in der die frühe- re DDR-Autorin auf eine (mehr oder weni- ger) "erfolgreiche" Aufarbeitung der deut- schen Kolonialgeschichte in der DDR zu- rückblicken kann (gegenüber einer sehr verzögerten und zögerlichen Bearbeitung im Westen). Wir sehen aber gleichzeitig,

dass diese "bessere" deutsche Aufarbei- tungstradition die Autorin im selben Mo- ment davon abhält, die kolonialen Muster der Entwicklungspolitik der DDR kritisch zu hinterfragen, eine Blindheit, die bereits in dem Kassandra-Projekt von 1983zu er- kennen war. Zantop nennt diese Position "a moral high ground from which the criti- cal German onlooker could analyze the co- lonialism of others, without investigating not just his own complicity in past and pre- sent colonialist endeavors but also the his- torical connections previously outlined" ("Colonial Legends, Postcolonial Legacies" 200). Der Roman Christa Wolfs nimmt meines Erachtens an einer solchen Dreiecks-Struktur teil, indem intentional eine Kritik an dem falschen Rationalis- mus Korinths aus der Perspektive Medeas geleistet wird, ohne aber auf derenverfan- genheit mit dem kolonialen Diskurs Ko- rinths zu reflektieren. Medeaist die hybri- de Figur, die aus Elementen beider Kultu- ren besteht und von daher-unbewusst und ungewollt-an der kolonialen Haltung der Korinther gegenüber den Kolchern und den Ureinwohnern Korinths teilhat, diese Teilhabe aber nicht reflektiert.

Der Begriff der Hyridität ist zu einem Modewort in der modernen Literaturkritik geworden und muss von daher zunächst ein- mal auf seine Geschichte hinterfragt wer- den. Robert J. C. Young leistet dahingehend eine Analyse der historischen Dimension dieses Begriffs. Seiner Forschung nach leitet sich der Be@ Hybridität ursprünglich aus der Pflanzenlehre ab und nimmt erst im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts die Bedeutung der Mischung von Menschenras- sen an (6).Diese semantische Verschiebung hat allerdings schwerwiegende Konsequen- zen. Unter anderem hat sie zur Folge, dass die Verschiedenheit von Menschenrassen nach dem Modell der Verschiedenheit von biologischen Arten denkbar wird. Michail Bachtin sei es gewesen, der den nächsten ge-

danklichen Schritt in der Geschichte des Be- gnffs Hybridität unternommen habe, indem er das Modell der Hybridität auf die Funk- tionsweise der sprachlichen Ebene verscho- ben hat: Hybridität stelltjetzt nicht mehr ein Spezialfall der Rassenmischung dar, son- dern wird zur Bedingung der Möglichkeit von Sprache überhaupt: "Hybridity descri- bes the condition of language's fundamental ability to be sirnultaneously the Same but dif- ferent," wie Robert Young zusammenfasst (20). Diese interne Spur des Anderen, von der die poststrukturalistische Theorie viele Jahre gesprochen hat, sei, Bakhtin zufolge, immer in der Mischung aus zwei (gesell- schaftlichen) Sprachebenen innerhalb einer einzigen Sprachäußerung vorhanden. Dies ist nun der entscheidende gedankliche Schritt, der den Be@ der Hybridität aus seinem biologischen Kontext lösenund zu ei- nem literatur- und kulturkritischen Tenni- nus aufwerten kann. Hier setzt Homi K. Bhabha beispielsweise an mit seiner Def~- tion von Hybridität als das Moment, an dem der koloniale Diskurs seinen eindeutigen Zu- gang zu Bedeutung verliert und sich mit der Spur des Anderen in sich selbst konfrontiert sieht: "For Bhabha, hybridity becomes the moment in which the discourse of colonial authority loses its univocal grip on meaning and finds itself Open to the trace of the language of the other, enabling the critic to trace complex movements of disarrning alte- rity in the colonial text" CYoung22). Dadurch werde, so Young, die Herrschaftsstruktur in der kolonialen Situation potentiell untergra- ben, weil Gleichheit und Verschiedenheit in einer Aussage simultan denkbar werden. Das heisst aber auch, dass-wie auch in der poststrukturalen Theorie herausgearbeitet-alle Texte, die Texte der postkolonialen Diaspora wie auch die Texte der Kolonial- und Rassentheoretiker, dekonstruktive hyb- ride Elemente enthalten, wasYoung zu einer ganz anders gewichteten Kulturtheorie führt:

Culture never stands alone but always participates in a conflictual economy ac- ting out the tension between sameness and difference, comparison and differen- tiation, unity and diversity, cohesion and dispersion, containment and subversion. Culture is never liable to fall into fixity, stasis or organic totalization: the con- stant construction and reconstruction of cultures and cultural differences is fuel- led by an unending internal dissension in the imbalances of the capitalist econo- mies that produce them. (53)

Der der postkolonialen Theorie entnom- mene Begriff der Hybridität führt somit zurück zu einer Position, die den Diskus- sionen um den Poststrukturalismus ent- lehnt ist, obwohl die Tropen der Differenz jetzt nicht mehr sprachlich-philosophischer Natur sind, sondern materielle kul- turelle Praxen aus der Geschichte des europäischen Kolonialismus und Postko- lonialismus bezeichnen.

Wie bereits oben erwähnt, gehen die Zen- tralen Anregungen zu dem Begriff der Hyb- ridität von dem englischen Theoretiker Homi Bhabha aus, der in seinem Buch The Location of Culture aus der Perspektive der postkolonialen Diaspora den Zusammen- hang zwischen Kultur und nationalen politi- schen Interessen reflektiert. Das hybride Moment von politischer Veränderung bei- spielsweise liegt Bhabha zufolge in der Re- artikulation oder auch Übersetzung von Strukturelementen, die weder das eine noch das andere, sondern etwas ganz anderes dar- stellen, das die Bedingung der Möglichkeit beider Territorien bestreitet:

Hybrid hyphenations emphasize the in- commensural elements-the stubborn chunks-as the basis of cultural identifi- cations. What is at issue is the performati- ve nature of differential identities: the re- gulation and negotiation of those spaces that are continually, contingently, "ope- ning out," remaking the boundaries, ex- posing the limits of any claim to a singular or autonomous sign of difference-be it class, gender or race. (Bhabha 219)

Durch die Präsenz solcher Bindestrich- Identitätenverliert der Diskurs der Macht seine hegemoniale Gewalt und es wird jetzt möglich, auf die Produktivität der Ambivalenzen innerhalb des kolonialen Diskurses hinzuweisen. Die Intentionali- tät des kolonialen Diskurses-das Projekt der Konstruktion kolonialer Subjekte als degenerierter Typen auf der Basis ihrer Rassenherkunft mit dem Ziel, eine kolo- niale Infrastruktur einzurichten-tritt in dieser Reformulierung von postkolonialer Theorie in den Hintergrund zugunsten der Relektüre von hybriden Ambivalen- Zen im kolonialen Diskurs selbst. Spuren dieser Hybridität werden wir in den Stim- men Jasons, Akamas' und Medeas' wie- dererkennen. Bhabha geht sogar so weit, gegen die üblich angenommene Funktion von Stereotypisierung zu polemisieren: "Stereotyping is not the Setting up of a false image which becomes the scapegoat of discriminatory practices. It is a much more ambivalent text of projection and in- trojection, metaphoric and metonymic strategies, displacement, over-determina- tion, guilt, aggressivity; the masking and splitting of 'official' and phantasmagoric knowledges to construct the positionali- ties and oppositionalities of racist discour- se" (81-82). Mithilfe dieser so umformu- lierten Kulturtheorie, die die hybriden Elemente in den zentralen Texten des ko- lonialen Diskurses aufspürt und nach de- ren produktiver Funktion fragt, werden wir versuchen, die Stimmen der "Koloni- satoren" in Medea. Stimmen aufzubre

chen. Das Interessante an diesem Roman entpuppt sich in der Tatsache, dass nicht nur die Kolonisatoren zu Wort kommen, sondern auch hybride koloniale Subjekte sprechen-allerdings mit Hilfe des Dis- kurses der Macht. Denn, das wissen wir von Gayatri Spivak, das Subalterne kann nicht selbst sprechen, da es nicht des Dis- kurses mächtig ist (vgl. 104).

Auch in dem Fall von Medea. Stimmen zeigt die von Wolf zitierte Literatur und Kul- turtheorie (griechische und römische Klassi- ker, Elisabeth Lenk, Ingeborg Bachmann, Ren6 Girard, Dietmar Kamper und Adriana Cavarero) in eine theoretische Ausrichtung, die sich, wie bereits angemerkt, gegenüber Kassandra verschoben hat in Richtung Kul- turtheorie. Die beiKassandra noch deutlich spürbare Öffnung des Horizontes der Auto- rin durch die feministische Theorie der sieb- ziger und achtziger Jahrein den Vorlesun- gen war von einem neuen "Seh-Raster" die Rede-weicht jetzt Mitte der neunziger Jah- re einem allgemeineren Interesse an den Konstruktionsprinzipien von Kultur, ohne natürlich das Interesse an den Paradigmen des Geschlechterdiskurses vollkommen auf- zugeben. Der Roman setzt mit derselben Be-

wegung an' wie wir sie von her kennen, d.h. einer phänomenologischen Re- konstruktion einer erwünschten BegegnUng: Statt der Steillernen Löwen, die die Autoriflrzählerin anblicken angesichts des Besuchs der Festung in Mykaene, ist es jetzt die Stimme Medeas, die die Erzählerin vernimmt und die ihr aus der Tiefe der Zei- ten entgegenkommt. Aber dieser Unter- schied der Modalitäten zur ersten Begeg- nung wird nicht produktiv genutzt. Medea gerinnt der Erzählerin sehr schnell zu einem Bild und ist von da ab präsent als die wilde Frau. Auch die moderne feministische, sich auf Kulturtheorie stützende Rekonstruk- tion Medeas, die Wolf vornllnmt, ist immer schon eine der wilden Frau. An der Kinds- mörderin und Brudermörderin wird gezwei- felt, aber die wilde Frau bleibt Teil der Faszi- nation auch der heutigen aufgeklärten Rückschau auf die Mythen, denn Medea ist nur denkbar als Konstrukt des orientalisti- schen Diskurses, den ich im Folgenden syste- matisch durch das Buch hindurch verfolgen möchte. Jasons Stimme ist die des Kolonisators. Er ist zwar ebenfalls Flüchtling in Korinth und es entgeht ihm vieles "in der Wirrnis die- ses Königshauses," in dessen Gewohnheiten er sich schwer einfügen kann (431, aber als zddnftiger Kandidat für die Thronfolge passt er sich der lokalen Kultur so weit wie möglich an. Dazu gehört nicht viel, denn er

beherrscht bereits den kolonialen Diskurs bei seiner Ankunft in Kolchis noch vor der Flucht nach Korinth. Was zunächst als er- sehntes "Wunderland" beschrieben wird, in dem das Schicksal der Argonauten beschlos- sen werden wird (451, wird durch zwei Erfah- rungen qualifiziert, die die Begegnung Ja- sons mit den Kolchern als koloniale Situa- tion auszeichnen: zum einen ist es die Reak- tion Jasons auf die Totenfrüchte der Kolcher und zum anderen die Begegnung mit Medea. Beide Situationen sind durch den Schauder charakterisiert, der den "Zivilisierten" in der Begnungmit dem "Primitiven" auszeichnet.

Aber bis heute kann ich den Schauder spüren, der mich ergriff, als wir das nied- rige Weidengestrüpp am Ufer durchquert hatten und in einen Hain regelmäßig gepflanzter B~~~~gerieten, an denen die entsetzlichsten Früchte hingen. Beutel aus Rinder-, Schaf-, Ziegenfellen umhüll- ten einen Inhalt, der an schadhaften Stel- len nach außen trat: Menschliches Ge- bein, menschliche Mumien waren da auf- gehängt und schwangen im leichten Wind, ein Grauen für jeden gesitteten Menschen, der seine Toten unter der Erde oder in Felsengräbern verschlossen hält. Der Schrecken fuhr uns in die Glie- der. (46)

Dieser Schrecken ist ein wichtiges Struk- turelement des Orientalismus. Es ist der Schrecken der sich überlegen fühlenden Kultur gegenüber der kulturellen Praxen der Unterlegenen. Das Grauen ruft Visio- nen des Archaischen hervor, einer kultu- rellen Stufe, die man als Zivilisierter vor langem überwunden zu haben glaubt und deren Wiederbegegnung ambivalente Ge- fühle zur Reaktion hat. Der Kolonisator Jason verhält sich hier nicht wie der Anthropologe, der das fremde kulturelle Sys- tem strukturalistisch zu erschließen sucht (und von daher das andere System aus sich heraus zu interpretieren versucht), sondern er urteilt ganz aus der Per- spektive des europäischen Eroberers, der sich seiner kulturellen Uberlegenheit un- gefragt sicher ist.

Weiterhin hat das Grauen in der Kon- frontation mit dem Archaischen eine uner- wartete sexuelle Komponente, die sich Jason und seine Argonauten, später auch die Ko- rinther mit "Zauberkraft" erklären. Jason spricht von einem nie gekannten "Ziehen in allen meinen Gliedern, ein durch und durch zauberhaftes Gefühl, sie hat mich verzau- bert" (47), um die Sensation der erotischen Phantasien von der wilden Frau zu erklären. Dieser Zauber wird vermittelt durch den Blick Medeas, der der kalte und manipulati- ve Blick der grausamen Frau in der literari- schen Tradition des Masochismus ist, die auf Leopold von Sacher-Masochs Novelle "Ve- nus im Pelz" folgt. Die grausame Frau ist die- jenige Frau, die die Schlageszene kaltblütig anordnet und genußvoll überwacht (siehe Wilke, "Cruel Women in Sade, Sacher-Ma- soch, and Treut" 249K). Das sexuelleverlan- gen, das Jason verspürt, ist durch dieses Zitat der klassischen Konstellation des Ma- sochismus in der Literatur der Jahrhundert- wende, in seiner Psychodynamik durch- schaut. Bereits bei der ersten Begegnung Ja- sons und Medeas existiert Medea für ihn nur in der Konstellation als grausame Wilde, die auf zauberhafte Weise auf ihn einwirkt. Dass es sich bei dieser Figur um seine eigene ma-

sochistische Konstruktion handelt, erkennt er nicht. Die Umrisse dieser Konstruktion sind aber deutlich an folgender Textstelle, die ebenfalls aus Jasons Monolog stammt, erkennbar:

Jetzt überfällt mich das Bild wieder, das ich all die Jahre unter der Oberfläche ge- halten habe. Das grausamste und unwi- derstehlichste Bild, das ich von ihr habe. Medea als Opferpriesterin vor dem Altar einer uralten Göttin ihres Volkes, in ein Stierfell gehüllt, eine aus Stierhoden ge- fertigte phrygische Mütze auf dem Kopf, Zeichen der Priesterin, die das Recht hat, Schlachtopfer zu vollziehen [...I, mir schauderte vor ihr, und ich konnte den Blick nicht von ihr wenden, und ich bin si- cher, sie wollte, daß ich sie so sah, schreck- lich und schön, ich begehrte sie, wie ich noch nie eine Frau begehrt hatte [...I. (64-65)

Das Bild der grausamen Venus gehüllt in Pelz mit einer phallisch anmaßenden Mütze auf dem Kopf, die den wilden Haar- busch nur unzureichend verdeckt, ist ein- deutig Produkt der masochistischen Phan- tasie Jasons, der-"wie ein Hund" (so die Sprachregelung bei Sacher-Masoch und dem Ende von Franz Kafkas Roman Der Proceß)-an den Füßen Medeas lecken und sich in Schlacht(=Schlage)phantasien sexuell ausleben möchte.

In Jasons Reiseerzählungen nach der Ankunft der Argonauten in Korinth spielt das malerische Bild von der Wildheit und Grausamkeit der durchfahrenen Kultur- kreise ebenfalls eine wichtige Rolle. "[Dlie Korinther wollen hören, daß irn wilden Os- ten auch die Tiere unbezwinglichund schau- erlich sind, und es schaudert sie, wenn man ihnen sagt, dass die Kolcher Schlangen als Hausgötter an ihrer Herdstelle hielten und sie mit Milch und Honig fütterten" (56). Als Grenzgänger ist Jason einer der wenigen, die wissen, dass diese Praxen am Rande von Ko- rinth, wo die Kolcher leben, weiterbestehen. Der Diskurs, den Jason über die Kolcher führt,geht von der kulturellen Andersartig- keit der Kolcher aus, die letztendlich als min- derwertig empfunden wird und in ihrer An- dersartigkeit unbedingt markiert bleiben muss. Jason selbst erkennt diese Dynamik nicht. In seiner naiven Unreflektiertheit be- hauptet er: "Und man setzt doch die Kolcher nicht herab, das habe ich Medea klarzuma- chen versucht, wenn man feststellt, daß sie anders sind'' (59). Doch, genau das macht man. Man markiert sie als anders, schließt sie systematisch vom kulturellen Zentrum Korinths aus und urteilt über sie aus einer vermeintlichen Machtposition heraus.

Eine viel distanziertere und von daher in gewisser Weise reinere Version des kolonia- len Diskurses vertritt in diesem Roman Aka- mas, Kreons erster Astronom. Er registriert zwar, dass die Korinther Medea nach einer Eingewöhnungszeit ebenfalls als "schöne Wilde" bezeichnen, ist aber der reißenden Lustphantasien, die Jason überfallen, ab- hold. Er urteilt ganz aus der Pose der kultu- rellen Überlegenheit des Kolonialherren. Die kulturellen Praktiken der Kolcher sind fir ihn lediglich primitiv und haben keinen Sinn, weil Akamas die kolchische Kultur gänzlich von außen betrachtet und sich nicht um eine strukturelle Analyse der anderen Kultur bemüht. Die Überzeugungen der Korinther, was ganz essentielle kulturelle Fra- gen der Einstellunggegenüber Gefuhlshaus- halt und der Organisation von Gedanken bei- spielsweise anbetrifft, nennt Akamas "[vler- altet natürlich, überholt," und bezeichnet sie weiter als "[klreatürliche Dumpfheit" (123). Im Falle von Akamas können wir nachemp- finden, wie der koloniale Diskurs sich mit dem Diskurs der überlegenen Rationalität verbindet, ohne aufdie vollständige Beliebig- keit seiner Prämissen zu reflektieren: Aka- mas, der Sternendeuter, folgt ungefragt ei- ner vollkommen abstrakten Semiotik der stellaren Konstellationen und höhnt gleich- zeitig über die primitive astronomische Pra- xis der Kolcher, "die von Frauen betrieben wird und auf den Mondphasen beruht" (124). Im Roman ist von daher meines Er- achtens eine Kritik dieser Position zumin- dest ansatzweise eingearbeitet, weil die ab- surden Prämissen dieser Position nicht von der Figur selbst reflektiert werden.

Agameda ist, wie Medea, Kolcherin und Heilerin-in Korinth war sie Medeas begab- teste Schülerin, von ihr ungeliebt und nun Medea in Hass zugetan. Wie Medea ist sie ge- kennzeichnet durch Hybridität, die in ihrem Fall aus der Ablehnung ihrer kolchischen Herkunft und der unkritischen Annahme der korinthischen Lebensform besteht. Aga- meda "scheint es schwachsinning, sich an ein unhaltbares Selbstbild zu klammern, aber warum sich nicht anstrengen, in die hö- here Existenzform aufzusteigen" (79)?Dieses neue Selbstbild schließt die schamlose Manipulation anderer Menschen auf einer individuellen Ebene wie auch die Rechtferti- gung kolonialer Eroberungen auf einer ge- sellschaftlichen Ebene ein. Obwohl Agade- ma diese Prozesse durchschaut, lehnt sie sie durchaus nicht ab, sondern nutzt sie zu ihren eigenen Gunsten. Sie bewegt sich dadurch, zumindest was ihre Handlungen anbetrifft, innerhalb des korinthischen Kulturkreises, den sie zwar wie gesagt aufseine Funktions- weise durchschaut, dessen Rationalität sie aber für sich produktiv ausschöpft und als Uberlegenheit einer höheren Existenzform anerkennt.

Die komplexeste Figur in diesem Roman ist natürlich die Titelfigur. Sie ist die autori- tativste Stimme über das Leben in Kolchis wie auch in Korinth und für die Erzählfunk- tion Identifikationsfigur. Mit vier Einzelmo- nologen ist Medea die Figur, die die meiste und detaillierteste Information liefert. Und meines Erachtens ist sie auch die von der Er- zählfunktion so angelegte kritischste und neutralste Stimme, die den Tenor der Ratio- nalitätskritik, der den Roman insgesamt be- stimmt, vertritt. Ihr Monolog setzt ein als imaginierter Dialog mit der in Kolchis geblie- benen Mutter, während dessen sich Medea an die Stationen ihrer Reise nach Korinth er- innert. Wie in Kassandra ist Medeas Mono- log auch ein Erinnerungsmonolog kurz vor Ende ihres Wirkens in Korinth, nach der Vertreibung aus dem Palast und kurz bevor sie von der Meute aus der Stadt getrieben wird. Von ihr erfahren wir viele Vergleichs- daten über Korinth aus kolchischer Perspek- tive. Und diese Art von Information ist ur- sächlich mit der Konstruktion der Figur durch die Sehweisen der Psychologie und des Feminismus verbunden. Beispielsweise in- formiert uns Medea über die Rolle der Frau in Korinth, wenn sie sagt: "Ich bin keine jun- ge Frau mehr, aber wild noch immer, das sa- gen die Korinther, für die ist eine Frau wild, wenn sie auf ihrem Kopf besteht" (18).Im Gegensatz dazu kommen die Frauen in Ko- rinth ihr eher vor "wie sorgfältig gezähmte Haustiere"(18).Medea schlüpft hier in die Perspektive des modernen Feminismus, der die den Männern equivalente Denkfähigkeit der Frau postuliert und sich über Zähmun- gen und Herabsetzungen aller Art empört. Medea und ihre feministische Ansichten fol- gen hiermit der alten Tradition der aufkläre- rischen Rationalitätsmoral, die besagt, dass alle Menschen gleich vernünftig angelegt sind und von daher eine gleiche Chance in Leben verdienen. Diese Position ist-so einsichtig sie auch für uns klingen mag-kul- turanthropologisch zumindest insofern pro- blematisch, als eine fremde Kultur aus der Perspektive der allgemeinen Menschenrech- te beurteilt und mit einem Maßstab gemes- sen wird, der der Kultur selber nicht ange- messen ist. Paradoxerweise zeigt sich Medea mit dieser Beurteilung über die Rolle der Frau in Korinth als Teilhaberin an der kolo- nialen Perspektive, die sie nun-ironisch- auf die Verhältnisse in Korinth anwendet. Sie entdeckt dort nicht nur die Zähmung der Frau, sondern erkennt auch die Dynamik des zweiten Blicks, entdeckt das tiefste Ge- heimnis Korinths (das Opfer der Königs- tochter Iphinoe) und kritisiert die Unter- drückung der GefUhle in Korinth sowie die Goldgier der Korinther. Medeas Interpreta- tion der korinthischen Gesellschafl beruht von daher auf einer rationalistisch gepragten Umdeutung des Mythos, die nicht stniktudistisch ge~ragt ist, sondern auf einer kul- turtheoretischen Basis operiert, die sich aus Psychologismus und Feminismus zusammensetzt, dabei die Paradigmen der be-

schriebenen Kultur aber außer Acht lässt und paradoxerweise dem kolonialen Herr- schaftsdiskurs sich verschreibt. Im Gegen- satz zu Friederike Mayer, die behauptet hat, dass Medea einen doppelten Ausschluss vom Diskurs der Macht als Wilde und als Frau er- leidet, möchte ich gerade das Funktionieren und Navigieren der Titelfigur innerhalb der Diskurse des Orientalismus und der kolonia- len Überlegenheit untersuchen, ohne Besitz von deren Sprachregelungen Medea meines Erachtens gar nicht zu den Schlüssen kom- men könnte, wie sie sie irnLaufe des Romans ausspricht (vgl. Mayer 86).

Gleichzeitig ist Medea, wie auch Agame- da, ein Fdbeispiel von Hybridität, denn sie ist nicht nur verstrickt mit dem kolonialen Herrschaftsdiskurs der Uberlegenheit, son- dern versucht auch in ihren Berichten ihrer eigenen Kultur gerecht zu werden. Dieser Kultur ist sie aber, wie sich zeigt, längst ent- wachsen. Sie urteilt über sienicht wie Ja- son-, aber doch aus zwar verständiger, aber entrückter Perspektive. Über ihre Zeit in Kolchis macht Medea eine sehr interessante Bemerkung. Sie sagt: "Unser Kolchis ist mir wie mein vergrößerter Leib gewesen, an dem ich jede seiner Regungen spürte" (98)und bestätigt damit die Annahme der Identität von Frauenleib und Natioflolk, die ihrem Verhältnis zur einheimischen Kultur unter- liegt. Diese Einheit wird aber durch die mitt- lerweile angenommene hybride Identität zwischen Kolchis und Korinth zumindest ge- danklich zerstört. Von Korinth aus kann Medea auf die Schwächen der kolchischen Kultur reflektieren und die individuellen Schwächen des Königshauses analysieren. Jetzt stört sie der Starrsinn, der Unnütz der Prachtentfaltung, und die Hinfälligkeit des Vaters.

Wir hatten ihn unterschätzt, unser hin-

fälliger, unfahiger K6nig und Vater hatte

jedes Fetzchen Kraft, das noch in ihm wai

auf einen Punkt versammelt: sich an der

Macht und damit am Leben zu halten. (98)

Aber auch der Starrsinn der alten Frauen, "dieser fanatischen Gruppe alter Weiber, deren Lebenssinn es war durchzusetzen, daß wir in Kolchis in jeder winzigsten Ein- zelheit so leben sollten wie unsere Vorfah- ren" (102), und die aus dieser Konsequenz heraus den Bruder und Nachfolger Ab- syrtos opfern, wird von Medea bereits in Kolchis kritisiert-vielleicht nicht offen und bewusst, aber die Einsicht in die Ab- surdität dieser Dynamik hat zu Medeas Entscheidung zur Flucht mit Jason beige- tragen. Um mit Friedrike Mayer zu spre- chen, "Medea besitzt einen bohrenden Blick, der der Wahrheit auf den Grund geht. Sie registriert die Signale ihres Kör- pers sehr bewußt und nimmt auch die Ver- härtungen, die sich körperlich ausdrü- cken, bei sich und anderen genau und kritisch wahr" (91).

Nur der Traum der Kolcher-als utopische Idee sozusagen-kann Medeas neu er- worbenem rationalen Kalkül auf nostalgi- sche Art widerstehen:

Wir in Kolchis waren beseelt von unseren uralten Legenden, in denen unser Land von gerechten Königinnen und Königen regiert wurde, bewohnt von Menschen, die in Eintracht miteinander lebten und unter denen der Besitz so gleichmäßig verteilt war, daß keiner den anderen ben- eidete und ihm nach seinem Gut oder gar nach seinem Leben trachtete. (99)

Dass dieser Traum aufgegeben werden musste in Korinth, ist vielleicht die bit- terste Erfahrung, die Medea machen muss, auch wenn sie im Nachhinein die Verhält- nisse in Kolchis mit aller Schärfe durch- schaut und kritisiert, wie wir oben gese- hen haben.

Die Begegnung mit den Gesetzen der al- ten Zeiten, wie sie im Brudermord prakti- ziert wurden, gibt mittlerweile auch Medea, der hybriden Figur,einen Schauder vor dem Primitiven, wie wir ihn von Jason her ken- nen, und fördert in ihr die rationale Einsicht in die Unabwegbarkeit eines dort praktizier- ten Umgangs mit Tradition, die letztendlich ihren Weggang aus Kolchis motiviert:

Und seitdem ist mir ein Schauder geblie- ben vor diesen alten Zeiten und vor den Kräften, die sie in uns freisetzen und de- rer wir dann nicht mehr Herr werden können. Irgendwann muß aus diesem Tö- ten des Stellvertreterkönigs, das alle gut- hießen, auch er selbst, irgendwann muß daraus Mord geworden sein, und wenn dein furchtbarer Tod mich etwas gelehrt hat, Bruder, dann dies, daß wir nicht nach unserem Belieben mit den Bruchstücken der Vergangenheit verfahren können, sie zusammensetzen oder auseinanderrei- ßen, wie es uns gerade paßt. (103)

Durch diese Erfahrung des Heimatver- lusts und der Unsicherheit über ihre Rolle in einer neuen kulturellen Konstellation schlüpft Medea in das Bild der wilden und grausamen Barbarin, das Jason und die Argonauten, später auch die Korinther, sich von ihr gemacht haben und das ihre Zauber- und Heilkraft wie auch ihre sexu- elle Anziehungskraft ursächlich begrün- det: bei der Abfahrt der Argo und ange- sichts der Verfolgung des Schiffes durch die Königsflotte "stand ich auf der 'Argo' und warf dich [Bruder] stückweis ins Meer. Da ließ Aietes die kolchische Flotte abdrehen, zum letzten Mal sah ich das ver- traute Gesicht, versteint vom Schrecken" (105). Dieses Bild einer Frau, die unter wilden Schreien die Knochen eines Toten, die sie bei sich trug, ins Meer wirft, hat sich für immer Jason und seinen Argonau- ten eingeprägt und zur Festlegung ihrer Rolle als barbarisches kolchisches Subjekt in Korinth beigetragen.

Diese Konstruktion der wilden Frau wird durch die Vorbeifahrt an der Insel der Kirke nur noch verstärkt, der Verwandten, deren Ruf als Zauberin weithin bekannt ist. Das Bild der grausamen Kirke wirkt bereits als Vorbote, so dass die Argonauten sich nicht trauen, mit Jason und Medea das Schiff zu verlassen. Jason und Medea treffen diese andere wilde Frau amUfer. "[Slie wusch ihr flammend rotes Haar und ihr weißes Gewand im Meer, wir sahen in ihr zerklüftetes, fluchterregendes Gesicht, sie schien zu wis- sen, wer da kam" (107). Kirke ist die konse- quente Version einer grausamen Frau: Pries- terin, von einer Schar ihr treu ergebenen Die- nerinnen umgeben, vollzieht sie mimetische Opferrituale, die Medea und Jason von Blut- schuld reinigen sollen. Aber ihre Wildheit wird bei Wolf zurückgenommen durch die Beifügung von Psychologie und Feminis- mus, denn Kirke durchschaut die Funktionsweise der Welt und die Psychologie der Einzelindividuen. Kirkes Zauberkraft speist sich aus ihrer Schlauheit, ihrer Kenntnis der menschlichen Psychologie und der seeli- schen Bedürfhisse von Männern (und Frau- en). Kirke definiert auch fürMedea ihre Auf- gabe in ihrer neuen Rolle ander Seite Jasons:

[Ilch dürfe nicht bleiben. Ich sei eine von denen, die inmitten dieser Leute leben, die erfahren müßten, woran wir wirklich mit ihnen sind, und die müßten. ihnen die Angst vor sich selber zu nehmen, die sie so wild und gefährlich mache. Und sei es nur bei diesem einen da, dem Jason. (110)

Medeas Aufgabe als hybrides barbarisches Subjekt in Korinth ist also die Verbreitung von mehr Selbsterfahrungund Selbsterle- ben unter den Korinthern, was letztend- lich dazu führen soll, Angst abzubauen und friedliche Subjekte herzustellen.

Dass dies nur sehr rudimentär und ver- einzelt gelingt, ist die Trag$ von Medeas Aufenthalt in Korinth und die Geschichte ihrer Verstricktheit mit seiner Geschichte. Am Ende des Romans wartet sie auf das Ge- richtsurteil, nachdem sie in grenzenloser Hybris zu dem Frühlingsfest der Korinther gegangen ist und dort der unheilvollen Ge- walt der radikalisierten Menschenmenge widerstehen wollte, die sich an einer Gruppe von Asyl suchenden Gefangenen vergreifen wollte. Angesichts der Primitivität der Mas- senreaktion auf das Opferfest schaudert Me- dea. Und dieses ist der Schauder der Zivili- sierten gegenüber der kulturellen Praktiken der Primitiven, der nach Inge Stephan der Figur einen Fundamentalismus unterschiebt, dem sie selber schließlich zu Opfer fällt (siehe 248). Diese Szene der Massenhys- terie wird wiederholt bei dem Fest der Deme- ter, das die Kolcher feiern und an dem auch Medea teilnimmt. Auch hier kann die distan- ziert urteilende Medea nichts ausrichten, als ein Korinther ein Baum irnheiligen Hain der Kolcher abschlagt. Medea wird nun ange- klagt, die Frauen, die ihm aus Rache und Protest das Geschlecht abgeschnitten ha- ben, angeführt zu haben. Medeaist damit am Ende ihres Weges angekommen. Verbannt aus Korinth, entfremdet von ihren Lands- leuten, getrennt von Jason und ihren Kindern, die noch gesteinigt werden sollen, flüchtet sie in die Berge, um ein gnadenlos verarmtes, perspektivenloses und hartes Le- ben mit einer Handvoll anderer geflüchteter Frauen zu schinden.

Das in diesem Text aus der masochisti- schen Phantasie Jasons entstandene Bild von Medea als grausamer Frau enthält Spu- ren von Wolfs neuer und neu gefaßter Aus- einandersetzung mit Kulturtheorie, die zwar ihren Ursprung im Feminismus der achtziger Jahre nicht ableugnet, wie der Ver- gleich mit der Figurenfühning in Kassandra deutlich zeigt (zur identifikatorischen Lek- türe siehe Loster-Schneider, "Den Mythos lesen lernen" 389), die aber über denplakati- ven Geschlechterdiskurs und die grobe Ver- urteilung anderer Kulturen (des "patriar- chalischen Südens" beispielsweise), die die früheren Texte noch bestimmt hat, deutlich hinausgeht. Georgina Paul hat ja bereits de- tailliert auf die Kontinuitäten zwischen dem Medea-Roman und dem früheren Kassan- dra-Projekt aufmerksam gemacht, indem sie vor allem auf die Prinzipien der Relektüre der klassischen Gründungstexte und den Rettungsversuch des Weiblichen hingewie- sen hat (228-30). Gleichzeitig ergibt sich durch diese Interpretationsstrategien für Paul aber auch eine Verengung der mythi- schenFigur,denn "[ulm aber in Medea, gera- de in Medea, ein Vorbild der Selbstkenntnis zu finden, denn Selbstkenntnis ist das zen- trale Ideal der Wolfschen Poetik, muß sie das Kunststück vollbringen, aus dem Bild der Medea jegliche Gewalttätigkeit zu tilgen. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass Medea auch jeglicher Leidenschaft entbehren muß, beginnend damit, daß sie Jason nicht liebt" (235). An Handvon Medea können wir durch die Vielfalt der Stimmen eine Vielzahl an Re- aktionsweisen auf die gesellschaftliche Si- tuation in Kolchis und in Korinth erleben, die uns ein facettenreiches Bild dieser zwei vor-klassischen Gesellschaften bietet. Dabei ist die Nähe bzw. Entfernung zum vorherr- schenden Diskurs des Orientalismus ein ent- scheidendes Kriterium, das die einzelnen Stimmen unterscheidet, wie auch der Grad an Hybridität, derjedes einzelne Individuum dieses Romans individuell bestimmt.

Als Summe meiner Textanalyse kritalli- sieren sich zwei Kernthemen heraus: zum einen ist es die Offenlegung der zentralen Verbindung zwischen Kolonialismus und Ma- sochismus, die wir in der Figur Jasons beob- achten können, die die Lektüre von Medea. Stimmen als postkolonialen Text so interes- sant macht und zu einer wichtigen Erkennt- nis über die historische Funktionsweise von Kolonialismus beitragt. Zweitens ist es der in die gegenteilige Richtung zeigende Versuch Wolfs zur Enthistorisierung und Entkon- textualisiemng der einzelnen Figuren, nicht nur der Titelfigur, die diese Erkenntnis ab- schwächt und quasi dem Text gegen seine Intention abgerungen werden muss. Wolf drängt die Interpretation der Figuren in eine Richtung, die sich der typischen Aufarbei- tung der Geschichte der Kolonialbewegung und der kolonialen Phantasien in der Nach- kriegszeit anschließt, die zum großen Teil auf der Identifikation der deutschen Geschichte mit einer Opferposition beruht. Wolfs Text ist somit Zeugnis wichtiger F'unktionsme- chanismen innerhalb des kolonialen Diskur- ses wie auch seiner Aufarbeitungstradition.

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